Deutschland mobil

Deutschland ist mobil geworden in den letzten Jahren. Wir hinken zwar (wie so oft bei neuen Technologien) anderen Ländern noch ein wenig hinterher, doch Smartphones und Tablet Computer bestimmen auch bei uns inzwischen den Alltag. Werfen wir einen Blick auf Zahlen und Fakten …

Mobil ins Internet

Der Anteil derjenigen, die mit mobilen Endgeräten wie Handys bzw. Smartphones oder Tablets das Internet nutzen, ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. 58% der Deutschen gehen heute mobil ins Web, vor drei Jahren waren es nur 17%.

Dabei zeigen auch in den Details alle Studien und Zahlen dasselbe stürmische Wachstum: 70 Prozent aller verkauften Handys in Deutschland sind nach einer BITKOM-Studie inzwischen Smartphones. Die Verkäufe dieser kleinen Alleskönner sind 2012 um 43% auf 23 Millionen Stück gestiegen. Nicht anders sieht es bei Tablet Computern aus:  Der Absatz ist 2012 um 29% auf 2,7 Millionen Stück gestiegen. Das scheint noch wenig zu sein, aber der Tablet-Boom steht erst am Anfang: eMarketer rechnet damit, dass in den USA bis 2015 mehr als die Hälfte der Internet-Nutzer einen Tablet PC haben wird.

Deutschland ist Android-Land

Alle reden über Apple – aber die meisten nutzen Android. Das zeigen zumindest neue Zahlen von Comscore, nach denen Googles Betriebssystem Android auf 50,1% Marktanteil kommt. Mit großem Abstand folgen Apple-Geräte mit iOS (20,9%) und Nokia mit Symbian als Betriebssystem (17,6%). Und Nokia kommt von da, wo Android heute steht: Im Dezember 2010 hatte Symbian noch knapp 50% Marktanteil!

Unter „ferner liefen“ finden sich Microsoft mit Windows Mobile/Phone (5,8%) und RIM, der Hersteller von BlackBerrys (2,4%). Besonders spannende wird in den nächsten Monaten sein, ob es Microsoft gelingt, mit Windows Phone 8 seinen Marktanteil nennenswert zu steigern. Einfach wird das nicht, denn anders als im Desktop-Bereich, wo die meisten Nutzer eben Windows 8 statt Windows 7 oder älterer Systeme installieren, müssten sich im mobilen Bereich heuige Android- oder iOS-Nutzer bewusst gegen ihr bisheriges System und für Microsoft entscheiden.

Der mobile Internet-Nutzer ist jung und gut verdienend

Interessant sind auch die demographischen Details: Wer geht da eigentlich mobil ins Internet? Der mobile Internet-Nutzer ist auf jeden Fall eher jung (die meisten Nutzer gibt  es in der Gruppe der 16-24-Jährigen, die wenigsten in der Gruppe der Über-55-Jährigen) und verdient eher gut.

Drei Viertel der Nutzer haben eine Daten-Flatrate, und die ist ihnen vor allem wichtig, um überall und jederzeit erstens Apps und zweitens Soziale Netzwerke nutzen zu können (wobei Apps natürlich als Platzhalter für die unterschiedlichsten Interessen zu verstehen sind). Immerhin einem Viertel der Nutzer ist es wichtig, sich beim Einkaufen jederzeit schnell, online und mobil über ein Produkt informieren zu können.

Mobile Webseiten und Shops? Mangelware!

Dass Unternehmen die Zeichen der Zeit vollständig erkannt haben, darf bezweifelt werden. Zu oft landen Nutzer noch auf Webseiten, die weder mobil optimiert noch mobil lesbar noch vernünftig mobil nutzbar sind.  Eine Studie zum Thema Nutzung von mobilen Webseiten und Anwendungen im Handel hat 2011 ergeben,  dass nur 28% der befragten Unternehmen bereits mobile Webseiten online gebracht hatten. Mobile Webseiten inklusive mobiler Shops gab es sogar nur von 14% der Unternehmen. Immerhin 40% hatten eine Umsetzung geplant, was aber auch bedeutet, dass die restlichen 46% eine Mobilisierung von Webseite und Shop nicht einmal geplant hatte.

Dabei sprechen weitere Studien eine klare Sprache: 57% der mobilen Internet-Nutzer in Westeuropa sagen, sie würden ein Unternehmen mit einer schlechten mobilen Webseite nicht weiterempfehlen.

Alles, was mobil ist, wächst rasant

Und wie geht es weiter? Der mobile Markt wächst weiter rasant. Cisco Systems hat eine Prognose zum monatlichen mobilen Datenverkehr weltweit veröffentlicht. Danach wird sich das Volumen von heute 1,3 Exabyte auf mehr als 10 Exabyte im Jahr 2016 verzehnfachen. (Ein Exabyte sind übrigens 1.000.000.000.000.000.000 Byte – mit anderen Worten: eine ganze Menge!)

Dazu passt auch eine Studie von PwC, nach der die Umsätze mit dem mobilen Internet in Deutschland von heute 3,3 Milliarden Euro auf 4,6 Milliarden Euro im Jahr 2015 steigen werden. Zum Vergleich: 2005 lagen sie gerade mal bei 300 Millionen Euro.

Quellen

Bildnachweis:  Joachim Kirchner / pixelio.de

7 Gedanken zu “Deutschland mobil

  1. „Deutschland ist mobil geworden in den letzten Jahren“ – äh nein, das kann ich nicht bestätigen. Mobilität misst sich nicht an den Zahlen verkaufter Geräte, sondern an der Qualität der mobilen Internetverbindungen in der Fläche. Selbst auf Reisestrecken der Bahn ist ein mobiles Arbeiten nicht möglich! Die Cloud ist nur dann sinnvoll, wenn ich sie nicht nur in der Stadt, sondern auch auf dem Land performant nutzen kann. Hinzu kommt, dass durch den Anstieg der mobilen Endgeräte mittlerweile die Bandbreite derart in den Keller geht, dass ein vernünftiges Arbeiten an manchen Stellen in der Stadt kaum mehr möglich ist. Gleichzeitig sind die Preise der mobilen Internetnutzung nach wie vor in Deutschland viel zu hoch. T-Mobile scheint im Moment der einzige Provider zu sein, der auch in der Fläche mittels Edge noch vernünftig funktioniert – nur wie gesagt, Cloud muss man damit nicht machen. Mobilität heißt für mich, egal wo ich bin, ich kann über das Internet arbeiten. Und davon sind wir noch meilenweit entfernt.

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    • Ok, da muss ich dir 100% Recht geben, und das Thema steht tatsächlich schon auf meiner Liste möglicher Blog-Themen. Man ist nirgendwo so offline und unmobil wie wenn man mit der Bahn unterwegs ist … und das ist ein Armutszeugnis für unseren „Technologiestandort“ …

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  2. Mir kommt nicht erst beim Ausbau von LTE so vor, als wenn Deutschland den technischen Entwicklungen in Sachen Internetinfrastruktur immer mehr zurückhängt. Für ein Land, dass seine Produktion ins Ausland verlagert hat, eigentlich ein Unding.

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