Bond, James Bond … Eine Zeitreise

Ich bin ja, geboren 1972, in den 80er Jahren sozialisiert worden, ein Kind der Generation Golf, und es gibt nicht viele populäre Film-Mythen, die einen seitdem jahrzehntelang begleiten konnten. Star Wars gehört dazu. Und natürlich der Agent im Geheimdienst ihrer Majestät …

Wie nachhaltig uns die Zeit prägt, in der wir Teenager waren, merke ich unter anderem an der Musik, die ich immer noch höre. Alphaville, um nur ein Beispiel zu nennen, eine international erfolgreiche Band aus Münster (!), wann gab’s so was schon mal … Wenn man sich heute die damaligen Auftritte auf YouTube ansieht, sieht das natürlich unglaublich albern aus (aber die 80er sehen heute sowieso weitgehend albern aus; komischerweise halten viele die 70er für die Dekade der großen Geschmacksverirrung, die werden aber locker von den frühen 80ern in den Schatten gestellt). Aber die Musik war und ist gut.

Miami Vice vs. Der Alte

Die coolste Serie der 80er Jahre war natürlich Miami Vice, von der ultra-stylishen Optik bis zum Titelthema von Jan Hammer. In deutschen Wohnzimmern war zu dieser Zeit noch Der Alte state of the art in Sachen Krimi-Unterhaltung (ähm, was heißt war? Hat sich der deutsche Krimi seitdem weiterentwickelt?). Da kann man sich ungefähr vorstellen, wie unglaublich attraktiv wir Teenager diese modernen (und aus heutiger Sicht erstaunlich melancholischen) Geschichten um Sonny Crockett, Ricardo Tubbs und Lt. Castillo fanden.

Daneben gab es aber einen anderen faszinierenden Streiter für die gute Sache, tätig nicht für die Miami Vice Police Squad, sondern für den britischen Geheimdienst, der fast ein bisschen altmodisch wirkte im Vergleich zu seinen amerikanischen Kollegen, aber das machte auch einen Teil der Faszination aus.

Erste Bond-Erlebnisse: Roger Moore, Grace Jones und die gemütliche deutsche Polizei

Mein erster James-Bond-Film, den ich im Kino gesehen habe, war glaube ich Im Angesicht des Todes, der letzte Bond-Film mit Roger Moore, rückblickend betrachtet einer seiner besseren, jenseits von Albernheiten wie Moonraker oder Der Mann mit dem goldenen Colt. Eine schön gemeine Grace Jones auf dem Höhepunkt ihrer Karriere, einer der ersten moderneren Bond-Titelsongs ohne großes Orchester und noch größeres Pathos von Duran Duran (noch so eine musikalische 80er-Erscheinung).

Ungefähr zeitgleich lief im Fernsehen (damals noch rein öffentlich-rechtlich, liebe Kinder, nur drei Sender und nach der Hymne nachts nur noch Testbild) Octopussy, der mich als ca. Dreizehnjähriger auch enorm faszinierte, weil James Bond ein paar deutsche Polizisten mit ihren gemütlichen deutschen Polizeiautos ziemlich alt aussehen lässt.

Goldfinger in Zeiten von Harry Potter?

Aber 80er hin, Roger Moore her – der eigentliche James Bond war auch für mich natürlich und unzweifelhaft und immer Sean Connery. Nur ein paar Mädchen in der Klasse fanden Roger Moore besser, und das sagt ja schon alles. (Die gleichen Mädchen finden, erwachsen geworden, natürlich Daniel Craig ganz furchtbar und trauern Pierce Brosnan nach.)

Daran hat sich bis heute nichts geändert, und es wird eines der spannenden Experimente meines Lebens, zusammen mit meinen Kindern, die jetzt langsam ins richtige Alter kommen, die frühen Connery-Bonds anzuschauen. Werden sie Jahrzehnte später, aufgewachsen mit Harry Potter und Percy Jackson, Filme wie Goldfinger und Feuerball auch noch cool finden – oder nur noch albern oder gar langweilig? Ich bin ja so gespannt … Was mich übrigens schon mal optimistisch stimmt: Das James Bond Theme von Monty Norman und John Barry finden sie gut …

Skyfall – Reise in die Vergangenheit

Warum ich das eigentlich alles schreibe? James Bond ist 50 Jahre alt geworden, also noch ein Jahrzehnt älter als ich, und gestern habe ich mir Skyfall angeschaut. Ein guter, untypischer Bond, eine familiäre Rachegeschichte statt großem Weltverschwörungs- und -rettungs-Getöse, eher langsam erzählt, mit analoger Action statt digitalen Tricks (denen man ihre Künstlichkeit ja leider in der Regel ansieht, vor allem wenn sich’s neumodisch um 3D handelt, worauf die Skyfall-Macher Gott sei Dank verzichtet haben), mit einem wunderbaren Javier Bardem als Schurken, der zwischen schwuler Verspieltheit und grausamer Brutalität à la No country for old man schwankt, mit einem grandiosen Finale in den schottischen Highlands, die nicht zufällig die Heimat James Bonds und Sean Connerys sind, einer Reise in die Vergangenheit der Hauptfigur, passenderweise mit dem Aston Martin DB5 aus den frühesten Filmen.

Ach ja, und natürlich mit einem wunderbaren neuen Titelsong von der ohnehin wunderbaren Adele, wieder sehr klassisch, mit großem Orchester und Pathos. (Hier gibt es übrigens ein nettes James-Bond-Titelmusik-Ranking; wahrscheinlich bewertet das jeder ein bisschen anders, macht aber trotzdem Spaß, das zu lesen.)

Daniel Craig, der bessere Jason Bourne

Das wirklich faszinierende an diesem Film (eigentlich an allen drei Craig-Filmen) ist für mich aber, wie man es geschafft hat, die Figur nach 50 Jahren neu zu beleben, nachdem doch eigentlich alles schon gelaufen und Jason Bourne definitiv der bessere, modernere Bond war. Der Spiegel bringt das schön auf den Punkt: „Sam Mendes und seinem großartigen Kameramann Roger Deakins, der sonst mit den Coen-Brüdern dreht, gelingt es, einen bei aller Rasanz stimmungsvollen Film abzuliefern, der Bonds Charakter im Befindlichkeits-Zeitgeist des 21. Jahrhunderts verortet: Ein Mann darf hart und wild sein, aber er sollte sich bewusst sein, warum er es ist – und sich seinen Traumata stellen.“

Also, schaut ihn euch an und sagt mir eure Meinung. Hier ein kleiner Vorgeschmack:

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PS: Die komplette BluRay Box mit 50 Jahren James Bond Filmen gibt’s preiswert zum Beispiel bei Amazon. Hab ich mir gerade bestellt.

Bildnachweis: Wikipedia, Universal Pictures, Sony Pictures

8 Gedanken zu “Bond, James Bond … Eine Zeitreise

  1. Hat die Uno – von mir unbemerkt – heute den Tag der 80er ausgerufen? Drüben bei Sugar Ray Banister geht’s um Space-Invaders, bei Dir um Bond und Miami Vice. Naja … dann schaue ich mir jetzt wohl „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ auf DVD an! Ich will ja auch nicht außen vor sein :-)

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  2. Bzgl. Miami Vice muss man allerdings sagen: die Serie war wirklich grottenschlecht. Ich habe die neulich mal wieder gesehen und fragte mich, wie ich das jemals gut finden konnte. Offensichtlich waren es tatsächlich bestimmte Aspekte, die zuvor nicht gesehen / gezeigt wurden. Aber hinsichtlich schauspielerischer Leistung, aber auch Stringenz der einzelnen Folgen in sich, war Miami Vice einfach unterirdisch. Es gibt Serien aus dem selben „Zeitalter“, die um Längen besser waren, und bei denen sich, wenn man sie heute ansieht, nicht die Hand zur Fernbedienung bewegt, um abzuschalten ;-)

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  3. Den Trailer schau ich nicht! Ich möchte NICHTS sehen bevor ich im Kino war. (das wird schwierig…)
    Deine Begeisterung für die Wiederbelebung der Bond-Figur teile ich nach den letzten zwei Filmen erstmal. Immer wieder schön wenn so etwas gelingt!

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    • Ich gebe zu, ich hab ihn schon sehr lange nicht mehr gesehen. Aber in ziemlich gruseliger Erinnerung. Aber: Die 50-Jahre-Jubiläums-BluRay-Box ist ja schon bei Amazon bestellt und unterwegs, dann schaue ich sie mir alle nochmal an :-)

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