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Der deutsche Wald

Der deutsche Wald

Ein Blog-Beitrag über den deutschen Wald? Ach du meine Güte! Das klingt ja total altmodisch, langweilig, analog. Muss aber trotzdem sein …

Der eigentliche Auslöser für diesen Blog-Beitrag ist das Gegenteil von langweilig, er ist extrem spannend. Aber dazu später mehr.

In den Schatten des Waldes eintauchen

Ich bin tatsächlich mindestens einmal pro Woche im Wald unterwegs. Als (Hobby-)Läufer, der seit Jahren ohne große Ambitionen, nur weil es Spaß macht (naja: je nach schwankendem Fitness-Zustand mehr oder weniger Spaß) vor allem am Wochenende irgendwas zwischen fünf und 15 Kilometern im benachbarten Wald zurücklegt. Es gibt nichts Besseres als im Sommer, nach dem ersten sonnigen Kilometer am Stadtrand, in den Schatten des Waldes einzutauchen. Und es ist wunderbar, das ganze Jahr über durch den Wald zu laufen und zu sehen, wie er sich im Laufe der Jahreszeiten verändert.

Doch ich gebe zu: Laufen (im Sinne von Joggen) führt zu geteilter Aufmerksamkeit. Spätestens nach drei Kilometern bin ich im Lauf-Tunnel, lasse die Gedanken schweifen, nehme den Wald rechts und links nur noch am Rande wahr. Erschwerend kommt hinzu, dass ich beim Laufen Musik höre. Ich habe es auch schon ohne Musik versucht, gerade um die Natur um mich herum noch mehr wahrzunehmen. Aber das wirkt sich erheblich auf mein Durchhaltevermögen aus. Ohne Musik fällt mir das Laufen doppelt so schwer, ist einfach so.

Keine Angry Birds im Wald?

Gelegentlich gehe ich mit meiner Frau wandern – nicht so oft, wie wir möchten, da wir jedes Mal entscheiden müssen, ob wir die Kinder mitnehmen (führt, wenn wir Pech haben, zu Dauergequengel während der Wanderung) oder zu Hause lassen (dann müssen wir die Betreuung irgendwie regeln). Aber immerhin. Und wir können uns gar nicht beklagen: Unsere Kinder finden Wald eigentlich ziemlich spannend, von allem, was kreucht und fleucht, bis zu allem, was man schnitzend bearbeiten kann. Eine moderne Großstadtfamilie kennt Wald wahrscheinlich nur vom Hörensagen – irgendwas, wo man sich schmutzig machen kann und wo definitiv zu wenige Angry Birds durchfliegen, als dass das irgendwie interessant sein könnte.

So richtig Glück haben wir mit dem Wald vor unserer Haustür auch nicht. Der “Reichswald” im Großraum Nürnberg ist ein reiner Kiefernwald, daher von den fränkischen Ureinwohnern auch “Steckerlaswald” genannt, seit Jahrhunderten als Monokultur aufgeforstet und damit alles andere als ein natürlicher Wald. Dass es auch anders geht, kann man zum Glück überall in Deutschland bewundern. Zum Beispiel im Bayerischen Wald, aus dem die Fotos in diesem Artikel stammen. Oder auf Rügen, wo wir unseren letzten ausführlichen Wald-Spaziergang gemacht haben: An den Kreidefelsen im Nordosten, wo ein Buchenwald wächst, aber was für einer!

Das grüne Wunder

Das alles, selbst der schönste deutsche Mischwald, sind aber keine natürlichen Wälder, wie ich inzwischen gelernt habe, und damit kommen wir zum Anlass für den Blog-Beitrag: Ich war nicht im Wald, sondern im Kino und habe “Das grüne Wunder” gesehen. Ein grandioser Film, den ich euch unbedingt empfehlen möchte. Tolle, spektakuläre Natur-Dokumentationen gibt es ja inzwischen einige, aber dieser Film spielt nochmal in einer anderen Liga. Vor allem hat mir gefallen, dass man gar kein exotisches Sujet wählen muss (Tiefsee, Arktis, Sahara …), sondern dass das “Wunder” buchstäblich vor unserer Haustür liegt. Schön, dass es Regisseur und Produzent Jan Haft in sechs Jahren Drehzeit (!) in solch phantastischen Bildern festgehalten hat.

Der natürliche Wald ohne menschlichen Einfluss war übrigens viel luftiger als das, was wir kennen: Baum an Baum, grünes Blätterdach, finsterer Nadelwald. Verantwortlich dafür war das Großwild vom Wisent bis zum Hirsch, das ein gutes Stück Wald einfach aufgefressen hat. Der Mensch hat sich dafür das fies klingende Wort “Verbiss” ausgedacht, das konsequent abgestellt (sowas können wir ja ganz gut) und damit den Wald gründlich verändert. Aber immerhin: In einigen mitteldeutschen Regionen wird wieder Großwild angesiedelt und es galoppieren sogar vereinzelt wieder Wisents durch deutsche Wälder, wie der Film am Schluss zeigt.

Am besten wär’s, ihr schaut ihn euch einfach an. Hier schon mal ein kleiner Vorgeschmack:

  1. Sehr gelungen! Ergänzen möchte ich, dass es auch im Reichswald Gebiete gibt, in denen man nicht mehr von Steckerlaswald sprechen kann. Zum Beispiel ist das zwischen Heroldsberg und Behringersdorf der Fall, auch zwischen Buchenbühl und Kalchreuth gibt es streckenweise schönen Mischwald.

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    16. September 2012
  2. Ich war im September nach 2 Jahren mal wieder in Deutschland zu Besuch und bin ein paar Tage im Bayerischen Wald gewandert. Wunderschön!!

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    14. Oktober 2012

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  2. Steckerlaswald | Auf meiner Laufrunde

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