Mein digitales Leben (2): Von Microfiche zu Google & Co.

Wir neigen zum schnellen Vergessen. Daher nörgeln wir gerne über das Internet (Datenschutz! Werbebanner! Sex & Crime!) statt uns zu erinnern, wie unglaublich mühsam früher die Beschaffung von Informationen war …

Um mich und euch vor dem Vergessen zu bewahren, hier mein Lieblingsbeispiel aus der analogen Welt: Während meines Magister-Studiums in den 90ern (Germanistik, Geschichte, Kunstgeschichte) war ich immer mal wieder studentische Hilfskraft meiner Professoren. Teil des Jobs war Literatur-Recherche und -Bestellung, und das führte mich sehr oft in die Erlanger Uni-Bibliothek. Wollte ich dort sicher sein, keine relevante Literatur zu übersehen, war wie folgt vorzugehen:

  1. Blättern in riesigen Beständen von Karteikarten
  2. Microfiche in der UB - farblich und technisch der letzte Schrei
    Microfiche in der UB – farblich und technisch der letzte Schrei

    Microfiche-Recherche, also Durchsuchen schlecht lesbarer Fotografien von Karteikarten mit unhandlichen Geräten (Irgendwann in den frühen 90er Jahren muss an den deutschen Unis mal eine Diskussion stattgefunden haben: Wir müssen uns der Moderne stellen, Papier ist out! Was also tun? EDV? Nein, neumodisches Zeug, setzt sich nie durch! Microfiche? Ja, super, das ist die Technologie der Zukunft!)

  3. Wälzen des so genannten Roten Band-Katalogs, das waren riesige Bücher, in denen – kein Witz – die Karteikarten älterer Literatur auf A3-Format zusammenfotokopiert und zu dicken Folianten gebunden worden waren.
  4. Suchen in dem noch sehr kleinen digitalen OPAC-Bestand (Online Public Access Catalogue), der irgendwann zu spät und halbherzig eingeführt worden war, nachdem auch die letzten Analog-Fans eingesehen hatten, dass das Pferd der Klepper Microfiche, auf dem man so beherzt losgeritten war, längst unter einem zusammengebrochen und verstorben war.

Das Phänomen Google und das Wunder Wikipedia

Googeln im DudenMit anderen Worten: Fragen, die uns heute eine flotte Web-Recherche mit zwei Mausklicks beantwortet, konnten einen damals einen halben Nachmittag lang beschäftigen. Und das Synonym für „flotte Web-Recherche“ ist natürlich: Google bzw. googeln, nicht umsonst findet sich dieses Wort seit fast zehn Jahren im Duden. Über 90% Marktanteil hat die Google-Suche in Deutschland, US-Gigant hin, Datenkrake her, wenn’s ums Suchen geht, nutzen wir (fast) alle Google. 1 Milliarde Suchanfragen beantwortet Google nach eigenen Angaben pro Tag.

Auch ich habe meinen Ausflug zu Bing und einen neugierigen Blick auf Wolfram Alpha hinter mir – bin aber schnell wieder zu Google zurückgekehrt. Fast alle Recherchen beginnen für mich bei Google – oder direkt in Wikipedia, jenem großen Wunder des Internet-Zeitalters, vor dem ich immer noch staunend und ehrfürchtig stehe: kostenlos, frei von Werbung, über 1,5 Millionen deutschsprachige Artikel (die Encyclopaedia Britannica hat gerade mal rund 100.000 Artikel), eine riesige Community, die nur aus Lust und Interesse die Artikel schreibt, bearbeitet und diskutiert (ein wenig habe ich mich auch schon beteiligt), und das alles in einer erstaunlichen Qualität, die bestenfalls noch in haarspalterischen Details kritisiert werden kann.

80 Prozent digital

Kindle PaperwhiteUnd weil Informationen im Internet heute, bei der richtigen Wahl der Quellen, schnell, zuverlässig, qualitativ hochwertig und unterhaltsam sind, informiere ich mich grob geschätzt zu 80 Prozent in digitalen Medien.

Es gibt eigentlich nur zwei Ausnahmen: Bücher und zwei Zeitungen (die Süddeutsche Zeitung und die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung) lese ich (noch) auf Papier. „Noch“ bei Büchern weil ich schwer mit dem Kindle Paperwhite von Amazon liebäugele. Und „noch“ bei den Zeitungen, weil ich mich noch nicht durchgerungen habe, sie abzubestellen (unter anderem weil ich, warum auch immer, das Gefühl habe, meine Kinder sollten mit einer Zeitung am Frühstückstisch aufwachsen).

RSS – Pfadfinder durch den digitalen Dschungel

feedlyDer Rest? Digital. Am PC, Notebook, iPad und iPhone. Das wichtigstes Tool dabei: mein RSS-Reader, mein Pfadfinder durch den digitalen Dschungel. Nach dem Aus des Google Readers ist das, wie schon mehrfach berichtet, Feedly. Gegenüber dem ganzen Social Gedöns, hat die RSS-Technologie einen entscheidenden Vorteil: Sie ist zuverlässig, unbestechlich und tut genau das, was ich ihr sage. Hier entscheide ich, welche Inhalte ich zu sehen bekomme, und nicht ein fragwürdiger Algorithmus zum Beispiel von Facebook.

Ich habe rund 100 Quellen per RSS abonniert, darunter sehr viele Blogs, aber auch einige Nachrichtenseiten. Sie bilden meine digitale Info-Basis. Neue Quellen werden schnell aufgenommen, da ich sie, wenn sie mich wider Erwarten langweilen, ebenso schnell wieder entsorgen kann.

Netzwerke im Scan-Modus, Später-Lesen mit Pocket

pocketDer Großteil dessen, was ich sonst an Informationen verarbeite, wird mir über meine Netzwerke auf Facebook, Twitter, Google+, XING, Tumblr, über den WordPress.com-Reader, aber auch über Aggregatoren wie Rivva zugespielt.

Ein für mich wichtiges Tool ist dabei Pocket (das ehemalige Read It Later). In den Netzwerken bewege ich mich häufig in einem beiläufigen Scan-Modus, vor allem wenn ich unterwegs bin, da fehlt die Zeit und Konzentration für „größere“ Inhalte. Interessante, im Netzwerk gefundene Inhalte, speichere ich daher in der Regel in Pocket und lese sie später, wenn ich Zeit und Muße habe. Ihr merkt schon: Ich neige zu Struktur und Verlässlichkeit, ähnlich wie bei RSS landen auch Inhalte aus den Social Networks erst mal im sicheren Pocket. Ist wahrscheinlich eine Charakter-Frage …

Weiter geht’s

Apropos Netzwerke: Mit den Netzwerke in meinem digitalen Leben beschäftige ich mich im nächsten Beitrag dieser kleinen Serie ausführlicher. Und hier alle weiteren Beiträge zum Nachlesen:

Bildnachweis: Marcus Stark / pixelio.de; Composing: CB

9 Gedanken zu “Mein digitales Leben (2): Von Microfiche zu Google & Co.

  1. wkw (was klar war): mein erster ausführlicher Kommentar ging nicht durch, der zweite war ein Test und hat’s geschafft ;-)
    Es ging darum, dass die neg. Bewertungen teilweise Haarsträubendes zutage treten lassen: schiefes Display, Farbwolken, unscharfe ungleichmäßige Schrift, ungleichmäßige Ausleuchtung und mangelhafte QS. Obiger Kommentar fasst es gut zusammen.
    Ich habe erst einmal vom Kauf abgesehen.

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      • Ja, es sind „nur“ rund 4% miese Kritiken. Meistens erkennt man schnell, dass es teilweise ungerechtfertigte schlechte Bewertungen sind, die nicht mit einem Stern bewertet werden müssen. Aber insbesondere beim Paperwhite fand ich die Kritik nachvollziehbar. Berichte mal, wenn Du es in Händen hältst :-)

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