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Foursquare und das Problem der kritischen Masse

Kürzlich war ich auf einem Elternabend an einem Erlanger Gymnasium. Wie üblich wurden Informationen ausgetauscht, man lernte ein paar Leute kennen … alles war in bester Ordnung. Doch dann wurde ich Bürgermeister dieser Schule – und das ist ein Problem.

Das Albert Schweitzer Gymnasium in Erlangen hat 1.240 Schüler. Die Schüler sind im Gegensatz zu mir, das liegt in der Natur der Sache, allesamt Digital Natives, und nutzen die neuen Medien mit großer Selbstverständlichkeit. Außerdem haben sie jede Menge Eltern, die zu Elternabenden und anderen Veranstaltungen kommen. Und dann gibt es natürlich noch 110 Lehrer am ASG. Umso mehr habe ich mich gewundert, dass noch keiner das Gymnasium als Ort auf Foursquare angelegt hatte, als ich vor einigen Wochen zum ersten Mal dort war und mich natürlich sofort einchecken wollte. Beim zweiten Einchecken an besagtem Elternabend wurde ich dann, wie bei Foursquare üblich, Bürgermeister des Ortes.

Stopp, halt, Moment … Ort? Einchecken? Bürgermeister? Wovon redet der Mann? Für alle, die nicht zu den wenigen Foursquare-Nutzern gehören, habe ich hier kurz erläutert, was Foursquare überhaupt ist.

Nur 20.000 Nutzer

Location Based Services wie Foursquare sind jedenfalls in Social-Media-Kreisen in aller Munde. Nur offenbar nutzt sie kaum jemand. Mein subjektiver Elternabend-Eindruck wird bestätigt durch Zahlen der Webevangelisten, die im Juli dieses Jahres analysiert haben, dass es in Deutschland zwar 100.000 Foursquare-Orte gibt, dass an mehr als jedem zweiten Ort aber noch nie jemand eingecheckt hat. Und dass es in Deutschland überhaupt nur rund 20.000 Foursquare Nutzer gibt. Zum Vergleich: Es gibt mehr als zehnmal so viele aktive deutsche Twitter-Accounts. Und das ist immer noch wenig im Vergleich zu den rund 12 Millionen aktiven Facebook-Nutzern in Deutschland.

Damit hat Foursquare, mehr als ein Jahr nach seiner Gründung, wie viele andere junge Social Media-Unternehmen ein Problem mit der kritischen Masse, die das Manager Magazin wie folgt definiert:

Die kritische Masse bezeichnet die subjektiv wahrgenommene Attraktivität der bereits in einem System, auf einem Marktplatz oder in einer Community vorhandenen Nutzerzahl. Diese Zahl bestimmt den Nutzen, der für ein Neumitglied entsteht, das sich an ein bereits bestehendes Netzwerk anschließen möchte. Hintergrund ist die Überlegung, dass mit der steigenden Nutzerzahl auch die Anzahl der möglichen Transaktions- oder Kommunikationsbeziehungen und damit die Attraktivität eines Netzwerkes steigen.

Der Netzwerkeffekt: Mehr Nutzen mit jedem Nutzer

Mit anderen Worten: Entscheidend für den Erfolg eines Netzwerks ist nicht unbedingt ein hübsches Design, ein toller Service oder der beste Datenschutz, sondern die Anzahl der Nutzer. Denn (Achtung Zungenbrecher): Mit jedem neuen Nutzer steigt steigt der Nutzen für die alten Nutzer – ein Phänomen, das Ökonomen auch als Netzwerkeffekt bezeichnen.

Diesen Effekt gibt es in zwei Ausprägungen: Vom direkten Netzwerkeffekt profitieren man, da man mit jedem neuen Nutzer automatisch eine größere Auswahl hat, mehr Möglichkeiten sich zu vernetzen, Bekannte zu treffen und Kontakte zu knüpfen. Vom indirekten Netzwerkeffekt profitiert man, da eine Plattform mit vielen Nutzern auf kurz oder lang attraktiver ist als eine mit wenigen Nutzern, da zum Beispiel Anbieter von Apps und Zusatzfunktionen bevorzugt für die Viel-Nutzer-Plattformen programmieren werden. (Daher bekommt das erfolgreichste Netzwerk letztlich dann doch das hübscheste Design, den tollsten Service etc., da diese Investition für die Betreiber einfach lohnt …) Und so kommt es schließlich zum „Winner-takes-it-all“-Effekt, den das Handelsblatt so beschreibt:

Sobald ein Angebot einen deutlichen Vorsprung im Vergleich zu anderen besitzt, steigt die Nutzerzahl rasant an, während die Konkurrenz-Netzwerke massiv an Attraktivität verlieren.

MySpace und die VZ-Netzwerke können angesichts der Facebook-Entwicklung ein Lied davon singen …

Foursquare takes it all?

Vor diesem Hintergrund ist es fraglich, ob Foursquare oder seine noch bedeutungsloseren Mitbewerber je die kritische Masse erreichen werden, um einen Netzwerkeffekt zu generieren. Zumal vor Kurzem Facebook Places an den Start gegangen ist, ein vergleichbarer Location Based Service, mit dem der Netzwerk-Platzhirsch, siehe oben, auf einen Schlag rund 12 Millionen deutsche Nutzer erreichen kann.

Ich bin jedenfalls sehr gespannt, wie es hier weitergeht. Meinen subjektiven Indikator – welchen Dienst nutzen künftig die ASG-Schüler? – werde ich jedenfalls im Auge behalten.

Ein Gedanke zu “Foursquare und das Problem der kritischen Masse

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