Ach, und übrigens … (11): Filterkaffee, Tagesschaum, Amazon

Über die unerwartete Renaissance des Filterkaffees, den Sozialkundelehrer ohne Haare Friedrich Küppersbusch und (mal wieder) Amazon …

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„Am Kaffee scheiden sich die Geister“, schreibt die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. „Soll es nun ein Espresso sein oder ein neumodischer Filterkaffee?“ Wie bitte? Neumodischer Filterkaffee? Seit ich Kaffee trinke bin ich Fan des guten alten deutschen Filterkaffees und habe dabei in Kauf genommen, als furchtbar altmodisch zu gelten. Abends nach dem Essen gerne auch einen Espresso (also das, was die Italiener café nennen). Während um mich herum nur noch komplizierte Milchschaum-Kunstwerke getrunken werden, bin ich da Purist geblieben. Und jetzt das: Third Wave Coffee. „Nach dem Filterkaffee der fünfziger und sechziger Jahre und den Espressogetränken der achziger und neunziger wird so die Renaissance des Brühkaffees genannt, die den Herkunftscharakter betont sowie großen Wert auf Frische und individuelle Röstung legt“, lerne ich in der FAS. Es ist mir also gelungen, durch Abwarten wieder im Trend zu liegen – einmal mehr führte der Weg von Altmodisch über Retro zu Modern.

Guter alter Filterkaffee

Allerdings gebe ich offen zu, in Sachen Kaffeegenuss noch einiges lernen zu müssen. Kaffee-Experte Ralf Rüller in der FAS: „Ein guter Filterkaffee geht saftig über die Zunge. Er ist nicht bitter und es bleibt nichts hängen. Ich liebe kenianische Kaffees mit richtig Biss, bei denen sich süße und saure Fruchtaromen die Balance halten, von Blaubeere über Kirsche und Tomate bis zu Rhabarber – wie Schmand und Marmelade auf einem Scone.“ Mein erster Impuls: Kaffee mit Aromen von Blaubeere und Tomate? Hab ich noch nie geschmeckt. Kaffee ist doch Kaffee ist doch Kaffee. Andererseits gibt es auch Leute, die glauben, dass Wein nach Wein schmeckt. Und dass es genügt, in Deutschland „ein Bier“ zu bestellen, egal welches, Hauptsache Bier. Ich bin nun also wild entschlossen, auch dem Genussmittel Kaffee bei Gelegenheit forschend näher zu treten und werde darüber berichten.

PS: Der Tipp des Kaffee-Experten in der FAS für den perfekten Filterkaffee: „Wasser aufkochen, den Filter mit Papier, aber ohne Kaffee mit einem guten Schluck anfeuchten – das wärmt den Filter und die Tasse und schwemmt Papierpartikelchen aus. Tasse leeren, das frisch gemahlene Kaffeepulver, mittlerer Mahlgrad, in den Filter geben. 15 Gramm Kaffee auf 250 Milliliter Wasser und mit etwa 30 Milliliter des inzwischen auf 92 bis 94 Grad Celsius abgekühlten Wassers 30 Sekunden aufquellen lassen. Dann langsam den Rest kreisförmig von außen nach innen aufgießen.“

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TagesschaumVom Milchschaum zum Tagesschaum: Ich finde das sehr nett von Friedrich Küppersbusch und dem WDR, uns den Wahlkampf-Sommer durch eine Sendung etwas erträglicher zu machen, die ab sofort bis September dreimal die Woche je 15 Minuten lang „ausgestrahlt“ wird (was für ein lustiges altmodisches Wort), die sich nicht wenige wie ich aber auf YouTube abonnieren werden, was ich euch hiermit dringend empfehlen möchte. Ich habe Küppersbusch schon bis 1996 in ZAK gerne gesehen und höre regelmäßig seinen NDR2-Podcast Nachgeschlagen. Ich mag sein Understatement und seine Ironie. Daher gebe ich der SZ recht, die schreibt: „Küppersbusch will mit seinem kleinen Aufklärungsprogramm auch sagen, dass Politik ein großes Gemisch aus Tapsigkeit, Dösigkeit, Wurschtelei und Redundanz ist. Es ist gut, ihn wieder zu haben. Es ist gut, über Politik ernsthaft lachen zu können ohne den Schaum vorm Mund des Ansagers sehen zu müssen. Den Sozialkundelehrer ohne Haare, so sagt Küppersbusch von sich, den wollen wir eigentlich noch sehr lange sehen.“

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Es gibt Neues von über Amazon. Es wurde nach dem ARD-Film über den Umgang mit Leiharbeitern bei Amazon ja viel orakelt, ob die Unzufriedenheit der Kunden auch einen Käuferstreik und damit sinkende Umsätze mit sich bringen würden. Jetzt gibt es eine repräsentative Studie vom TÜV Saarland, die besagt: Das Image von Amazon hat gelitten, die Kunden waren unzufrieden, die meisten haben aber ihr Kaufverhalten nicht geändert. Also alles paletti bei Amazon? Nein. Die Weiterempfehlungsquote schrumpfte in dem untersuchten Zeitraum von rund 33 auf 18 Prozent, um nur ein Beispiel zu nennen. Das passt zu dem, was ich vor einer Weile über Amazon und die Corporate Social Responsibility geschrieben habe, wenn ich mich mal selbst zitieren darf: „Amazon steht am Anfang eines Reputations- und CSR-Problems. Der Lack hat sozusagen erste Kratzer bekommen. Das ist aber keine Entwarnung (“Alles nur halb so schlimm”), denn ab sofort steht die Corporate Social Responsibility von Amazon unter Beobachtung. Amazon hat es selbst in der Hand, durch glaubwürdiges verantwortliches unternehmerisches Handeln die Reputation und Akzeptanz allmählich wieder herzustellen – oder sie bei weiteren Verstößen gegen die gesellschaftlichen Erwartungen nachhaltig zu beschädigen.“

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Ach, und übrigens: endlich Sommer:

Endlich Sommer

In Ach, und übrigens (10) ging es übrigens um den 10-jährigen WordPress-Geburtstag, mein Blog als Licht in der Finsternis, Eskapismus, neue und alte Star Trek-Filme und einen tollen Soundtrack …

Bildnachweis: Simone Hainz, Marianne J. / pixelio.de; WDR

6 Gedanken zu “Ach, und übrigens … (11): Filterkaffee, Tagesschaum, Amazon

  1. Kaffee mit Beerenaromen, der nicht bitter schmeckt?
    Naja, man kann vermutlich alles auf die Spitze treiben. Erinnert den normalen Menschen an die fantasievollen Beschreibungen von Weinen. Möglicherweise hat er einfach nur eine Weinrezension vom Nachbartisch geklaut ;-)

    Beste Grüße
    Martin Reti

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    • Ja, klingt komisch, aber wie gesagt: Wein und Bier schmecken auch nicht einfach nur nach Wein und Bier. Man kann’s mit fantasievollen Beschreibungen natürlich übertreiben, aber trotzdem muss ich dem Kaffee mal forschend nähertreten und rausfinden, ober nicht auch nach mehr als Kaffee schmecken kann …

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  2. Schade nur das es bei Amazon natürlich auch die trifft die einen Amazon Shop haben und an sich mit Amazon sonst gar nichts am Hut haben. Also nur die Seite als Plattform nutzen – Amazon selbst ist es doch Egal die Einkaufquote und damit Einnahmen bleiben nahezu gleich, aber die kleinen leiden.
    Ich kaufe auch bei Amazon – da es bei anderen Anbietern sicher nicht besser ist

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