Danke für Ihr Verständnis …

Manchmal ist man Kunde im Leben und hat eine Frage. Dann wendet man sich an den Kundenservice und fragt. In der Regel bekommt man eine Antwort. Und gelegentlich wäre es besser gewesen, man hätte keine bekommen …

Mein jüngstes Erlebnis in Sachen Kundenservice hat damit zu tun, dass ich immer noch regelmäßiger und begeisterter Podcast-Hörer bin. Eigentlich höre ich (vor allem im Auto) gar kein „normales“ Radio mehr, sondern nur noch Podcasts, die via Bluetooth vom iPhone im Autoradio landen – schöne neue Welt der Technik. Einen dieser  Podcasts vermisse ich seit einigen Wochen schmerzlich und habe daher an den WDR geschrieben:

Hallo liebe Freunde im WDR,
warum gibt es denn die „Kinofilme der Woche“ bzw. den Scala Kinotipp mit Ihren unvergleichlichen Kritikern Sigrid Fischer, Uwe Mies und Lutz Gräfe nicht mehr als Podcast? Das war definitiv einer meiner Lieblings-Podcast und die beste Kinosendung zum Anhören weit und breit …
Beste Grüße aus Bayern, wo man dank Podcast auch WDR hört
Christian Buggisch

Es antwortet die Textbaustein-Schleuder

Das war, würde ich sage, doch eine ganz nette Frage, verbunden mit einem ehrlich gemeinten Lob. Über eine ganz nette Antwort hätte ich mich gefreut. Von einem Menschen, nicht von einer Textbaustein-Schleuder-Maschine. (Ich hasse unmotiviert zusammenkopierte Textbausteine!) Wenn sie sich auch noch in irgendeiner Form auf meine Frage bezogen hätte, wäre das natürlich ganz besonders schön gewesen. Na ja, hätte hätte Fahrradkette, wie Stromberg sagen würde. Ich habe jedenfalls diese Antwort bekommen:

Sehr geehrter Herr Buggisch
vielen Dank für Ihr Interesse an unserem Podcast-Angebot von WDR 5. Es tut uns Leid, dass wir Ihnen den gewünschten Podcast nicht mehr wie gewohnt zur Verfügung stellen können. Je nach Sendeformat, Inhalt und Nutzung bieten wir in unserem Internetangebot bei wdr5.de neben Podcasts auch Einzel-Audios, Manuskripte (auch per Post) und extra aufbereitete Themenseiten an. Wir prüfen regelmäßig, in welcher Form wir unsere Sendeinhalte auch nach der Ausstrahlung am besten für Sie bereithalten und präsentieren können. Deswegen gibt es immer wieder entsprechende Anpassungen. Wobei unser Angebot insgesamt nicht eingeschränkt wird – im Gegenteil: Wir versuchen ständig, unsere Sendeinhalte auch auf unserer Internetseite noch besser für Sie aufzubereiten und zu präsentieren. Unser Ziel ist und bleibt es, dass Sie zeitsouverän – egal wann und wo – unsere wichtigsten Inhalte entweder nachlesen oder nachhören können.
Schauen Sie mal unter http://www.wdr5.de was wir Ihnen alles zu bieten haben!
Danke für Ihr Verständnis.
Herzliche Grüße,
Produktionsassistenz
Programmgruppe Aktuelle Kultur
WDR 5

Verständnis? Welches Verständnis?

Na ja, ich habe dann das hier geantwortet:

Liebe „Produktionsassistenz“,

das finde ich jetzt ein bisschen schade, dass Sie mir auf meine konkrete Frage mit einem unkonkreten Standard-Textblock antworten. „Wir prüfen regelmäßig“, „gibt es immer wieder entsprechende Anpassungen“, „Wir versuchen ständig … noch besser …“ Jetzt mal ehrlich: Das ist 08/15-Wischiwaschi, wie ich es vielleicht von Behörden oder Politikern, aber nicht von Ihnen als Produzent hochwertiger und interessanter Inhalte erwartet hätte. Je länger ich darüber nachdenke, desto uncharmanter und unerhörter finde ich Ihre Antwort, die mir eigentlich nur eins sagt: „Uns doch egal, was dich interessiert.“

PS: „Danke für Ihr Verständnis“ ist eine Floskel, die gar nicht geht, was sich inzwischen selbst bei den fleißigsten Standard-Textblock-Kopierern herumgesprochen hat. Ich habe kein Verständnis, also können Sie auch nicht dafür danken. Sie könnten mich um mein Verständnis bitten, was in diesem Fall aber auch nicht viel bringen würde. Also seien Sie doch einfach ehrlich und schreiben Sie als Abbinder: Ist einfach so – Pech gehabt!

Mit nicht ganz so herzlichem Gruß
Christian Buggisch

Mal sehen, ob ich nochmal eine Antwort bekomme. Wenn ja, werde ich sie hier nachtragen. Danke für Ihr Verständnis!

Weitere Szenen aus meinem Leben als Kunde:

Bildnachweis: Rainer Sturm / pixelio.de

6 Gedanken zu “Danke für Ihr Verständnis …

  1. Sehr schön,
    Ich hab mal im Zuge eines Jobwechsels mit einmonatiger Auszeit mein Konto bei der Deutschen Bank um 100,- Mark (!) überzogen. Und innerhalb einer Woche einen Brief mit der Aufforderung zum Ausgleich des Kontos (das einen Dispo in Höhe von 2.000,- Mark hatte) erhalten.
    Ich hab daraufhin angerufen und wollte eine der beiden Personen sprechen, die den Brief unterschrieben hatten.
    „Den Herrn X gibt’s hier nicht“. „Aber ich habe hier einen Brief von ihm“. „Ja, das sind so Dummy-Unterschriften…“ BITTE???
    Das Konto gab ich sofort ausgeglichen – und aufgelöst.
    Wirklich schade …

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    • Echt wahr? Abgesehen davon, dass das unverschämt ist, wäre es fast schon wieder interessant gewesen, das mal rechtlich zu verfolgen. Was zum Beispiel wäre passiert, wenn Du den Brief ignoriert hättest, und dann in einem nachfolgenden Prozess herausgekommen wäre, dass die „Mahnung“ von einer fiktiven (und somit wohl nicht rechtsfähigen) Person unterschrieben wurde? Wäre sie dann dennoch rechtskräftig?

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  2. Ach, das ist ja lustig. Duplizität der Ereignisse. Ich hatte mich auch über das Fehlen des Podcasts beschwert, diegleiche Antwort bekommen, und war auch sauer ob der Antwort. Mein Nachfrage war nicht so eloquent:
    „[..] Danke für Ihre abstrakte Textbausteinantwort auf meine konkrete Frage.
    WARUM wurde dieser Podcast denn nun eingestellt? Quote?
    Copyrightprobleme? Kosten? [..]“

    Und man staune! Es kam folgende Antwort. die auch auf internen Frust beim WDR schliessen lässt (Auszug):
    „Ja, Sie haben völlig Recht, diese „Antwort-Vorlage“ zu diesem Thema ist nicht gerade aufschulssreich.
    Aber anscheinend kann man es nicht einfach auf den Punkt bringen und sagen, dass es Sparmaßnahmen gibt (wie ja sowieso alle wissen) und daher gewisse Podcasts, die im letzten Jahr zu wenige Klicks hatten eingestellt werden mussten.
    Zwischen Arbeitsaufwand und Kosten hat es einfach nicht mehr gestimmt.
    Vielleicht laden Sie sich in Zukunft die gesamte Scala Sendung runter und können dann ebenso die Kinotipps nachhören.“

    Gruss,
    Walter

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    • Sehr schön, nicht mehr und nicht weniger wollen wir: eine Antwort von einem Menschen, nicht von einer Textbausteinmaschine … ;-) Wobei ich mir ehrlich gesagt nicht ganz vorstellen kann, wo da die Kosten liegen, die den Aufwand nicht mehr rechtfertigen. Die Radiosendung ist da und liegt digital vor, daraus 5 Minuten zu schnipseln und als Podcast bereitzustellen, kann nicht so schwer sein. Und selbst wenn, haben wir es immer noch mit einem öffentlich-rechtlichen Sender zu tun, für den Quote (bzw. in diesem Fall „Klicks“) nicht alles sein sollte.

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