Symptome bei der Süddeutschen Zeitung

Was macht man, bevor man in Urlaub fährt? Sich angemessen vorfreuen natürlich, die Nachbarn bitten die Blumen zu gießen, die Lieferung der Zeitung unterbrechen … Moment: Lieferung der Zeitung unterbrechen? Wenn’s mal so einfach wäre …

Ich neige nicht dazu, aus Mücken Elefanten zu machen. Aber manchmal machen eben die Kleinigkeiten den Unterschied. Eine der Kleinigkeiten, über die ich mich bei der Südeutschen Zeitung schon lange beinahe ärgere (für echten Ärger ist die Kleinigkeit zu klein), ist der Umstand, dass man sein Abo während eines Urlaubs eben nicht unterbrechen kann. Andere Zeitungen schaffen das, etwa die Frankfurter Allgemeine, die dem Urlauber in spe als eine von vielen Optionen auch die Lieferunterbrechung anbietet. Anders die Süddeutsche Zeitung: Dort kann man während des Urlaubs

  1. sich die SZ nachsenden lassen,
  2. sie an Freunde oder Bekannte quasi als Geschenk schicken lassen,
  3. sie an eine soziale Einrichtung quasi als Spende schicken lassen oder
  4. Gutscheine für die SZ bekommen.

Aufmerksame Leser haben bemerkt: Bei allen vier Varianten darf man die SZ weiter bezahlen. Eine echte Liefer- und Zahlungsunterbrechung wie bei der FAZ gibt es nicht.

Frohe Botschaft in der Werbe-Mail

Umso angenehmer war ich von einer Werbe-Mail überrascht, die ich kürzlich von „Ihre
Südeutsche Zeitung Lesermarkt/Aboservice“ bekam. Denn dort stellte man mir erfreulicherweise eine Änderung dieser Praxis in Aussicht (Hervorhebung durch mich):

Feine Sache, dachte ich und wollte sofort meine Pfingsturlaubs-Unterbrechung online hinterlegen. Doch nach dem Login im Aboservice der SZ ergab sich das altbekannte Bild:

Hilfe, wo ist die Lieferunterbrechung?

Wo hatte sich nur die Möglichkeit, die Lieferung zu unterbrechen, versteckt? Wahrscheinlich war ich nur nicht in der Lage sie zu finden. Also schnell mal nachgefragt:

Und wenig später hatte ich auch schon die Antwort der freundlichen Frau F. vom „Aboservice Team Bund /Bayern Nord“ im Posteingang:

Lieferunterbrechung per Postkutsche?

Mit anderen Worten: Man kann die Lieferung unterbrechen lassen, aber nicht im Rahmen des Online-Services (wie in der Werbe-Mail versprochen), sondern nur auf Umwegen über Telefon oder Mail. Fax geht bestimmt auch, könnte ich wetten. Oder Telex. Oder vielleicht per Postkutsche …

Nur: Wozu die Umstände? Eigentlich kann es ja nur eine Erklärung geben: Man möchte den Abonnenten keine Möglichkeit geben, einfach per Klick die Zahlung zu unterbrechen. Der Hinweis in der Werbe-Mail muss ein Versehen gewesen sein. Hat jemand wohl nicht aufgepasst beim Texten …

Eigentlich finde ich das ja rührend: Die paar Euro, die ich der SZ für ungelesene Zeitungen während meines Urlaubs zahle, sind so wichtig, dass man dafür gerne ein bisschen rumtrickst und die Kunden für dumm verkauft. Soll man sich darüber ärgern oder nicht eher Mitleid bekommen mit einem Verlag, der unter sinkenden Auflagen, Sparmaßnahmen, Qualitätsproblemen und fehlender Online-Strategie leidet?

Echter (Online-)Kundendienst sieht anders aus

Egal. So oder so finde ich es ein bisschen symptomatisch, welche Leistungen die SZ in ihrem „Online-Service“ bereitstellt und wie sie dieses Angebot bewirbt. So ein richtig cooler, mit Überzeugung vorgetragener, den Kunden ernst nehmender Kundendienst sieht anders aus. Und ein souveräner Umgang mit diesem Internet-Dings, über das man den entsprechenden Kundendienst anbieten bzw. das man nutzen kann, dem Kunden schnell, einfach und mediengerecht das Leben zu erleichtern, natürlich auch.

Ach ja, ich wollte es dann schon genauer wissen und habe in der Hoffnung auf Klärung nochmal an Frau F. vom Aboservice geschrieben:

Der Rest … war Schweigen.

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Bildnachweis: Markus Hein / www.pixelio.de

4 Gedanken zu “Symptome bei der Süddeutschen Zeitung

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