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Analog trifft digital

Analog trifft digital

Vorhin ist etwas Erstaunliches passiert. Erst fand ich das amüsant, aber dann war ich doch auch ein bisschen gerührt. Ich habe einen Kommentar zu einem älteren Blog-Beitrag bekommen – am Telefon …

In letzter Zeit habe ich viele Beiträge zu Netzpolitik und Urheberrecht gelesen und konnte mich des Eindrucks nicht erwehren, dass da ein ziemlich mächtiger Graben zwischen alter und neuer Welt verläuft.

Auf der einen Seite Musiker und Autoren, die fast schon verzweifelt auf ihr Urheberrecht pochen und dabei so tun, als sei das Internet ihr Ruin und die Webnutzer eine Bande gemeiner Zechpreller. Auf der anderen Seite Webnutzer, die genau dieses Klischee erfüllen und stolz in Kommentaren berichten, dass sie noch nie in ihrem Leben für Musik bezahlt hätten und auch nicht gedenken, das in naher oder fernen Zukunft zu tun. Auf der einen Seite Politiker, für die alles Digitale eine Bedrohung darstellt und die vor lauter Bäumen den Wald bzw. vor lauter Risiken die Chancen nicht sehen. Auf der anderen Seite Piraten, die trotz mehrerer gewonnener Wahlen und unglaublicher Umfragewerte auf Bundesebene immer noch nicht glauben, dass man auch mal zu Themen außerhalb des Web Stellung beziehen müsste.

Gibt es also nur schwarz und weiß, alte und neue, analoge und digitale Welt?

Heute bekam ich also einen Anruf, den ich in dieser Hinsicht tröstlich fand. Eine ältere Dame rief mich an, meine Nummer hatte sie aus dem Impressum dieses Blogs. Sie sei 70 Jahre alt, sagte sie mir, und wollte sich für meinen Blog-Beitrag über Symptome bei der Süddeutschen Zeitung bedanken. Es sei ihr genauso wie von mir im Blogbeitrag geschildert ergangen. Sie habe ihr Abo urlaubsbedingt unterbrechen wollen und sei am digitalen Durcheinander der SZ verzweifelt. Zwei Stunden lang habe sie versucht, die richtige Option zu finden, dann habe sie nach einer Lösung gegoogelt und sei dabei auf meinen Blogbeitrag gestoßen. Und dann habe sie sich so darüber geärgert, dass ich die Probleme bereits vor einem Jahr geschildert habe und in der Zwischenzeit seitens der SZ nichts verbessert worden sei, dass sie jetzt nach 20 Jahren ihr Abo gekündigt habe. Und das wollte sie mir nur kurz erzählen und wünsche mir im Übrigen noch einen schönen Abend.

Ist das nicht wunderbar? Ein Blog-Kommentar am Telefon. Alte Welt und Social Media Hand in Hand …

PS: Es war nicht meine Absicht, SZ-Abonnenten mit meinem Blogbeitrag zur Kündigung zu bewegen. Aber wenn man ein Jahr lang an einem schlechten System nichts ändert, obwohl man weiß, dass die Kunden darüber nicht erfreut sind, muss man sich auch nicht wundern …

Bildnachweis: pauline, adel / pixelio.de

  1. eine wirklich schöne Story! Finde ich klasse, dass es so etwas gibt!

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    4. April 2012
  2. sehr schön :)

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    30. April 2012
  3. Andrea #

    Ich habe den Urlaubseintrag zur SZ auch eben per Suchfunktion gefunden und bin dankbar dafür. Zum Beantragen der Gutscheine fehlte nur noch ein Klick. Zu denen man im Übrigen nichts über die Länge der Gültigkeitsdauer erfahren kann….denn das war der eigentliche Anlass meiner Suche.
    Nun schreibe ich eine mail und bin gespannt. Immerhin ist der Eintrag hier ja bereits fast 1,5 Jahre alt. Bedenklich……

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    11. Juni 2013

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