URL-Verkürzer: 10 Dinge, die ihr schon immer über Kurz-URL-Dienste wissen wolltet

Immer öfter begegnet man kryptischen kurzen URLs wie zum Beispiel http://bit.ly/afWYyK oder http://ow.ly/38YYh. Der Grund dafür ist ganz einfach: In Kurznachrichtendiensten wie Twitter ist kein Platz für lange URLs. Kurz-URL-Dienste (oder URL-Verkürzer oder URL-Shortener) helfen beim Verkürzen und Zeichen-Sparen.

Aber sie können noch mehr. Hier daher meine Top-Ten-FAQ zu URL-Verkürzern:

Gibt es viele Kurz-URL-Dienste?

Das kann man wohl sagen. Die längste Übersicht, die ich gefunden habe, umfasst knapp 200 Dienste. Aber das sind alles Epigonen, bis auf einen: TinyURL. Der hat’s erfunden, und zwar im Jahr 2002.

Und welcher URL-Verkürzer wird am häufigsten genutzt?

Einen guten Eindruck bekommt man, wenn man sich die von Twitter-Usern genutzten Verkürzer anschaut: Dort liegt ganz klar bit.ly mit 33% Anteil vorne. Dann folgen mit großem Abstand twitpic.com (5%), tl.gd (4%), tinyurl.com (4%), myloc.me (3%), tumblr.com (2%) und ow.ly (2%). Aber: Der Markt sortiert sich ständig neu und der Anteil von bit.ly sinkt – vor einigen Monaten lag er noch bei 40%.

Schaden Kurz-URLs nicht der Suchmaschinenoptimierung?

Suchmaschinenoptimierung (SEO) lebt bekanntlich (auch) davon, wie viele Links auf die eigene Seite zeigen. Die Kurz-URLs zeigen aber zunächst mal zu einer anderen Seite, zum Beispiel unter der bit.ly-Domain. Solche Links würden der eigenen Seite unter SEO-Aspekten also nichts nutzen, und das wäre unschön. Stimmt aber zum Glück nicht. Zahlreiche Anbieter arbeiten mit 301-Weiterleitungen. Der Code 301 steht für „moved permanently“ und signalisiert, dass eine Seite dauerhaft an einen neuen Speicherort verschoben wurde. Diesem Redirect folgen Suchmaschinen wie Google, weshalb letztlich auch bei verkürzten URLs der (lange) Ziel-Link, also die eigene Seite, von der Verlinkung profitiert.

Müssen diese Kurz-URLs immer so kryptisch sein?

Nein, müssen sie nicht. Viele Verkürzer bieten „Custom URLs“ an, das heißt man kann als Alternative zur kryptischen, per Zufallsgenerator erzeugten URL eine sprechende URL anlegen. So wird zum Beispiel aus http://bit.ly/afWYyK die hübschere Adresse http://bit.ly/buggisch.

Führt eine verkürzte URL für immer und ewig zum selben Ziel?

Im Prinzip ja, zumindest bei machen Anbietern wie bit.ly: Diese URLs können, einmal festgelegt, nicht mehr verändert oder gelöscht werden, sie veralten nicht und behalten tatsächlich bis ans Ende aller Zeiten ihre Gültigkeit. Es sei denn, Lybien überlegt es sich irgendwann anders und sperrt die Domain (die Endung .ly ist die länderspezifische Top-Level-Domain von Lybien). Haben sie schon mal gemacht, die Lybier, bei vb.ly, allerdings war auf der Startseite dieses Dienstes ein Foto einer Mitarbeiterin in „aufreizender“ Bekleidung zu sehen gewesen. Zu aufreizend jedenfalls für die lybischen Behörden. Aber ich komme vom Thema ab … Es gibt auch Link-Verkürzer, bei denen man explizit einstellen kann, wie lange die Kurz-URL gültig sein soll, zum Beispiel bei linkpin.de.

Wie oft werden solche kurzen Links heutzutage angeklickt?

Verdammt oft. Nach Auskunft von John Borthwick, CEO der Betreiberfirma Betaworks, werden bit.ly-Links jeden Tag mehr als 150 Millionen mal geklickt. Diese Auskunft ist aber schon wieder ein halbes Jahr her. Aktuell sind wir bei 200 Millionen Klicks pro Tag. Vor einem Jahr waren wir übrigens „nur“ bei rund 100 Millionen Klicks pro Woche, das heißt die kurzen URLs werden immer beliebter.

Sind verkürzte URLs nicht gefährlich, da man nicht weiß, auf welche Seite man gelangt?

Richtig ist: Den kurzen URLs sieht man nicht sofort an, wohin sie führen. Aber es gibt verschiedene Vorschau-Möglichkeiten: Manche Twitter-Clients wie Tweetdeck zeigen einem das „echte“ Linkziel hinter der Kurz-URL an – man kann also entscheiden, ob man dorthin will oder nicht. Außerdem gibt es Browser-Plugins wie das Firefox-Plugin „Long URL Please“, die einem eine Vorschau der Webseite hinter der Kurz-URL anbieten. Und schließlich: Weniger als 0,1 Prozent aller Kurz-URLs führen zu Webseiten mit bösartigem Code, hat eine Studie herausgefunden.

Gibt es weitere nette Funktionen von URL-Verkürzern?

Na klar. Viele URL-Shortener bieten Statistiken an, sodass man mitverfolgen kann, wie oft die Links angeklickt wurden, die man gepostet hat. Und auch die, die man nicht selbst gepostet hat. Bei Bit.ly muss man dazu nur an den kurzen Link ein „+“ hängen, dann kommt man zur Info-Seite mit entsprechenden Statistiken. Beispiel: Der kurze Bit.ly-Link auf die Online-Petition gegen Internetsperren wurde über 37.000 mal angeklickt, siehe http://bit.ly/vL2dm+. Eine andere nette Funktion bietet zum Beispiel Google an: Dessen Kurz-URL-Dienst goo.gl ist erst vor wenigen Wochen gestartet. Hängt man an eine verkürzte URL die Zeichen „.qr“ an, erhält man automatischen einen QR-Code, der via Handy-Kamera zum richtigen Ziel führt. Beispiel: Aus goo.gl/boD5C einfach goo.gl/boD5C.qr machen, im Browser eingeben, fertig ist der QR-Code:

Und wo ist der Haken? Oder machen URL-Verkürzer überhaupt keine Probleme?

Doch. Ein Problem ist zum Beispiel, dass der Umweg über die Kurz-URLs Geschwindigkeit kostet. In einer Studie wurden etwa die 14 populärsten URL-Verkürzer getestet. Ergebnis: Bei vielen dauert die Weiterleitung mehr als eine halbe Sekunde, beim Schlusslicht im Test (fb.me) sogar mehr als zwei Sekunden. Und: Das Geschäftsmodell der Kurz-URL-Dienste ist wackelig, daher stellen viele ihren Betrieb wieder ein, die verkürzten Links dieser Betreiber funktionieren dann nicht mehr.

Was passiert, wenn alle möglichen Kombinationen einer Kurz-URL verbraucht sind?

Keine Sorge, das passiert nicht so bald. Rechnen wir mal schnell nach: Bei bit.ly steht hinter dem Slash eine sechstellige Buchstaben-Ziffern-Kombination. Macht pro Stelle 62 mögliche Varianten (10 für die Ziffern 0 bis 9, 26 für Kleinbuchstaben, 26 für Großbuchstaben). Und jetzt kommt das Wunder des Potenzierens einer Zahl: bei zwei Stellen hinter dem Slash gibt es schon 3.844 mögliche Kurz-URLs, bei drei Stellen 238.328, bei vier Stellen 14.776.336, bei fünf Stellen 916.132.832 und bei sechs Stellen schließlich 56.800.235.584 mögliche Kurz-URLs. Bit.ly kann also rund 56 Milliarden Kurz-URLs ausgeben. Das dürfte eine Weile reichen. Und sollte es doch nicht reichen, kann bit.ly ja eine siebte Stelle neu hinzufügen. Dann gibt es 3,5 Billionen mögliche Kombinationen. ;-)

Quellen: Zscaler, Wikipedia, bit.ly, Google, Spiegel, Webmarketingblog, t3n, drweb, Webmaster Blog

7 Gedanken zu “URL-Verkürzer: 10 Dinge, die ihr schon immer über Kurz-URL-Dienste wissen wolltet

  1. Danke für diese sehr gute, komprimierte Zusammenfassung in einfachen Worten. So wie ich es von Dir kenne ;-)
    Ich werde den Beitrag Freunden und Bekannten ohne IT-Hintergrund empfehlen, die sich über das Thema informieren möchten.
    Viele Grüße, Rainer

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