Leistungsschutzrecht – Der Komödie nächster Akt

Die Harlekinade um das Leistungsschutzrecht geht in die nächste Runde. Jetzt ist Google am Zug und sagt den Verlagen fröhlich „Ätsch!“ …

Wir erinnern uns: Der Bundestag hat neulich das völlig abstruse Leistungsschutzrecht beschlossen. Es besagt, dass Verlage, die ihre Inhalte kostenlos ins Netz stellen, von Google Geld bekommen sollen, und zwar dafür, dass Nutzer über Google zu ihren Seiten finden. Ich weiß, den Satz habt ihr jetzt zweimal gelesen und immer noch nicht verstanden. Das liegt aber nicht an euch, sondern am Leistungsschutzrecht. Ich sage ja, dass es völlig abstrus ist. Hier habe ich mal einen Vergleich gemacht, der vielleicht beim Verstehen hilft.

Große Töne der Verleger

Nach dem Beschluss von Bundestag und Bundesrat spuckten die Verleger, allen voran der Springer-Verlag große Töne. Von einer „fairen“ Lösung war die Rede und davon, dass das reiche Google nun den armen Rechteinhabern Verlagen ein Stück vom Kuchen abgeben müsse.

Falsch gedacht. Es kam, was kommen musste: Erstaunlicherweise bezahlt Google nicht ab sofort Geld an die Verlage für eine Dienstleistung, von der die Verlage profitieren. Statt dessen ging heute eine Mail von Google an alle Verlage (die wir bei DATEV auch bekommen haben, da wir mit unseren Nachrichten Steuern und Recht ebenfalls bei Google News gelistet sind, worüber wir uns im Gegensatz zu den Leistungsschutzrecht-Befürwortern sehr freuen). Der entscheidende Satz darin:

Wir führen für unsere Verlagspartner eine neue Bestätigungserklärung ein. Diese gibt Verlagen und Webpublishern in Deutschland eine zusätzliche Möglichkeit, zu entscheiden, ob ihre Inhalte in Google News angezeigt werden sollen oder nicht. (…) Wenn Sie bis zum 1. August keine Bestätigungserklärung bei uns hinterlegen, werden ihre Inhalte ab diesem Datum nicht mehr in Google News angezeigt.

Trotzig sein oder Schnapsidee zugeben?

Mit anderen Worten: Ätsch! Der Ball liegt nun wieder bei den Verlagen und sie dürfen sich entscheiden: Stur bleiben und wie ein trotziges Kind auf ihrem abstrusen Recht beharren? Dann sind sie raus aus den Google News und werden von potenziellen Lesern nicht mehr gefunden. Google kann das wurscht sein, denn es wird genug Verlage geben, die ihre Inhalte weiterhin über Google distribuieren wollen. Oder aber: Heimlich, still und leise die Bestätigungserklärung abgeben, um auch weiterhin Traffic über Google News auf die eigenen Seiten zu bekommen. Das wäre zugleich das Eingeständnis, dass das Leistungsschutzrecht eine Schnapsidee war.

Ich habe den starken Verdacht, dass Letzteres passieren wird.

PS: Man könnte nun meinen, dass damit zwar alles absurd, aber auch alles gut ist, weil das Leistungsschutzrecht ja de facto nie greifen wird. Stimmt aber nicht. Das Thema ist für Google erledigt, nicht aber für kleinere Aggregatoren wie Rivva, denen die Reichweite und damit Bedeutung Googles fehlt. Sie und andere innovative Internet-Unternehmen werden weiterhin durch das Leistungsschutzrecht bedroht. Und das ist keine Harlekinade, sondern ein Trauerspiel.

Bildnachweis: S. Hofschlaeger / pixelio.de

2 Gedanken zu “Leistungsschutzrecht – Der Komödie nächster Akt

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