Mediamarkt und das Ende des Preis Irrsinns

Media Markt und das Ende des Preis Irrsinns

Media Markt verkündet in seiner neuen Werbe-Kampagne das „Ende des Preis Irrsinns“. Und wir reiben uns alle verwundert die Augen: ausgerechnet Media Markt, die Erfinder des Preis Irrsinns …?

Ein bisschen gespannt war ich ja schon nach diesem Interview. Media-Saturn-Chef Horst Norberg hatte in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung berichtet, dass nun mit Rabattschlachten und Sonderangeboten Schluss sei. Mit einer neuen Kampagne werbe man nun für den „klarsten“ Preis:

Schluss mit den Preisschlachten, den Schleuderpreisen, den Geizhalsangeboten. Das wollen die Menschen nicht mehr. Wir bekennen uns zu Preiswahrheit und -klarheit.

Werbegeschichte schreiben

Hm, was auch immer das sein mag, diese Klarheit: Media Markt strebt noch nach Höherem. Es geht nicht nur um Werbung, es geht um einen gesellschaftlichen Paradigmenwechsel. O-Ton Herr Norberg:

Die Kampagne wird Werbegeschichte schreiben, vor allem aber: Sie wird den Handel insgesamt verändern, sie ist ein Weckruf, den Preisirrsinn auch in anderen Bereichen des Handels – Möbel, Baumärkte, etliches mehr – zu stoppen.

Ein Weckruf also. Media Markt als Messias. Für mich klingt das eher nach dem Zauberlehrling: „Herr, die Not ist groß! Die ich rief, die Geister, werd ich nun nicht los.“ Denn wer hat denn dieses irrsinnge Geiz-ist-geil-Argument in die Werbung getragen? Wer hat durch immer schwachsinnigere Rabatt-Aktionen, von Mehrwertsteuer geschenkt bis zu Jeder soundsovielte Einkauf umsonst, das Hirn der Deutschen mit Niedrigpreishormonen geflutet?

Das Ende des Preis Irrsins oder einfach nur Werbung zum Davonlaufen?

Und dann das. Ein Werbefilm zum Davonlaufen. Fast wünscht man sich Mario Barth zurück (aber nur fast), der hatte immerhin eine Werbe-Botschaft verkündet, die man verstehen konnte: „Das ist mein Laden!“ – damit war klar: Dann ist das ganz sicher nicht mein Laden! Aber das hier? Was will uns Media Markt damit sagen …?

Man darf gespannt sein, wo das noch hinführt. Wahrscheinlich nirgendwohin. Das deuten auch die Ausführungen von Media-Saturn-Chef Norberg an, der im FAS-Interview zur Frage, wann denn nun endlich mal der Online-Shop von Media Markt gelauncht werde, Folgendes äußert:

Und wie steht’s mit der Einführung eines Online-Shops? Da hat Media-Saturn bisher gepatzt.

Wir werden Sie bald vom Gegenteil überzeugen, Anfang nächsten Jahres startet der Media Markt online, Saturn schon im Oktober.

Wann konkret?

In Kürze. Den genauen Termin möchte ich noch nicht nennen.

Warum nicht? Das ist doch Werbung?

Richtig, die Kunden warten auf uns als verlässlichen Partner und auch Marke. Aber wir haben Sorge, dass die Zugriffe auf saturn.de so groß sein werden, dass die Systeme ächzen. Auch die Logistik muss den Ansturm verkraften, da wir ja mit den beliebtesten Produkten an den Start gehen.

Zehn Jahre warten

Auweia. Eine gut geplante und souveräne Einführung eines Shops klingt anders. Aber nur kein Stress. Die Kunden warten ja gerne auf den Media Markt Online-Shop. Lächerlich die Vorstellung, dass sie auf einen anderen Online-Shop ausweichen könnten, auf Amazon zum Beispiel. Da warten sie lieber. Auch gerne mal länger. Zehn Jahre zum Beispiel. Oder wie lange schon hat es Media Markt im Gegensatz zu Amazon nicht fertig gebracht, einen Online-Shop auf die Beine zu stellen?

Und da fügt sich dann eins zum anderen: miserable Kommunikation und Realitätsverlust im Management.

Das vollständige FAS-Interview könnt ihr übrigens hier lesen. Und in einem anderen Beitrag habe ich mich schon mal mit Werbung aus dem Hause Media-Saturn beschäftigt.

16 Gedanken zu “Media Markt und das Ende des Preis Irrsinns

  1. Wüsste gerne, welcher der noch-nur-offline-Kunden sich wirklich dauerhaft von derartiger Werbung von seiner ersten Onlinebestellung abhalten lässt. Wer jedenfalls einmal online bestellt hat, wird sofort durchblicken, dass er derjenige ist, der hier vom Mediamarkt verarscht wird.

    Hätten sie doch lieber den Joachim Steinhoefel mit „Ich bin doch nicht blöd“ Kult-Sprüchen reaktivieren sollen…

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  2. Aber gut gedreht und ausnahmsweise auch mal besetzt und gespielt finde ich den Spot durchaus, da hat sich jemand ernstlich Gedanken gemacht. Im Gegensatz zu „Geiz ist geil“ „Geil ist geil“ und „Das ist mein Laden“.

    Die „message“ dahinter, nämlich „Nur offline kaufen ist gut, denn bei uns haben Sie den Überblick“ ist natürlich völliger Schwachsinn aber stellenweise hat es was von Alejandro Jodorowsky oder ähnlich „wirren“ Filmemachern.

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  3. Werbung wird immer verrückter. Erst purzeln die Preise angeblich in den Keller, nun soll der eigens instruierte Wahnsinn gestoppt werden. Alles nur, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Denn Klarheit herrscht da noch lange nicht und zehn Jahre für einen Onlineshop, das ist schon peinlich. Definitiv den Zeitpunkt verschlafen, um diesen Shop noch erfolgreich zu machen. ;)

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  4. Das ist so paradox, was MediaMarkt da treibt, dass ich schwer Worte finde. Vielleicht diese hier: „Ja, genau!“

    Hier noch eine kleine Empfehlung von anderen Blog-Kollegen (wenn auch aus einer leicht anderen Perspektive: Online-Handel):

    http://www.excitingcommerce.de/2011/10/media-markt-und-die-panik-vor-dem-internet.html?utm_source=feedburner&utm_medium=email&utm_campaign=Feed%3A+ExcitingCommerce+%28Exciting+Commerce%29

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  5. Although i think the producers of such an ad are paying homage to David Lynch or Salvador Dali, the direction of this ad campaign is lost with the effect. No one is going to believe that clearer prices are available if you got media markt. I almost feel that after watching this clip, I will get a phone call and my life will end in 7 days like in the movie the Ring, though!

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  6. Der größte Fehler, den auch der Chef im FAZ Interview genannt hat, sind die weiterhin uneinheitlichen Preise. Das ist doch total ineffizient. Auch die dezentrale Struktur, das bringt doch nix. In Zeiten des Internets macht es keinen Unterschied, ob ich beim Online-Shop aus Leipzig oder München bestelle. Welche Begründung gibt es also für regional unterschiedliche Preise bei Media Markt.

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  7. Mediamarkt, Saturn und der Einzelhandel allgemein haben doch gegenüber dem Onlinehandel in der Theorie zwei klare Vorteile:
    1.) Haptik – Jeder der schon mal ein vermeintliches Edelstahlprodukt online gekauft hat und dann aus dem Päckchen ein Stück billigstes Plastik mit unsäglicher Pulverbeschichtung bekommen hat, weiß wovon ich spreche. Photoshop und perfekte Beleuchtung gibt es im Einzelhandel halt nicht (oder letzteres zumindest nicht in der Perfektion).
    2.) Beratung – Will man nicht manchmal einfach an der Hand genommen werden und nicht 500 Bewertungen und Produktvergleiche lesen, wenn man einen Toster kaufen will?
    Diese beiden Punkte sind online schwer(er) realisierbar. Und das ist m.E. die einzige Strategie mit der man „gegen“ den Onlinehandel auf Dauer besteht (wenn man schon nicht mitmachen will). Aber wenn man ein kompetentes Beratungsangebot nicht leisten kann (oder aus Margen-Sicht nicht will), funktioniert das halt nicht.
    Dass ein Einzelhändler mit exponierter Ausstellungsfläche in einer Großstadt nicht die gleichen Preise wie ein Onlinehändler mit Großlager in einer unseren blühenden Landschaften machen kann ist doch irgendwie klar. Dass Mediamarkt jetzt verstanden hat, dass man sich nicht mehr über den suggeriert günstigsten Preis positionieren kann, ist erfreulich. Die Konsequenz das „günstigste“ durch „sauberste“ zu ersetzen und den Leuten Angst vorm schrecklichen und unübersichtlichen Internet zu machen ist doch naiv. Entweder man glaubt an den mündigen Kunden oder eben nicht. Herr Norberg offenbar nicht.

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  8. Gert, es gibt noch einen wichtigen möglichen USP für Offline-Händler. Ich weiß nicht genau, wie ich ihn nennen soll: Sympathie, Persönlichkeit, Ambiente, eine Mischung aus alledem. Das muss nicht unbedingt an einer Person hängen, die einen persönlich begrüßt etc., sonst würde das ja nur bei kleinen, inhabergeführten Läden gehen. Nein, es gibt auch größere Läden, in denen ich mich wohl fühle, wo ich gerne schlendere und mich umschaue, mit Verkäufern rede, weil es interessant ist, mit ihnen zu reden, weil sie auch Ahnung haben (das überschneidet sich dann mit deinem Punkt Beratung). Das alles schaffen Media Markt und Saturn überhaupt nicht, sie haben ja auch mit ihren bisherigen Kampagnen alles dafür getan, um eine Unwohlfühl-Atmosphäre zu schaffen und das dazu passende Publikum in die Läden zu locken.

    An anderer Stelle habe ich inzwischen auch über diese Kampagne diskutiert. Wir sind vorgedrungen zu dem Punkt, dass sich Media Saturn an einem Paradigmenwechsel versucht. Weg vom Billig-Preis-Haudrauf-Image, hin zu … ja was eigentlich? Verlässlichkeit? „Klarheit“? Da beginnen die Probleme: Es ist unkar, was eigentlich kommuniziert werden soll. Und das auch noch im Rahmen einer missratenen weil uneindeutigen Kampagne. Und schließlich: So einen Imagewechsel als Basis für einen Paradigmenwechsel kann man langfristig herbeiführen. Letztlich müsste Media Markt seine Marke neu positionieren. Das geht natürlich, auch unterstützt durch Werbung. Aber nicht kurzfristig, und schon gar nicht mit so einer grottenschlechten Kampagne.

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    • Ok, her mit dem Namen der Weinhandlung ;-)

      Wegen der Kampagne: Hab nie verstanden warum Saturn und Mediamarkt so austauschbare Kampagnen fahren. Ist doch beides Metro und da hätt ma eins doch auf Discounter und eins auf Hightech branden können. Den Pseudo-Wettbewerb hat ihnen doch eh keiner abgenommen.
      Ich denk nicht, dass „der sauberste Preis“ funktionieren wird. Im Endeffekt will doch jeder on- oder offline das Gefühl haben, dass er nen guten Deal gemacht hat. Muss sich nur so anfühlen. Mediamarkt kann mir dieses Gefühl nicht vermitteln.

      Und ich geb Dir recht: Der Marktschreier wird nicht dadurch mehr verkaufen, dass er nuschelnd verkündet nicht mehr zu schreien.

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    • Meine Meinung zum Thema Image- oder Paradigmenwechsel: Ich glaube noch nicht, dass es tatsächlich um solch einen geht. Ich halte das Ganze nach wie vor nur für eine weitere Werbekampagne a lá „Geiz ist geil“.

      Und es war in den letzten Tagen ja auch zu hören und zu lesen, dass Media Markt-Saturn mit Alteigentümern zu kämpfen haben soll, die alles einschließlich des Online-Auftritts blockieren. Also ein klares Management-Problem.

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  9. Mediamarkt oder Saturn, egal wohin man geht. Verkäufer: „Tut mir Leid. Das ist nicht meine Abteilung!“
    Das „Geiz ist geil“-Ding zieht halt keine Kunden mehr an. Also verpackt man das nun in „wahren Preisen“. Der Preis bleibt gleich, die Kunden kommen wieder.
    Etwas Schlechtes ist daran ja erstmal nicht zu erkennen. Ist eben Marketing-Kram. Aber was das mit dem fehlenden Online-Shop soll frage ich mich auch? Selbst Promarkt hat das hinbekommen und da sind die Verkäufer ja noch „abwesender“ und oftmals unwissender.

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  10. ..eigentlich sagt der Spot: komm zu uns, hier hast du keine Alternativen, Preisvergleiche und Testberichte, hier wird dein armeskleines Hirn nicht abgelenkt..

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