Das Jahr des Wutbürgerleins

2011 war das Jahr des Wutbürgers. 2012, und dazu brauche ich keine Kristallkugel, wird das Jahr des Wutbürgerleins. Was das für ein Kerlchen ist? Ich sage es euch …

Ende 2010 war der „Wutbürger“ das Wort des Jahres, jedenfalls für die Gesellschaft für Deutsche Sprache. Darüber habe ich mich damals schon amüsiert, denn was war der Anlass für die Wut? Ein schwäbischer Bahnhof. Der hat uns ja auch im vergangenen Jahr beschäftigt, die politische Landschaft im Ländle verändert, eine Debatte um mehr direkte Demokratie ausgelöst und so weiter. Rückblickend muss man sagen: Donnerwetter, was für ein bedeutendes Thema!

Heiße Luft statt echter Themen

Denn das Jahr 2012 ist erst eine Woche alt und schon zeichnet sich der Trend des Jahres ab: Es geht nicht mehr um Themen, sondern nur noch um heiße Luft. Und wir haben es nicht mehr mit Wutbürgern zu tun, sondern mit Wutbürgerlein.

Das Wutbürgerlein regt sich gerne auf. Es differenziert nicht, sondern kennt nur schwarz und weiß, Freund und Feind. Es skandalisiert alles, was im Verdacht steht, nicht ganz einwandfrei zu sein. Halt, nein, nicht alles. Des Wutbürgerleins Reflexe funktionieren besonders gut, wenn es gegen „die da oben“ geht (während das Wutbürgerlein natürlich zu „uns hier unten“ gehört). Und „die da oben“ sind generell alle, die über mehr Bekanntheit, Geld oder Einfluss verfügen als das Durchschnitts-Wutbürgerlein.

Wulff? Bagatellen taugen nicht zu Dramen.

Zum Beispiel ein Bundespräsident wie Christian Wulff. Vergünstigter Privatkredit? Übernachtung bei Freunden aus der Wirtschaft? Bedrohung der Pressefreiheit Pöbelei auf der Mailbox des Ex-Spezl und BILD-Chefredakteurs? Frechheit! Nein, Skandal! Rücktritt, und zwar sofort! Zum Glück muss ich nichts mehr über die Causa Wulff schreiben, das haben andere schon getan, etwa Wolfgang Michal und Michael Konitzer. Letzterer schreibt:

Aber was reitet uns Deutsche, dieses Skandälchen so ernst zu nehmen und uns so manisch auf diese Amateur-Posse zu kaprizieren. Christian Wulff und seine – kleinhäuslerisch – verständliche Unfähigkeit zum Rücktritt ist eine Nichtigkeit, die man bestenfalls mal kurz belachen darf, vorzugsweise als Apercu bei Harald Schmidt. Aber damit genug! Bagatellen solcher Dimension taugen nicht zu Dramen. Aber wenn sie sich zu nicht enden wollenden Medien-Hysterien auswachsen, sagt das viel über den Zustand unseres Landes und seiner Bürger aus. Es verrät viel über den akuten mentalen Status der Deutschen. (Na ja, auch darüber, wie es um die etablierten Medien hierzulande steht.)

Ich glaube ja, das Wutbürgerlein lässt selbst schon mal Fünfe gerade sein, führt zum Beispiel private Telefonate auf Kosten des Arbeitgebers („Kostet ja nicht viel!“) oder parkt wenn’s regnet auf dem Behindertenparkplatz möglichst nah am Supermarkt-Eingang („Bin ja gleich wieder da!“). Aber wehe einer von „denen da oben“ macht sich angreifbar, zum Beispiel indem er sich einen Kredit besorgt zu besseren Konditionen, als das durchschnittliche Wutbürgerlein ihn bekommt. Da hört der Spaß auf.

Tiermörder Nowitzki im Visier der Weltverbesserer

Zum Beispiel ein Basketball-Star wie Dirk Nowitzki. Der macht doch tatsächlich Werbung für eine Bank, was in diesen Zeiten ja generell verdächtig ist. Und wenn diese Bank mit Everybody’s darling Nowitzki auch noch einen Werbespot in einer Metzgerei dreht, ist es aus mit der Sympathie all derjenigen Wutbürgerlein, die mal schnell die Welt retten wollen, indem sie auf Fleisch verzichten. Vegetarier aller Länder vereinigt euch – gegen den Tiermörder und Kapitalisten Nowitzki! Wer jetzt glaubt, ich mache Witze, der sollte mal einen Blick auf die Facebook-Seite der ING Diba werfen. Oder spart euch die Mühe, hier drei Beispiele:

Die socialmediale Kakophonie des Wutbürgerleins

Natürlich gab es auch früher schon Wutbürgerlein. Aber sie schimpften zu Hause vorm Fernseher oder am Stammtisch vor sich hin. Wir hatten meistens Glück und mussten sie nicht zur Kenntnis nehmen. Das hat sich geändert. Das Wutbürgerlein hat nun eine Öffentlichkeit – dank Twitter, Facebook und Co. Nicht nur dass die vielen Wutbürgerlein unserer Republik zu allem und jedem eine Meinung haben, sie können und wollen sich nicht beherrschen und im Nuhrschen Sinne „einfach mal die Klappe halten“.

Statt dessen trompeten sie ihre Meinung andauernd heraus, tagein, tagaus und rund um die Uhr. Die socialmediale Kakophonie wird noch lauter durch ihre Wutbürgerleinfreunde, die jeden wutbürgerlichen Erguss liken und faven und retweeten und plussen und wie die ganzen digitalen Schneeballsysteme heißen – bis das ganze Web überflutet ist und keine Timeline und keine Pinnwand mehr frei ist von sinnfreien und bedeutungslosen Wutbürgerlein-Themen.

Viel Gebläse um nichts

Heribert Prantl hat in einem seiner (zu Recht) kritischen Wulff-Kommentare in der Süddeutschen Zeitung geschrieben:

Keiner der Vorgänger von Wulff war ein Heiliger, jeder hatte seine Fehler. Es war vielleicht auch so, dass deren Fehler mit mehr Zurückhaltung kritisiert, dass deren Fehler noch nicht so aufgeblasen wurden. Warum ist das anders geworden? Unter anderem deshalb, weil die Mediengesellschaft über viel mehr und größere Gebläse verfügt als die Gesellschaft vor 30 und 40 Jahren.

Das bringt es auf den Punkt: Natürlich sind auch die großen Gebläse der BILD-Zeitung und anderer vergleichbarer so genannter journalistischer Angebote ein Problem. Aber die gibt es schon lange; die haben mehr Power und drehen sich noch ein bisschen schneller als früher, aber sie sind nicht neu. Neu sind die vielen kleinen Mini-Ventilatoren, mit denen die Wutbürgerlein das Netz aufwirbeln. Und immer öfter werfen die „etablierten“ Medien ihre Gebläse erst an, nachdem sie gemerkt haben, dass ein Shitstorm fäkales Windhöschen durch die sozialen Medien weht.

Freuen wir uns also auf 2012, das Jahr des Wutbürgerleins. Oder nochmal mit Konitzer gesagt:

Deutschland zu Beginn des Jahres 2012: ein virtueller anti-autoritärer Kindergarten. Die Kinder amüsieren sich prächtig, die Leitungsebene aber versteht die Welt nicht mehr.

PS, um gleich mal was klarzustellen, bevor wir das ewig in den Kommentaren diskutieren müssen: Ich bin kein Wulff-Fan, ich finde er hat sich rettungslos dämlich unprofessionell verhalten und es ist mir ziemlich gleichgültig, ob er oder ein anderer Bundespräsident bleibt, ist oder wird.

Und noch ein PS zu Wulff, weil’s mir so gut gefallen hat: Felix Schwenzel in wirres.net: „dass wulff unfähig und langweilig ist, war bereits vor seiner wahl zum bundespräsidenten jedem klar. dass er in den letzten 3 wochen den beweis dafür geliefert hat, ist kein rücktrittsgrund. wulff sollte (und wird) jetzt nicht zurücktreten. er sollte aber von nun an schweigen. den rest seiner amtszeit schweigend — so kann ich mir wulff sogar ganz präsidial und würdevoll vorstellen.“

Bildnachweis: Kurt Michel / pixelio.de, Presse- und Informationsamt der Bundesregierung, Keith Allison / Wikipedia

23 Gedanken zu “Das Jahr des Wutbürgerleins

  1. Das Thema Wulf ist mir geläufig, wird man doch aus allen Bereichen damit konfrontiert, aber das Thema Nowitzki, davon hatte ich noch nichts gehört. Manche Leute benötigen halt irgend etwas, um sich daran hochzuziehen. Meiner Meinung nach resultiert das aus Unzufriedenheit mit sich selbst.

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  2. Der Besetzung des deutschen Staatsoberhaupts mit einem Tölpel als einer Nichtigkeit beizupflichten, ist leider eine schwere Fehleinschätzung – und die indirekte Bewertung Wulffs als einer Autorität, gegen die sich ein antiautoritärer Shitstorm der „Wutbürgerlein“ richten würde, der Witz schlechthin, der die Witzfigur Wulff um ein weiteres toppt. Wenn sich Fluten des Netz-Spottes über Wulff ergießen, dann gerade deswegen, weil er eben keine Autorität – sondern ein fades, nichtssagendes Nichts ist. Wulff hat (nach diktatorischen Anwandlungen) den zweitgrößten Mangel, den ein Politiker überhaupt haben kann: Er ist absolut konturlos, nichtssagend, instinktlos, hohl, irrelevant, fast ohne jedwede eigene glaubwürdige geistige Statur, Haltungen und Positionen. Insofern halte ich einen solchen Bundespräsidenten zum Fremdschämen für überhaupt keine Nichtigkeit.

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    • Mit anderen Worten: Diejenigen Frustrierten, die schon gegen seine Wahl angewütet haben, freuen sich jetzt über einen Anlass, sich nochmal über ihn aufzuregen. Das macht die Sache ja nun auch nicht besser, origineller oder relevanter. Nebenan bei wirres.net heißt es dazu: „dass wulff unfähig und langweilig ist, war bereits vor seiner wahl zum bundespräsidenten jedem klar. dass er in den letzten 3 wochen den beweis dafür geliefert hat, ist kein rücktrittsgrund“ (Link hab ich oben ergänzt.)

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      • Unfähigkeit für keinen Rücktrittsgrund zu halten ist das Ende jedweden Glaubens an die Möglichkeiten, insbesondere an die Gestaltungs- und Orientierungsmöglichkeiten von Politik und Politikern. Mit solchem selbst eingestandenen Unglauben an die Politik wirken dann die Klagen im Artikel über die „heiße Luft statt echter Themen“ um so lächerlicher und unglaubwürdiger – wenn Politiker in höchsten Positionen toleriert werden, die nur heiße Luft produzieren. Unfähigkeit ist nur für die kein Rücktrittsgrund, die sich nicht an unfähigen Politiker stoßen oder sich gar mit ihnen abgefunden haben. Da ziehe ich doch als Reaktion auf Unfähige die Erregung der als „Wutbürgerlein“ Gescholtenen solch apathischer Toleranz und Ergebung allemal vor. Besser agile Wutbürgerlein als apathische Bürgerleichen.

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  3. … die „Empörungsmaschine“ ist großartig beschrieben !!!

    Aber nun, – wer dem Affen neues, zuvor unbekanntes Werkzeug gibt (Mitmach-Web 2.0: überall und jederzeit!), darf sich nicht wundern, wenn er die ersten 30 Jahre alberne und wenig konstruktive Sachen damit anstellt. Natürlich ist eine Zange nicht zum Abtrennen von Fingern da, – aber es geht ;-) !

    Will sagen, wir sind noch ganz am Anfang bei der Herausbildung von Eigenschaften, die uns zielführend mit dem Kram umgehen lassen. Das wird bestimmt erstmals noch absurder werden. Dazu kommen die ebenfalls überforderten „Medien“, die von der enormen Konkurrenz motiviert, jedes Wutbürgerlein in die erste Reihe schieben, wenn es Auflage/Quote verspricht.

    Über den Satz habe ich köstlich amüsiert: „Die socialmediale Kakophonie wird noch lauter durch ihre Wutbürgerleinfreunde, die jeden wutbürgerlichen Erguss liken und faven und retweeten und plussen und wie die ganzen digitalen Schneeballsysteme heißen – bis das ganze Web überflutet ist und keine Timeline und keine Pinnwand mehr frei ist von sinnfreien und bedeutungslosen Wutbürgerlein-Themen.“ Dem ist nichts hinzu zu fügen :-)

    P.S. Meine Beobachtung: Unter Vegetariern gibt es wirklich überdurchschnittlich viele Trottel.

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  4. Vielleicht entlädt sich aber auch eine Wut an einem schwachen Charakter der Politszene, der sich zuvor 30 bis 40 Jahre aufgestaut hat. Pauschal alle als „Frustrierte“ zu deklarieren, die sich erheben und einen ehrlichen BP mit Profil fordern, ist zu kurz gegriffen. Genauso, wie es „den“ Wutbüger nicht gibt. Einerseits wird lamentiert, dass „der Deutsche“ sich alles gefallen lässt, wird dann aber eine Revolution im Kleinen (Übung für Größeres?) angezettelt, spricht die Bildungselite dem Volk den Urteilssinn ab.

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  5. Den „Wutbürger“ mit den aufgeputschten und aufheulenden Bild- Lesern und sonstigen Kautschpotatoes zu vergleichen, finde ich etwas gewagt. Denn der „Wutbürger“ ist informiert und geht für seine Überzeugung auf die Straße. Er engagiert sich.

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    • Vielfältigste Phänomene wie die politischen und solche politischen Bewegungen eignen sich außerdem wenig zu solchen plumpen Verallgemeinerungen. Insbesondere weil ja die Objekte von Politik und politischer Bewegungen immer wieder jeweils andere sind. (Auch sind die „Erregungsmotive“ von Person zu Person immer wieder höchst verschieden und eben individuell.)
      Dort war es der Bahnhof in Stuttgart, hier ein sogar allgemein als unfähig „angesehener“ Bundespräsident. Zwischen einem neuen modernen Kreuzungsbahnhof mit allergrößter Bedeutung für die Modernisierung und Vernetzung eines regionalen Verkehrszentrums in Europa und einem unfähigen Bundespräsidenten muß denn in der öffentlichen Betrachtung und Beachtung eben doch noch ein gewisser, m.M. riesiger Unterschied gezogen werden. Beide Gegenstände von Politik zu vermengen ist schlicht demagogisch, m.M. auch verlogen.

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  6. Ich fand den Wutbürger seinerzeit auch sehr seltsam, hatte ich diesen Begriff bis zu seiner Kürung als Wort des Jahres nie wahrgenommen. Dass es viele Leute gibt, die sich nun im Internet als Publizisten geben, liegt in der Natur des Web 2.0 – es wird wohl immer schwerer zu filtern :-( – vielleicht liegt die Schwierigkeit darin, einschätzen zu können, wie relevant eine Gruppe tatsächlich ist (ich denke an den unsäglichen Begriff der „schweigenden Mehrheit“, die aber in Stuttgart offensichtlich vorlag). Vielleicht wird die Macht des Internets überschätzt, aber keiner will sie wohl unterschätzen – das haben die Etablierten spätestens seit Berlin 2011 gelernt ;-)

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  7. @Kehraus….der hier angesprochene Wutbürger ist hauptsächlich im grünen Spektrum zu finden. Leider ist auch die Journalisten-Gilde überwiegend diesem Spektrum zuzuordnen. Die „Wut“ dieser „Wutbürger“ hat nichts mit informiert zu tun, sondern ist rein ideologischer Natur. Sie richtet sich gegen Bahnhöfe, Atomkraft, Bänker etc. und hat nichts mit spontaner Wut zu tun. Sie ist gut organisiert und wird in den „Mainstreammedien“ sehr gut promotet. Hier wurde von den Medien propagiert, ganz Baden-Würtemberg wäre gegen den Bahnhof. Die Volksabstimmung hat dann doch was anderes ans Licht gebracht! Und die grünen Wahlerfolge haben die Ursache in einer völlig übertriebenen Berichterstattung über Fukushima.

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    • Was war denn an Fukushima „völlig übertrieben“? Wenn praktisch live drei Reaktoren explodieren spricht das doch für sich. Ich würde Sie gerne mal hören, wenn das vor Ihrer Türe passiert. Und so, wie das bürgerliche Lager reagiert hat, müssten Sie von denen auch nicht die beste Meinung haben, wenn sie den Grünen mangelnde Intelligenz vorwerfen. Und mal eben alle Journalisten in die Linke Ecke zustellen … naja, das muss man jetzt nicht ernst nehmen. Wo ordnen Sie sich denn ein, bleibt ja nur noch ganz rechts übrig ;-)

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      • Ich will ja nicht unbedingt pingelig sein, aber es lohnt sich dann doch, etwas genauer zu formulieren: In Fukushima ist kein einziger Reaktor explodiert. Stattdessen gab es eine Kernschmelze bei drei Reaktoren. Das ist eklig genug. Was man in den spektakulären Fernsehbildern sah waren Wasserstoffexplosionen, welche das äußere Gebäude zerstört haben. Dessen Funktion war aber eher das Fernhalten äußerer Widrigkeiten und nicht das Einschließen von Radioaktivität. Was passiert wenn tatsächlich der Reaktor selber explodiert konnten wir in Tschernobyl beobachten, und das ist dann doch nochmal eine etwas andere Größenordnung.

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      • Ja, setzen Sie einfach „Reaktorgebäude“ statt „Reaktoren“ ein ;-)
        Auch bei uns werden Risiken immer klein geredet – bis sie eben eintreten, und dann sind alle ganz betroffen. Wenn die Berichterstattung über Fukushima als „völlig übertrieben“ bezeichnet wird, dann ärgert mich das, weil die Gegner der Atomkraft seit Jahrzehnten auf diese Risiken hinweisen und immer mit dem Argument abgespeist wurden, die Kernkraftwerke seien sicher (das sind sie immer so lange, bis sich herausstellt, dass sie eben nicht sicher waren). Offensichtlich muss effektheischend ein Reaktorgebäude in die Luft fliegen, um diesen Idioten von Politikern und Atomkraftbefürwortern die Augen zu öffnen (obwohl es einige heute immer noch nicht kapiert haben). Und da ist jede Berichterstattung legitim, die die Mehrheit der Wähler und Politiker dazu veranlasst, in einem so grundlegenden Thema endlich die längst fällige Kehrtwende zu vollziehen und das Geld in zukunftsweisende, wirklich sicherheitsunkritische, Technologien zu investieren.

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      • Lieber Herr Katos,

        Sie halten offenbar den Unterschied zwischen Reaktorgebäude und Reaktor für unwesentlich. Das ist bedauerlich, denn es beraubt Sie sowohl eines besseren Verständnisses für das was passiert ist (und auch was nicht passiert ist), als auch der Möglichkeit, fundierte Kritik statt Allgemeinplätze vorzubringen. Kerntechnologie ist schwierig, nicht für jedermann verständlich, und führt deswegen (verständlicherweise) schnell zu Angst. Das enthebt uns aber nicht automatisch der Pflicht, sich mit diesen Dingen auseinanderzusetzen, wenn man sie massiv kritisiert. Selbstverständlich ist die Kernenergie mit Risiken verknüpft. Dasselbe trifft aber auch auf Energie aus fossilen Brennstoffen zu. Leider sind die Risiken der Klimaveränderung ebenfalls schwer festzumachen und zudem nicht sehr unmittelbar spürbar. Das heißt aber nicht, sie sind akzeptabler.

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      • Lieber Herr Deserno,
        da ich in der Energiewirtschaft arbeite und mich auch in wissenschaftlicher Hinsicht mit der Energiethematik beschäftige (insbesondere mit dem CO2 Handel und den regenerativen Energien), dürfen Sie versichert sein, dass ich meine „Allgemeinplätze“ aufgrund des begrenzten Rahmens dieser Diskussion nur sehr beschränkt und populistisch ausformuliere. Es ist schön, dass Sie den Unterschied zwischen einem Reaktor und einem Reaktorgebäude kennen – aber in der öffentlichen Meinung spielt dieser Unterschied keine Rolle, wie die Reaktion der Politik ja offensichtlich gezeigt hat. Aber sie werden mir hoffentlich nicht widersprechen, dass in beiden Fällen eine Kernschmelze eingetreten ist. Aber vielleicht sollten Sie mal zu den betroffenen Menschen nach Japan gehen, und denen erklären, dass sie eigentlich vor der Atomkraft keine Angst haben müssen. Im Übrigen habe ich nicht von Energiegewinnung aus fossilen Rohstoffen gesprochen, und natürlich ist mir völlig klar, dass derzeit eine Substitution der Atomkraft ohne fossile Brennstoffe nicht möglich ist. Aber das ist ja nur der Beleg dafür, dass die Politik – wie so oft – immer nur bis zur nächsten Wahl denkt, und die Bestrebungen, in regenerative Energiegewinnung zu investieren, zugunsten der Atomlobby, nicht forciert hat.
        Herzliche Grüße von Raul Katos

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