Mein digitales Leben (5): Quantified Self

Auch Quantified Self ist nicht ganz an mir vorbeigegangen. Ihr könnt auch Body Tracking, Living By Numbers, Self Tracking oder Life Logging dazu sagen, gemeint ist immer dasselbe: der Trend zur digitalen Selbstvermessung, zur Aufzeichnung eigener (Körper-)Daten, die online gespeichert und  veröffentlicht werden …

Eine Weile lang habe ich Fitbit ausprobiert, genauer gesagt den Schrittzähler Fitbit One, der ungefähr dasselbe macht wie das Nike Fuel Armband. Er misst mittels 3D-Bewegungssensor, wie viel man sich tagsüber bewegt hat, und protokolliert das in der Cloud. Michaela Brandl hat das ganz schön beschrieben, und ich habe dort kommentiert, warum mir das dann doch zu mühsam war: Der Erkenntnisgewinn hält sich einfach in Grenzen. Irgendwann weiß man, wie viele Schritte und Stockwerke man ungefähr an einem Durchschnittstag zurücklegt.

Laufen mit Runkeeper

Laufen mit RunkeeperIch vermesse dagegen schon lange und gerne und regelmäßig meine Lauf-(und Wander-)strecken mit der Runkeeper App und teile das auch großzügig auf Facebook. Gründe dafür gibt es viele. Die drei wichtigsten sind:

  1. Ich möchte wissen, wann ich wo wie viel und wie schnell langsam gelaufen bin.
  2. Ich kenne keine coolere und sinnvollere Art der Google maps-Integration. Das ist Mashup, wie es besser nicht geht (und die Älteren unter uns erinnern sich: Mashups waren eine der Neuerungen, die mit dem Web 2.0 aka Social Media in die Welt kamen: Erstellung neuer Inhalte und Services durch clevere Kombination vorhandener Medien dank offener Schnittstellen. Das war vor ein paar Jahren revolutionär, liebe Kinder, und das begeistert mich immer noch …).
  3. Es ist tatsächlich motivierend, wenn man sieht, dass auch Freunde und Bekannte laufen und das in ähnlicher Art und Weise kommunizieren. Wenn ich sehe, dass meine Schwägerin in Australien wieder mal ihre Laufrunde gedreht hat, denke ich: Auf geht’s, du musst auch mal wieder laufen! Wenn ich auf Twitter lese, dass Bekannte trotz Regens die Laufschuhe angezogen haben, hilft mir das, den berühmten inneren Schweinehund zu überwinden … Ihr mögt das albern finden, aber es ist so.

Wo war diese schöne Wanderung?

Wandern mit Runkeeper auf MallorcaRunkeeper eignet sich auch sehr schön dafür, Wandertouren quasi zu protokollieren, um im Nachhinein zu wissen, wo man da genau gewandert ist und um besonders schöne Routen auch nach Jahren wiederzufinden. Das könnt ihr euch beispielhaft an meinem Artikel über die Wanderungen in der Serra Tramuntana anschauen, wo ich alle absolvierten Wanderungen verlinkt habe.

Ich habe übrigens, wo wir beim Thema Selbstvermessung und Quantified Self sind, auch eine Waage, die Gewicht und Körperfettanteil via WLAN in die Welt funken könnte. Die Betonung liegt auf könnte, denn ihr müsst ja nicht alles wissen – und ich glaube, ihr wollt auch gar nicht alles wissen ;-)

Quantified Self als narzisstische Egozentrik?

Das Beispiel zeigt auch ganz hübsch, dass man dem ganzen Quantified Self-Thema durchaus kritisch gegenüberstehen kann. Wer sich dauernd selbst vermisst, also auch dauernd mit sich selbst beschäftigt, darf schon als ein wenig narzisstisch gelten. Und da die Selbstvermessung nicht Selbstzweck ist, sondern letztlich  der Selbstoptimierung dient, kann man auch mal fragen, ob diese Dauer-Optimierung wirklich sein muss – da ist der Weg zur Obsession kurz.

Aber mein Laufpensum mitzuverfolgen, finde ich ok. Und die Bierchen, die ich hinterher trinke, lasse ich auch nicht von einer App mitzählen … ;-)

Weitere Beiträge in dieser kleinen Reihe

Bildnachweis: Marcus Stark / pixelio.de; Composing: CB

9 Gedanken zu “Mein digitales Leben (5): Quantified Self

  1. Wie alles im Leben macht die Menge das Gift ;-) Die Idee hinter Quantified Self ist ja gerade das Erlangen von Erkenntnissen über die eigenen Gewohnheiten und Wirkungsmechanismen im Körper. Bei aller Datensammlerei bleibt das Leben auf der Strecke?
    Soetwas wird gerne vermutet und den „Self Trackern“ nachgesagt. Ich selbst kann nur von meinen eigenen Erfahrungen berichten und sagen das es hilft einfach bewusster durch sein Leben zu gehen und Dinge mehr zu hinterfragen. Alles auf einem entspannten Niveau mit einem Augenzwinkern auch für die kleinen Laster des Alltags.
    Da gönne ich mir auch gerne gutes Essen, Wein oder mal ein Bier und achten dann am nächsten Tag wieder etwas auf die gesündere Ernährung.
    Beste Grüße aus Hamburg
    Arne
    PS Auf http://www.askensio.de versuche ich genau diese Themen aufzugreifen und auch hier und da über den Quantified Self Tellerrand hinaus zu schauen.

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