Sechs mal Sauvignon Blanc

Es ist schon merkwürdig, dass ich in der Vergangenheit einige Male über Bier, aber noch nie über Wein gebloggt habe. Das will ich heute ändern. Und weil gerade Sommer war, holen wir uns ein paar Flaschen Sauvignon Blanc aus dem Kühlschrank und treten ihnen forschend näher …

Ich mag Sauvignon Blanc. Zugegeben, das ist eine Mode-Rebsorte, und die sind erst mal verdächtig weil tendenziell auf den Massengeschmack hin ausgerichtet. Wie etwa der Chardonnay, der, vorzugsweise im Holzfass ausgebaut, penetrante Vanille-Butter-Zuckerbäcker-Weine hervorbringt, die ich heute nicht mehr trinken mag (früher war ich da aufgeschlossener).

Gradlinige Weine mit klaren Aromen

Sauvignon Blancs sind keine super-vielschichtigen und komplexen Feinschmecker-Tropfen, sondern gradlinige, eher einfach strukturierte Weine mit klaren Aromen: schönen, frischen, charakteristischen Noten nach Stachelbeere, Zitrusfrucht und Gras, dazu reichlich Säure, was an warmen Sommerabenden gerade recht ist.

Welche Schattierungen es dabei geben kann, habe ich mir in den letzten Wochen ein wenig ertrunken, nachdem ich mir ein Probierpaket mit sechs Übersee-Sauvignons bei Shiraz & Co gekauft hatte. Und das gab es dabei zu entdecken:

First Sighting Sauvignon Blanc 2012 aus Südafrika

First Sighting Sauvignon Blanc 2012 aus SüdafrikaDie erste Entdeckung gibt’s schon beim Riechen: Was für eine Aroma-Bombe! Grapefruit dominiert, dazu kündigt sich eine schwere Süße an, die aber im Geschmack (zum Glück) fehlt. Der Wein schmeckt wunderbar ausgewogen – fruchtige Aromen (Grapefruit, dazu Holunder und Stachelbeere) und eine ordentliche Portion Säure, dazu eine leicht pfeffrige Schärfe. Wenn der Wein ein bisschen offen an der Luft steht, tritt die Säure zurück und ein öliger Geschmack nach grünem Paprika erweitert das Spektrum. Seine 9,50 € ist er auf jeden Fall wert.

Trilogy Infinity Sauvignon Blanc 2011 aus Chile

Trilogy Infinity Sauvignon Blanc 2011 aus ChileChile ist eines meiner liebsten Übersee-Wein-Länder, weil Preis und Leistung hier meistens passen. Dieser Sauvignon entspricht allerdings nicht ganz meinem Geschmack. Er kommt deutlich gedämpfter daher, in der Nase weniger wuchtig mit etwas Litschi und Holunder. Auch geschmacklich vermisse ich die frische Säure, der ganze Wein wirkt fast ein wenig gebremst. Der Grund dafür dürften die Eichenholzfässer sein, in denen der Trilogy acht Monate lang lagert. Kann man machen, muss man aber nicht. Holz dämpft Frische sozusagen. Mir sind die frischen, spritzigen, unbeschwerten Stahltank-Sauvignons lieber! Daher: Mit 9,95 € zu teuer.

The River Garden Sauvignon Blanc 2011 aus Südafrika

The River Garden Sauvignon Blanc 2011 aus SüdafrikaEin Beispiel dafür, dass auch bei Übersee-Sauvignons nicht alles Gold ist, was glänzt. Der Wein riecht und schmeckt nach wenig. Er hat keine Fehler, aber auch keinen Charakter. Man trinkt ihn so vor sich hin, findet nichts, woran man sich reiben oder wofür man sich begeistern kann, und hat ihn schnell wieder vergessen. That’s it. 6,80 € sind leider 6,80 € zu viel.

Chakana Sauvignon Blanc 2011 aus Argentinien

Chakana Sauvignon Blanc 2011 aus ArgentinienEin eher filigraner Sauvignon Blanc ist dieser Argentinier aus Mendoza. Schon in der Nase eher unauffällig, rollt auch die Geschmackswelle eher gemächlich an. Dann entwickelt er aber eine ganz hübsche Säure im Mund, die zarte grasige und Grapefruit-Aromen unterfüttert. Etwas zu zart für meinen Geschmack. Kurzum: Ein angenehmer Sommerwein an heißen Abenden für knapp 7 €, dem etwas mehr Durchschlagskraft gut tun würde.

Hole in the water Sauvignon Blanc 2012 aus Neuseeland

Hole in the water Sauvignon Blanc 2012 aus NeuseelandDer erste Sauvignon aus Neuseeland in dieser kleinen Reihe zeigt schon beim ersten vorsichtigen Am-Glas-Riechen, warum Neuseeland das Sauvignon Blanc-Land (und Marlborough die Sauvignon Blanc-Region) schlechthin ist. Ein wunderbarer Duft von Apfel, Litschi, Zitrusfrüchten und einer leichten Paprika-Schärfe strömt einem entgegen. Das gleiche Aromenspiel erwartet einen beim ersten Schluck. Auch im Mund ergänzen sich Fruchtigkeit und leichte Schärfe zu einem ungewöhnlichen und besonderen Geschmackserlebnis, das anhält und anhält, und dem man gerne eine ganze Weile nachschmeckt. Ein Sauvignon, der mit etwas blasser Farbe Harmlosigkeit vortäuscht, es aber faustdick hinter den Ohren hat. Was für ein Wein für 11,70 €! Die Trauben stammen übrigens aus dem Waihopai Tal in Marlborough – Waihopai ist Maori und bedeutet „Loch im Wasser“, womit auch der kuriose Name dieses tollen Weins erklärt ist.

Coopers Creek Silver Point Sauvignon Blanc 2010 aus Neuseeland

Coopers Creek Silver Point Sauvignon Blanc 2010 aus NeuseelandIn der Nase eher unauffällig ist dagegen dieser Sauvignon von der Ostküste Neuseelands, und auch im Geschmack bleibt der Eindruck ein wenig diffus. Es dominieren etwas herbe Gras- und Kräuteraromen und eine kräftige Säure, die die bekannte Sauvignon-Geschmacksvielfalt aber eher unterdrückt als unterstützt. Wer seinen Sauvignon nicht allzu fruchtig mag, ist mit diesem Wein gut bedient, alle anderen geben statt 8,99 € für den Silver Point lieber etwas mehr aus und greifen zum Hole in the Water.

2 Gedanken zu “Sechs mal Sauvignon Blanc

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