Ach, und übrigens … (2): LSR, ein Mad Man und mein neuer Wilson

Über die vorerst letzte Leistungsschutzrecht-Kapriole, Fernsehgeschichte, einen Werbe-Rambo und meinen neuen RSS-Reader …

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Der „Große Klappe, nichts dahinter“-Preis geht diese Woche an die SPD, die es geschafft hat, der ohnehin schon rekordverdächtig absurden Posse um das Leistungsschutzrecht eine weitere Absurdität hinzuzufügen. Wir erinnern uns: Im Bundestag wurde das sinnfreie, Verwirrung stiftende, Rechtsunsicherheit schaffende Anti-Internet-Gesetz von der Regierung durchgewunken. Die Opposition kündigte lautstark an, diesen Unfug keinesfalls im Bundesrat passieren zu lassen.

Eine SPD-Dame aus NRW namens Schwall-Düren ist durch einen föderalen Treppenwitz nun offenbar zur finalen Entscheidungsinstanz der Bundesrepublik in dieser Angelegenheit geworden. Als Zünglein an der Waage ist sie verantwortlich dafür, dass das Leistungsschutzrecht doch Gesetz wurde und das SPD-Geschwätz von gestern niemanden mehr interessiert. Ihre Begründung, warum man das LSR im Bundesrat nicht gestoppt habe, lautete laut SZ und netzpolitik.org wie folgt (und jetzt Achtung, aufpassen!): „Das Gesetz beinhalte „große handwerkliche Fehler“ und müsse „grundlegend überarbeitet“ werden. Eine Blockade des Gesetzes werde NRW aber nicht mitmachen.“ Alles klar? Dieser raffinierten bipolaren Argumentation schloss sich umgehend der SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück an, indem er sagte, das Gesetz werde für „Chaos sorgen“, man lasse es aber dennoch passieren.

Apropos Geschwätz von gestern: O-Ton Genosse Steinbrück auf der CeBIT: “Ich denke, die SPD ist gut beraten, dieses Leistungsschutzgesetz im Bundesrat zu kippen.”

Ach so.

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Mad MenMein Zitat der Woche: „Wir erleben die künstlerisch reichste Periode der Fernsehgeschichte.“ Sagt das New York Magazin, zitiert im Spiegel, und sie haben Recht. Warum? Wegen großartiger Serien wie Breaking Bad, Mad Men, Game of Thrones, The Walking Dead, Homeland, True Blood oder Damages. In Deutschland dagegen gibt es großartige Serien wie … … … Sorry, mir fällt nichts ein.

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Amir KassaeiApropos Mad Men: Wieder mal ein lesenswertes Interview im magazin der Süddeutschen Zeitung, diesmal mit Amir Kassaei, Kreativchef der Werbeagentur DDB und Werbe-Rambo mit einem Ego irgendwo auf der Höhe von K2 oder Mount Everest. Sitzt wie seinerzeit Don Draper in der Madison Avenue, lässt allerdings „ein wenig“ dessen Eleganz vermissen. Einerseits scheint der Mann wirklich ein unerträglich arroganter Soziopath zu sein, der, wie Patrick Breitenbach zu Recht kommentiert, ein steinzeitliches „Rollenbild des leistungsstarken Workaholic stolz und alternativlos in die Welt hinausbrüllt“ und daher als Führungskraft sicher eine absolute Niete ist.

Andererseits bringt er ein paar Dinge wirklich schön auf den Punkt. Zum Beispiel auf die Frage, ob er Werbung auf Facebook sinnvoll findet: „Menschen unter 30 nehmen Werbung auf ihren Community-Seiten als Hausfriedensbruch wahr. Für das Fernsehen gilt das Gleiche.“ Und besonders gut hat mir dieser Satz gefallen: „Digital ist die Elektrizität des 21. Jahrhunderts.“ Eat this, Bundesregierung und SPD!

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feedlySeit Google vor ein paar Tagen bekannt gegeben hat, den Google Reader ab 1. Juli einzustellen, fühle ich mich wie Tom Hanks in Cast Away, dem gerade Wilson abhanden gekommen ist. WIE SOLL ICH DAS ALLEINE SCHAFFEN, OHNE MEINEN TREUEN BEGLEITER? RSS-Feeds sind für mich neben der Google-Suche das Tor ins Web, unabhängig von den Launen eines Facebook Edgerank. Und der Google Reader hat mir das brav organisiert und für die verschiedenen Endgeräte synchronisiert.

Nachdem ich jetzt ein halbes Wochenende lang rumprobiert habe, bin ich mir ziemlich sicher, dass Feedly mein neuer Wilson wird. Feedly basiert zwar auch noch auf dem Google Reader, man baut das aber bis Juli um, um dann unabhängig zu funktionieren. Die App für Chrome gefällt mir besonders gut, an die iPhone und iPad-App muss ich mich noch gewöhnen, aber das wird schon, zumal man sich das so zurecht konfigurieren kann, wie man will.

Wahrscheinlich hat Marcel Weiß von Neunetz Recht, und letztlich hat die Sache etwas Gutes: Ohne die Dominanz von Google, das den RSS-Markt mit dem Reader komplett beherrscht hat, gibt es nun Freiraum für kleinere Mitspieler, für Entwicklung und Kreativität rund um das Thema RSS-Feeds.

(Ich bin übrigens nicht der einzige, der auf Feedly umsteigt, sondern nur einer von 500.000 in 48 Stunden …)

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Ach, und übrigens: Ich poste hier so lange weiter Frühlingsbilder, bis der Frühling endlich da ist:

Frühling

In Ach, und übrigens (1) ging es übrigens um Jesuiten-Erkenntnissen für Manager, einen von einem Tatort-Kommissar verprügelten Box-Weltmeister und eine der besten Serien der Welt.

Bildnachweis: Avatar/Wikipedia

5 Gedanken zu “Ach, und übrigens … (2): LSR, ein Mad Man und mein neuer Wilson

  1. COOL! Ich bin voll und ganz versöhnt mit Deinem neuen Format. Sehr viel Biss, das gefällt, weiter so bitte! Und Du bist bestimmt nicht beleidigt, wenn ich’s nachmache und bald drüben bei mir mit Bierminiaturen anfange :-)

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