Der Social Media Metzger

Metzgermeister Claus Böbel kennt sich aus mit Bierschinken, Leberwurst und Schlachtschüssel. Und er kennt sich aus mit Facebook, Content Marketing und Storytelling. Wie das zusammenpasst und wie eine kleine Metzgerei im großen Web erfolgreich werden kann, lest ihr hier …

Gibt es etwas Analogeres als Wurst? Und etwas Bodenständigeres als eine kleine Metzgerei in einem fränkischen Dorf mit 300 Einwohnern? Wohl kaum. Doch wer sagt, dass die Digitalisierung für traditionelle Handwerksbetriebe keine Chancen bietet? Das dachte sich auch Metzgermeister Claus Böbel vor einigen Jahren und begann, seinen Betrieb konsequent digital zu erweitern.

Webshop mit Bratwurst und Bullenhoden

Metzgerei Böbel mit Online-ShopSoll  heißen: Natürlich ist auch heute noch die Metzgerei vor Ort mit ihrer lokalen Kundschaft wichtig. Aber immer mehr erschließt sich Böbel Zielgruppen und Kunden in Deutschland und der Welt. Das Mittel zum Zweck ist dabei ein eigener Web-Shop, in dem er über 500 Produkte anbietet, von der Bratwurst bis zum Bullenhoden, alles online bestellbar und in der Regel am nächsten Tag per Post beim Kunden.

Und schon bei seinem Web-Shop zeigt sich, dass Claus Böbel nicht nur ein erfolgreicher Metzger ist, sondern ein Händchen für Markenführung und Marketing hat. Denn statt auf Massengeschäft, billige Einkaufspreise und austauschbare Artikel setzt er ganz auf Qualität und Originalität: Auch online verkauft er nur Wurst aus eigener Herstellung und Fleisch von inhabergeführten regionalen Lieferanten. Sein USP ist die Kombination aus lokalem Traditionshandwerk und modernem Vertriebsweg, über den er sich ganz neue Kundengruppen erschließt – und zwar mit Erfolg, denn der Online-Umsatz seiner Metzgerei wächst jährlich um bis zu 30 Prozent.

Ein Metzger macht Content Marketing

Analoge Produkte - digital vermarktet
Analoge Produkte – digital vermarktet

Doch damit nicht genug. Um seine Bekanntheit im Web zu steigern und erfolgreich zu sein, hat Böbel eine klare Digital-Strategie, die er ebenso klar umsetzt. Er verzichtet auf billige Rabatt-Angebote und Gewinnspiele mit fragwürdigen Verlosungen zur schnellen Generierung von Fans ebenso wie auf teure Google-Anzeigen. Ihn interessiert auch nicht, welcher hippe Web 3.0, 4.0 oder 5.0 Trend gerade als Sau durchs Dorf getrieben* wird. Statt dessen setzt er voll und ganz auf das, was heute als Content Marketing in aller Munde ist – und zwar so pragmatisch und professionell, dass sich mancher Social Media-Berater und Kommunikations-Manager im Großkonzern eine Scheibe davon abschneiden* könnte.

Und so erzählt Böbel im Web Geschichten rund um seine Metzgerei. Dabei straft er all diejenigen Lügen, die meinen, Social Media sei nur etwas für große Unternehmen, denn die Kleinen hätten ja zu wenig  zu berichten, um ein eigenes Blog zu füllen.

Storytelling: Geschichten, in denen es um die Wurst geht*

Kurioser Content - Hirn in Dosen
Kurioser Content: Hirn in Dosen

„Jeder berichtet doch seiner Frau abends, was er tagsüber in der Arbeit erlebt hat“, meint Böbel und hat damit einen ersten Ansatzpunkt für sein Content Marketing. Auf seiner Plattform umdiewurst.de finden sich solche Erlebnisse, von der Kreation spezieller Weihnachtsprodukte über Berichte von Wurstseminaren bis hin zu zum 30. Dienstjubiläum seines Mitarbeiters.

Clever ergänzt er das um weitere Inhalte, zum Beispiel in seinem Auftragsarchiv, in dem er besondere Kundenanfragen schildert. So erfährt man, dass ein Metzger aus dem Iran von ihm Nachhilfe, eine Dame aus Finnland Hirn in Dosen und ein weiterer Kunde einen speziellen Wurstbrief haben wollte. Alles ein bisschen kurios und damit spannend und geeignet, um im Web erzählt und geschickt auf Facebook verlängert zu werden.

Metzgerei und Marketing

Metzgerei BöbelSchaut man sich seine Web-Präsenz an, wird aber auch klar: Storytelling macht Arbeit und fällt einem nicht in den Schoß. Claus Böbel hält Wurst-Vorträge und gibt Wurst-Seminare – dabei entstehen auch Bilder und Texte fürs Web. Er kreiert neue Produkte – und spricht im Web darüber. Er stellt regelmäßig ein Produkt des Monats vor, erläutert Fachbegriffe, mixt Wurst nach Kundenwunsch, macht Online-Beratung, fotografiert seine Kunden … All das generiert auch Inhalte, die sich im Sinne des Content Marketings sinnvoll einsetzen lassen und letztlich Neugierige zu Fans und Online-Kunden konvertieren.

Bis zu vier Stunden seiner Zeit investiert Claus Böbel täglich ins (ebenfalls sehr umfangreiche Offline-)Marketing und seine Webseiten, die damit Chefsache sind. Zeit, die ihm fürs gelernte Handwerk zwar fehlt, doch das sieht er gelassen: „Was meinen Sie, was ich leichter finde: einen Metzger als Mitarbeiter oder jemanden, der sich mit solcher Leidenschaft ums Metzgerei-Marketing kümmert wie ich?“

PS

* Ich bitte, die billigen Wurst-Wortspiele im Blogbeitrag zu entschuldigen. Ich konnte einfach nicht anders.

Bildnachweis: umdiewurst.de

7 Gedanken zu “Der Social Media Metzger

  1. … super, – Christian, – wir sollten Euch gemeinsam mit Unternehmen-Online vermarkten: Wer die Anwendung in der Zusammenarbeit mit seinem StB nutzt, bekommt von Euch eine „SM-Content-Beratung“ u.a. am Beispiel von Metzger Böbel und seinem „Wirken“, wie er es nennt :-) Und: Laß doch mal ein Kundenfoto mit Dir einstellen und bring mir bitte etwas grobe Leberwurst mit ;- )

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