Frau Aigner erklärt Social Media

Unsere Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner hat Twitter für sich entdeckt. Und äußert gleich mal interessante Theorien über Social Media …

Im Großen und Ganzen finde ich es ja nett, wenn Politiker die neuen Medien nutzen. Dabei geht es ihnen wie allen anderen Menschen auch: Sie machen’s mal besser, mal schlechter, mal originell, mal langweilig, mal mit Ausdauer, mal verlieren sie wieder die Lust und das Ganze verläuft irgendwann im Sande (wie zum Beispiel bei Andrea Nahles, die uns zuletzt im Oktober 2009 auf Twitter mitteilte, dass sie schlecht geschlafen hat, oder Hubertus Heil mit einem rätselhaften Tweet am 29. März dieses Jahres über den „tapsigen Desintegrationsminister Friedrich“; nebenbei erwähnt sollte vielleicht mal jemand unseren Politikern sagen, dass dieses Zeugs in diesem Internet-Dings bis in alle Ewigkeit online bleibt, wenn man sich nicht weiter drum kümmert …)

Frau Aigner twittert dies und das …

Aber zurück zu Frau Aigner. Sie twittert nun dies („Hier ist es erst 18 Uhr“) und das („Vielen Dank an alle für das herzliche Willkommen“), freut sich über ihren ersten Retweet … und hat, fast hätte man’s übersehen können, auch schon einen gehaltvollen Tweet über Social Media und Datenschutz veröffentlicht:

http://twitter.com/#!/ilseaigner/status/116235686096539648

Das ist nun wirklich eine erstaunliche Aussage. Wir erinnern uns: Vor einigen Monaten hat sie mit großem Tamtam ihren Facebook-Account gelöscht, da sie mit dem Datenschutz bei Facebook unzufrieden war. Das finde ich völlig in Ordnung, denn wer  Angst vor dem Missbrauch seiner Daten durch einen Anbieter hat, sollte diesen Anbieter konsequenterweise meiden.

Etwas für datenschutzrechtlich bedenklich oder unbedenklich zu erklären, weil die Inhalte eher öffentlichen oder privaten Charakter haben, ist allerdings mindestens gewagt. Selbst den forschen Landesdatenschützern aus Schleswig-Holstein ist das in ihrer Anti-Facebook-Kampagne nicht als Argument eingefallen.

Naive Ansichten

Und natürlich ist die Auffassung, Inhalte auf Facebook seien „eher privat“ und Inhalte auf Twitter „eher öffentlich“ … ja was eigentlich? Naiv? Schlicht falsch? Total veraltet? Die Zeiten, dass Facebook ein „eher privates“ Netzwerk war, in dem sich „Freunde“ ausschließlich über ihr Privatleben austauschen, sind ja nun wirklich längst vorbei.

Und so ist ein kleiner Tweet einer Verbraucherschutzministerin letztlich doch entlarvend: Er zeigt, das Frau Aigner sich weder intensiv mit dem Thema Datenschutz in den sozialen Medien noch mit den sozialen Medien selbst auseinandergesetzt hat.

Eine Ministerin kann sich ja nicht mit allem bis ins Detail auskennen, werden nun manche sagen. Stimmt, aber dann soll sie bitte einfach dazu schweigen. Im echten Leben. Und auf Twitter.

Nachtrag

Es war dann doch nur ein sehr hübsch gemachter Fake-Account. Der lustigerweise von anderen twitternden Politkern als echt bestätigt wurde. Tja, aber zugetraut hätte ich’s ihr, und das lässt ja auch schon tief blicken … ;-)

5 Gedanken zu “Frau Aigner erklärt Social Media

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