Kein Facebook in Schleswig-Holstein

Raus aus Facebook

Ich schon wieder … und schon wieder über Facebook. Es passiert, was passieren musste: Die ersten Unternehmen und Institutionen verlassen Facebook. Unfreiwillig wohlgemerkt …

Zur Zeit wird ja viel darüber geredet, dass immer mehr Facebook-Enttäuschte die Plattform verlassen. Es gibt aber auch viele, die gerne auf Facebook wären und es nicht dürfen. Oder besser gesagt: denen das Risiko zu groß ist.

Zwangsweise raus aus Facebook

Heute ist mir in meinem Facebook-Nachrichtenstrom die erste Organisation begegnet, die nun Facebook zwangsweise den Rücken kehrt. Es handelt sich um die Steuerberaterkammer Schleswig-Holstein (die mir aus beruflichen Gründen „gefällt“ und deren Updates ich daher bislang verfolgt habe). Ich persönlich finde es großartig, dass sich auch vermeintlich konservative Berufsgruppen und Verbände ins Social Web wagen. Dabei werden ihnen nun leider in einem Bundesland gewaltige Steine in den Weg gelegt:

Die Kammer – Berufsvereinigung für Steuerberater und Körperschaft öffentlichen Rechts – reagiert damit auf die Drohungen des Landesdatenschützers von Schleswig-Holstein, der Facebook ganz schrecklich findet und Unternehmen und Instiutionen, die u.a. Seiten auf Facebook unterhalten, mit Bußgeldern bis zu 50.000 Euro droht. Darüber habe ich in meinem Beitrag Facebook und die German Angst (übrigens der meistgelesene Beitrag in diesem Blog) bereits einiges geschrieben und dort auch wichtige Links angehängt.

Die Falschen getroffen

Zwar sind die Äußerungen der Datenschützer in Schleswig-Holstein höchst umstritten, aber ich kann verstehen, dass sich die Kammer auf eine juristische Auseinandersetzung nicht einlassen will.

Damit passiert genau das, was die Datenschützer in Schleswig-Holstein angeblich mit ihrer Anti-Facebook-Kampagne nicht wollten. Sie wollten primär Facebook treffen, wie sie etwa in Interviews bestätigten, und sahen dafür den Umweg über die Facebook-Nutzer bzw. Seiten-Betreiber als geeigneten Weg an. Den Schwarzen Peter haben aber nun die Seiten-Betreiber wie die Steuerberaterkammer Schleswig-Holstein. Sie darf, anders als die anderen Kammern in der Republik, keine Kommunikation mehr via Facebook betreiben – eine klare Benachteiligung und Beschränkung für diejenigen, die das Pech haben, im „falschen“ Bundesland ansässig zu sein.

Echter Wettbewerbsnachteil

Bei meinem Beispiel, der Steuerberaterkammer, mag ein wirtschaftlicher Schaden durch diese Benachteiligung nicht ohne Weiteres erkennbar sein. Aber kleine, mittelständische und gegebenenfalls auch große Unternehmen werden folgen oder haben ihre Facebook-Aktivitäten bereits beendet. Sie leiden nun unter einem echten Wettbewerbsnachteil gegenüber ihren Mitbewerbern in anderen Bundesländern. Denn dass Facebook für die Kommunikation von Unternehmen keine Relevanz hat, können nur Leute meinen, die vom Web keine Ahnung haben. Manche Politiker und Datenschützer gehören – leider – in diese Kategorie.

Bildnachweis: F. Gopp / www.pixelio.de

5 Gedanken zu “Raus aus Facebook

  1. Nachtrag: Erfreulicherweise lassen sich nicht alle die fragwürdige Vorgehensweise vom ULD gefallen. Die IHK Schleswig-Holstein veröffentlichte nun einen Beitrag auf ihrer Webseite: „IHK stellt sich gegen Facebook-Ultimatum“. Darin heißt es unter anderem: „Wir nehmen den Datenschutz ernst, aber wir können diese Vorgehensweise des Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein (ULD) nicht akzeptieren (…). So eindeutig, wie der Landesdatenschützer die Rechtslage beschreibt, ist sie keinesfalls. Fraglich ist, ob Webseitenbetreiber überhaupt mittels Bußgeld bestraft werden können, wenn überhaupt müsste sich die Aktion der Datenschützer gegen Facebook selbst richten. (…) Für völlig unangemessen hält Schween (Rechtsexperte der IHK), dass auf den Schultern der schleswig-holsteinischen Unternehmen Datenschutzpolitik gemacht werden soll. (…) Wir fordern das ULD auf, vom Erlass von Bußgeldern gegen schleswig-holsteinische Unternehmen Abstand zu nehmen. Wir scheuen auch nicht die gerichtliche Auseinandersetzung, die wir stellvertretend für unsere Unternehmen führen würden, um Rechtssicherheit zu erlangen.“ (Volltext hier: http://www.ihk-schleswig-holstein.de/news/startseite_old/1556634/IHK_stellt_sich_gegen_Facebook_Ultimatum.html)

    Dazu kann ich nur sagen: Gefällt mir!

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  2. Der 5. November wird spannend. Die Hacker-Gruppe „Anonymus“ hat einen Angriff vorhergesagt, um die viel zu lässige Datenschutzpolitik von Facebook zu stürzen.

    Ich nutze Facebook nur minimal auf Anfrage. Ich lade nichts weiter hoch oder spiele irgend etwas. Die Daten werden scheinbar fleißig gesammelt.

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