Total analog

Mal was ganz anderes: Wir waren am Wochenende ja in Bochum. Was soll ich sagen … Eine Schönheit ist Grönemeyers „Perle im Revier“ nun wirklich nicht. Was mich aber fasziniert hat, ist diese durch und durch analoge Bergbau-Welt, deren ruhmreiche Vergangenheit man allenthalben besichtigen kann …

Beispiel Deutsches Bergbaumuseum. Das ist nicht nur von außen beeidruckend durch diesen unglaublichen Stahlkoloss von einem Fördergerüst, sondern auch durch das Anschauungsbergwerk im Inneren (soll heißen: da gibt’s kein echtes stillgelegtes Bergwerk, sondern eines, das zu Anschauungszwecken der Realität nachempfunden wurde).

Das Fördergerüst ist übrigens 71 Meter hoch und 650 Tonnen schwer – für jemanden wie mich, der eher Pixel schiebt und in virtuellen Welten zu Hause ist, ist das schon ziemlich schwer.

Und die tollsten Maschinen mit den tollsten Namen gibt es da. Zum Beispiel diese hier:

Egal was sie gemacht hat: Wie die ganzen anderen Maschinen dort ist sie unglaublich schwer und hat mit Sicherheit einen Höllenlärm und -gestank verursacht, wie wir das heute in unserer schönen neuen Welt (Gott sei Dank) kaum noch kennen.

Hannover in Bochum

Sehenswert zum Beispiel auch, was von der Zeche Hannover übrig ist (die in Bochum liegt und nicht in Hannover): Was wie eine Burg wirkt, ist der erhaltene Malakowturm (wenn ihr wissen wollt, was das ist: Links stehen unten) der Zeche, von dem aus es 750 Meter in die Tiefe ging. Unglaublich, wenn man historische Aufnahmen der Zeche mit dem vergleicht, was davon heute noch übrig ist. Und unglaublich auch hier diese Mengen an Stahl, die man eingesetzt hat, um letztlich ein bisschen Kohlenstoff von unten nach oben zu befördern …

Das alles veranschaulicht doch sehr schön und beeindruckend den Kultur- und Technologiewandel, den ein Land wie unseres in wenigen Menschenleben durchmacht.

Teufen, Haspe, Göpel

Sehr kurios ist übrigens auch der Bergbau-Slang, auf den man überall trifft, wenn es um’s Thema geht – selbst in modernen Medien wie Wikipedia:

Als der Bergbau im Mittelalter in immer größere Teufen vordrang, ergab sich die Notwendigkeit des Teufens von Schächten, die zur Förderung des Erzes und zur Fahrung dienten. Als Fördermaschine war zunächst der Handhaspel im Gebrauch. Dieser wurde direkt über dem Schacht aufgestellt und durch eine Haspelkaue geschützt. Mit dem Erreichen immer größerer Teufen benötigten die Bergleute größere Antriebsleistungen und es wurden große Kehrräder sowie Göpel konstruiert.

Ich weiß weder was Teufen sind noch Haspeln (von einer Haspelkaue ganz zu schweigen) noch Göpel … Aber das klingt doch alles irgendwie sehr nett ;-)

Links zum Thema (aber halt nur virtuelle Andeutungen, das muss man schon in echt gesehen haben …):

4 Gedanken zu “Total analog

  1. Ja, hübsch ist Bochum in der Tat auf den ersten Blick nicht. Und ich weiß wovon ich spreche, habe ich doch lang genug dort gelebt.
    Aber das was es dort zu entdecken gibt ist vielfältig. Und allein dafür hat sich der Besuch ja schon gelohnt, nicht? :)

    Und auch wenn es keiner glaubt: zwischen all der ganzen alten Industriekultur gibt es tatsächlich auch etwas Grün.

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  2. ich glaube dieses http://www.youtube.com/watch?v=afWZfnsQyR8 Liedchen von Herbert sagt viel mehr über die Menschen und das Leben hier im „Pott“. So sind wir hier. Und wenn Du mal wieder in der Nähe bist, zeige ich Dir auch gerne Dortmund und z.B. die Stelle, wo ein komplettes Stahlwerk von hunderten von Chinesen in Handarbeit abgebaut, nach China verschifft wurde und jetzt ein Erholungsgebiet bzw. hochbegehrte Baugrundstücke vermarktet werden. http://www.phoenix-see.de/

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