runtastic – vom Startup zum Global Player

Österreich und Fitness? Da war doch was! Genau: Arnold Schwarzenegger. Muskulös, intelligent, erfolgreich – aber irgendwie auch total analog. Der nächste Fitness-Export-Schlager aus Österreich ist komplett digital und heißt runtastic …

Keine Frage: runtastic ist erfolgreich im relativ jungen „Mobile Health & Fitness“-Business. Das lässt sich an der Geschäftsentwicklung ablesen – vor vier Jahren gegründet hat man heute schon 90 Mitarbeiter und seit neuestem eine 50,1%-Beteiligung durch Axel Springer. Aber auch schön plakativ an den „Fitness-Erfolgen“ des Unternehmens mit seinen vielen Apps und Angeboten, die längst über die bekannte, 50 Millionen mal heruntergeladene Lauf-App hinaus gehen.

300 Millionen Kilokalorien 

Im Dienst der globalen Fitness465  Millionen Liegestütze haben die Nutzer inzwischen mit Apps von runtastic absolviert, 560 Millionen Sit-ups, 200 Millionen Kniebeugen und  dabei knapp 300 Millionen Kilokalorien verbrannt. Das ist doch mal ein Beitrag zur Weltgesundheit, der auch den Ex-Fitnessbeauftragten der Bush-Regierung Arnold Schwarzenegger beeindrucken dürfte.

Bei einem Kongress in Düsseldorf hatte ich kürzlich Gelegenheit, mir einen Vortrag vom runtastic-CEO Florian Gschwandtner anzuhören und ein paar Fragen zu stellen. Drei Faktoren, die zum Erfolg des österreichischen Start-ups beigetragen haben – finde ich bemerkens- und damit hier im Blog berichtenswert:

Erst lokal, dann global

Ein Mini-Unternehmen aus der österreichischen Provinz (Firmensitz ist nach wie vor der 6.000-Einwohner-Ort Pasching bei Linz), das innerhalb kürzester Zeit zum Global Player bei Gesundheits- und Fitness-Apps aufsteigt … Eine Hightech-Firma, die nicht aus dem Silicon Valley kommt, sondern, im Gegenteil, ihre US-Konkurrenten zunehmend bedrängt … Wie geht das denn?

Es geht, und zwar gerade weil man aus der Provinz kommt. Die lokale Verwurzelung im nicht-amerikanischen Markt sieht Gschwandtner als Vorteil auf dem Weg zur Globalisierung. Während viele US-Konkurrenten nach wie vor nur englischsprachige Versionen ihrer Apps anbieten und sich im Prinzip mit dem US-Markt zufrieden geben (der ja nicht ganz klein ist), musste ein Unternehmen wie runtastic einen anderen Weg gehen. Vom deutschsprachigen Markt ausgehend hat man das Angebot schrittweise und konsequent internationalisiert, sprich an viele verschiedene Sprachräume angepasst. Das kostet Geld (aktuell sucht runtastic Übersetzer ins Japanische, Türkische und Portugiesische), lohnt sich aber auch.

Erst digital, dann analog

Runkeeper - erfolgreich mit 50 Millionen Downloads

Mit Apps lässt sich Geld verdienen. Das gilt nicht nur für Spiele-Apps, die vermutlich den größten Umsatzanteil in den App Stores haben, sondern auch für das „Mobile Health & Fitness“-Segment von runtastic. Dabei verfolgen beide Sparten die gleiche Strategie: Die Apps werden überwiegend kostenlos zum Download angeboten, der Umsatz entsteht durch Werbung und In-App-Verkäufe, indem die Nutzer für Zusatzfunktionen Geld bezahlen.

Interessant ist, dass sich Unternehmen wie runtastic aber zusätzlich ein analoges Geschäftsfeld erschließen. Während etablierte Fitnesskonzerne wie etwa Nike ihre guten alten Produkte (ein Turnschuh ist immer noch ein Turnschuh, auch wenn er heute anders heißt) mit digitalem Mehrwert anreichern (etwa dem Nike+ Sensor), geht runtastic den umgekehrten Weg und reichert seine App-Welt um Hardware an: Vom Pulsgurt bis zur Waage reicht inzwischen die Palette. Da zahlt sich aus, dass runtastic inzwischen als Marke wahrgenommen wird, der man Kompetenz beim Thema Fitness und Gesundheit zutraut. Es zahlt sich ebenfalls aus, dass man auf einen gewaltigen Kundenstamm zurückgreifen kann (wie gesagt: 50 Millionen Downloads allein der Lauf-App). Die Strategie bringt aber natürlich auch zahlreiche Herausforderungen mit sich – der Vertrieb von Hardware ist naturgemäß etwas aufwändiger als der eine App, um nur ein Beispiel zu nennen.

Innovativ und mit hoher Dynamik

Das ist vermutlich weniger überraschend, aber dennoch wichtig: runtastic ist schnell und innovativ. Während anderswo die Digitalisierung zum Projekt epischen Ausmaßes wird und Jahre dauern kann, geben junge Digital-Unternehmen wie runtastic richtig Gas. Das müssen sie auch und – das ist glaube ich entscheidend – sie haben es nie anders gelernt. Wer im App-Geschäft tätig ist, weiß, dass man schnell und flexibel auf Veränderungen im Markt reagieren muss. Hat man gestern noch eine BlackBerry-App gebastelt und auf iOS als Platzhirsch gesetzt, kann morgen schon Android das Maß aller Dinge sein. Und: Innovation wird nicht als Last angesehen, sondern als Herausforderung: runtastic hat bereits mehrere Apps für Google Glass realisiert – obwohl es noch gar keinen Store für diese Produkte gibt.

runtastic Story RunningAber Innovationsfähigkeit ist weder Zufall noch irgendwem in die Wiege gelegt. Man muss sie wollen und fördern und strukturell unterstützen. Bei runtastic tut man das zum Beispiel, indem einmal im Monat ein Innovationstag stattfindet, an dem alle Mitarbeiter an Themen außerhalb des Tagesgeschäfts forschen und arbeiten dürfen. Handfestes Ergebnis so eines Innovationstages war zuletzt das Produkt „Story Running“ – das sind kleine, auf Läufer zugeschnittene Mini-Hörbücher, die man In-App erwerben und während des Lauftrainings anhören kann.

25 Terabyte GPS-Daten

Als Startup tut man sicher gut daran, sich auf die wichtigen Themen zu fokussieren und bei aller Dynamik die Bodenhaftung nicht zu verlieren. Das eröffnet zugleich Handlungsspielräume für die kommenden Jahre, gibt es doch noch zahlreiche Felder zu beackern, um die man sich zunächst aus Zeit- und Ressourcengründen nicht kümmern konnte. Bei runtastic ist das zum Beispiel das Thema Data Mining. 25 Terabyte allein an getrackten GPS-Daten liegen auf den runtastic-Servern und warten darauf, ausgewertet zu werden, das Konzept dafür steht bei runtastic 2014 auf der Agenda. Man darf also weiter gespannt sein auf digitale Lösungen aus der österreichischen Provinz …

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Bildnachweis: Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de; runtastic

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