Prüfen Sie, ob die Füße ausgedreht sind!

Ich brauche eine neue Geschirrspülmaschine. Klingt trivial, ist es aber nicht. Vor allem dann nicht, wenn man mit diesem Anliegen einen Media Markt betritt …

Meine Spülmaschine funktioniert. Sie könnte mir aber jederzeit um die Ohren fliegen, wie ich kürzlich aus einer Zeitungsanzeige erfahren habe. „Mögliche Brandgefahr“, hat es mir da entgegen gerufen, und „Wichtiger Sicherheitshinweis“. Meine Spülmaschine hätte mir vermutlich auch irgendwann in den zehn Jahren zwischen Kauf und Druck der Anzeige um die Ohren fliegen können, das hat sie aber freundlicherweise nicht getan.

Echte Beratung vom menschlichen Experten

Moegliche Brandgefahr bei GeschirrspuelernDer Hersteller bietet mir die kostenlose Reparatur an oder 20 Prozent Rabatt beim Kauf einer neuen Maschine, was ich ziemlich ok finde. Und da sie nun mal zehn Jahre alt ist, haben wir uns für Letzteres entschieden. Nun glaubt bitte nicht, dass es trivial ist, eine neue Spülmaschine zu kaufen. Es gibt unterschiedliche Breiten. Es gibt unterschiedliche Höhen. Es gibt freistehende, vollintegrierte, teilintegrierte und Unterbau-Geräte. Von den ganzen technischen Unterschieden zu schweigen. Amazon hat dazu übrigens einen sehr schönen Online-Ratgeber geschrieben.

Und trotzdem hatte ich das Gefühl: Bei so viel Komplexität brauche ich „echte“ Beratung. Von einem Menschen und Experten. Vor Ort. Bei dem ich dann auch mein Geld ausgebe, auf dass er für seine gute Beratung belohnt werde. So führte mich mein Weg in den Media Markt …

Media Markt, 10 Uhr morgens

Ich: Guten Tag, ich möchte eine neue Geschirrspül…

Verkäuferin: Moment mal. (Verkäuferin schiebt ein Etikett in eine Plastikfolie, mustert mich von oben bis unten, schiebt dann noch ein Etikett in eine Plastikfolie.) So, jetzt.

Also, ich möchte eine neue Geschirrspülmaschine von Siemens oder Bosch kaufen, wegen Rückrufaktion und so.

Aha.

Ja, und die Besonderheit ist glaube ich, dass meine Arbeitsplatte Unterkante 87 cm hoch ist.

Ja, da brauchen Sie eine Großraum-Spülmaschine.

Ok, und haben Sie welche da?

Nein, die werden selten genommen, die müssten wir bestellen.

Aber haben Sie vielleicht eine Preisliste oder so?

Da können wir schon nachschauen. Aber vorher müssen Sie prüfen, ob die Füße ausgedreht sind.

Wie bitte?

Ob die Füße ausgedreht sind.

Äh, welche Füße …?

Die Füße von der Spülmaschine natürlich. (Ihr Tonfall verändert sich leicht. Man merkt ihr die Sehnsucht an, endlich mal auf Augenhöhe mit einem Spülmaschinen-Experten zu parlieren, und nicht mit diesen grenzdebilen Schwachsinnigen von KUNDEN …)

Und was bitte heißt „ausgedreht“?

Na, ob sie voll ausgedreht sind. Vielleicht haben sie eine normale Maschine auf ausgedrehten Füßen, dann brauchen Sie wieder so eine. Und wenn nicht, dann eine Großraum-Maschine. (Ihr Blick passt sich dem Tonfall an.)

Aha. Und wie sehe ich, ob die Füße ausgedreht sind? Das ist ja alles verkleidet.

Die Blende müssen Sie wegmachen, dann sehen Sie’s. (Tonfall, Blick, Gestik und Mimik sind jetzt synchron und sagen: Herr, schmeiß Spülmaschinen-Know-how vom Himmel!)

Na schön. Und könnten Sie mir nicht trotzdem schon mal ein paar Preise für solche Geräte nennen?

Die sehen Sie ja hier an den Maschinen.

Aber Sie sagten doch, Sie haben keine Großraum-Spülmaschinen hier.

Stimmt. Die sind noch teurer als die Geräte hier.

Ja, wie teuer denn?

Schauen Sie erst mal nach, ob die Füße ausgedreht sind, bevor ich jetzt lange die Listen durchsuche und dann brauchen Sie doch was anderes.

Unfähigkeit und Unlust, der Tod des Einzelhandels 

Keine Frage, der Einzelhandel vor Ort hat es nicht leicht heutzutage. Aber es gibt Menschen, die haben Sehnsucht nach Beratung. Wonach sie keine Sehnsucht haben, ist Beratungsunfähigkeit (wie man sie oft erlebt und wie sie etwa hier schön beschrieben ist; und hier gibt’s noch mehr Beispiele) oder Beratungsunlust wie in meinem Fall.

Wieder zu Hause angekommen musste ich jedenfalls feststellen, dass man mit minderer handwerklicher Begabung nicht in der Lage ist festzustellen, ob „die Füße ausgedreht“ sind. „Die Blende wegmachen“ erfordert mehr handwerkliches Geschick als ich aufzubringen in der Lage oder willens bin. Da haben die Küchenbauer ganze Arbeit geleistet. Mein Problem wurde dann, wie könnte es anders sein, digital gelöst durch einen kurzen Mailverkehr mit dem Hersteller meiner Spülmaschine:

Meine Frage:

Guten Tag! Aufgrund Ihrer Rückrufaktion bin ich dabei, meine alte Spülmaschine durch eine neue zu ersetzen. Dazu müsste ich wissen, ob meine alte Spülmaschine ein normales Gerät mit 81 cm Höhe oder ein Großraum-Gerät mit 86 cm Höhe ist. Die Unterkante meiner Arbeitsplatte ist zwar 87 cm hoch, aber laut Verkäufer kann sich darunter auch eine 81er-Maschine verstecken. Hier die Daten meiner alten Maschine: XXX Also: 81 oder 86 cm Höhe? Herzlichen Dank!

Die Antwort einen Arbeitstag später:

Sehr geehrter Herr Buggisch, vielen Dank für Ihre Anfrage. Ihr Spüler ist ein 81er hoher Spüler, welcher über die Füße bis auf 87 cm erhöht werden konnte. Mit freundlichen Grüßen …

Problem gelöst, Kunde zufrieden, neue Maschine direkt beim Hersteller gekauft, Ende der Geschichte.

Mehr aus meinem Leben als Kunde:

Bildnachweis: S. Hofschlaeger / pixelio.de

11 Gedanken zu “Prüfen Sie, ob die Füße ausgedreht sind!

  1. Hat dies auf Raul Katos' Blog rebloggt und kommentierte:
    Ja ja, der Einzelhandel. Ich hatte neulich ein ähnliches Erlebnis. Ich kaufte beim Obletter in München vier Pakete mit Spielkarten. Zwei Stunden später packte ich die erste aus und stellte fest, dass diese in englischer Version vorlagen. Naja, eine der vier Verpackungen werde ich wohl behalten müssen. Aber die anderen ungeöffneten gebe ich zurück und lasse mir das Geld auszahlen, sollte kein Problem sein. Dachte ich. Bei Obletter an der Kasse angekommen werde ich erst wieder in den Keller gejagt, dort bei der Kasse lasse ich mir erklären, dass ich mir das erst einmal von der Verkäuferin – die sich geschickt hinter einem Regal versteckt hat – den Kassenzettel abzeichnen lassen muss, nur um dann abermals an der Kasse zurück zu erfahren, dass ich kein Geld zurück bekomme, sondern einen Gutschein (Plastikkarte), die ich aber bei Müller oder Obletter einlösen kann. Auf meinen Einwand, dass es erst zwei Stunden her sei, dass die Karten orginialverpackt seien und auch aufgrund einer falschen Beratung gekauft wurden (ich hatte daneben noch ein deutsches Spiel dazu verlangt), wurde mir nur entgegnet, dass auf dem Kassenzettel ja drauf stünde, dass Umtausch oder Warengutschein (aber eben nicht Bargeld) möglich sei.
    D. h. heißt jetzt also: entweder ich kaufe problemlos online ein, schicke das zurück wenn es mir nicht gefällt und erhalte anstandslos mein Geld zurück, oder ich gehe in den Einzelhandel, lasse mich gängeln, werde in Zukunft – egal wie lange die Schlange hinter mir ist – den Kassenzettel genau durchlesen, offene Fragen mit der Kassiererin diskutieren und ggf. von der Bezahlung Abstand nehmen.
    Davon abgesehen, dass ich der festen Überzeugung bin, dass die von Obletter vorgegebene Handhabung des Umtausches rechtlich nicht in Ordnung ist, werde ich mir an einem Samstag, wenn richtig viel los ist, den Spaß gönnen, Spielwaren, so viele wie ich tragen kann, an der Kasse eintippen lassen und dann aufgrund des Passus‘ auf dem Kassenbon das ganze wieder stornieren lassen. Darauf freue ich mich schon :-).

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    • Ich bin ein großer Freund von Kundenservice, aber Umtausch bleibt eben grundsätzlich Kulanz und die hierzu geltenden Regeln darf der Einzelhändler grundsätzlich selbst festlegen. Im Onlinehandel sollen ja auch nur die Nachteile für den Kunden ausgeglichen werden, die daraus entstehen, dass der Kunde die Ware nicht in der Hand hält und sie sich nicht „live anschauen“ bzw. den Aufdruck (z.B. zur Sprache) lesen kann. Im übrigen wird es bei den Widerrufsmöglichkeiten im Onlinehandel dieses Jahr wohl eine gesetzliche Änderung geben, wonach auch bei Waren im Wert von mehr als 40 EUR der Rücksender das Rücksendeporto bezahlen muss. Denkbarer Hintergrund ist das möglicher Weise manchmal etwas exzessiv geratene Ausnutzen des Rückgaberechtes durch Kunden. Man beachte hierzu die diversen Hightec-Foren, in denen offen von der Parallelbestellung mehrerer Geräte zu direkten Vergleichszwecken berichtet wird (selten übrigens bei Spülmaschinen). Letztlich dürfen aber auch Onlinehändler entscheiden, mit wem sie Verträge schließen und setzten Dauerrücksender durchaus auch einmal auf eine „schwarze Liste“. Wenn ich auch nur beste Erfahrungen mit dem Amazon-Kundenservice gemacht habe, die Zeit der ganz großen Freiheit für den Kunden ist wohl – aus nicht ganz unnachvollziehbaren Gründen – auch online bald vorbei…

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  2. Naja, Media Markt ist nicht wirklich Einzelhandel. Warst Du mal beim Greiner? Früher gab’s da wohl noch ein paar mehr Küchenfachgeschäfte in Erlangen, aber solchen Läden wurde ja durch Ketten wie Media Markt oder Saturn so ziemlich der Garaus gemacht.

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    • Ja, den Greiner gibt’s noch, aber der verkauft nur kleinere Haushaltsgeräte, keine Spülmaschinen. Wir haben da vor Weihnachten eine Kaffeemühle gekauft (mehr dazu demnächst hier im Blog), und die Beratung war recht ordentlich. Aber bei so Großgeräten hast du nur noch die Wahl zwischen „Handel vor Ort“ (= Media Markt oder Saturn), Internet oder Hersteller. Übrigens interessant: Nicht der Internet-Handel hat die kleinen Händler vor Ort bedrängt, das waren die Media Markts und Saturns, die jetzt wiederum vom Internet-Handel bedrängt werden. War beim Buchhandel genauso: Probleme haben die kleinen Buchhändler wegen der großen Hugendubels und Thalias bekommen, nicht wegen Amazon, das jetzt vor allem die großen Ketten in Bedrängnis bringt …

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  3. Sehr unterhaltsam dein Media Markt Besuch. Wenn auch etwas traurig, auf Grund der Beratungsunfähigkeit. So oder ähnlich schon mehrfach dort erlebt und darum setze ich dort keinen Fuß mehr über die Schwelle. Spülmaschinenerlebnis hatte ich im letzten Jahr auch. Auf zum lokalen Fachgeschäft (Ja, es gibt noch welche mit Großgeräten). Allerdings dort nur gesagt bekommen „Kaufen Sie die Miele, alles andere ist Mist“. Ahh ja. Ich habe dann auf Grund von Unwillen 1.500 Euro für eine Spülmaschine zu investieren online bestellt und trotz null Ahnung von Heimwerkern das Ding eingebaut und zu laufen bekommen.

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    • Ich bin übrigens auch der Überzeugung, dass Miele das Beste, Feinste und Tollste ist. Da bin ich noch von meinen Eltern geprägt. Aber wie du schon sagst, der Preis … Und für diese Erkenntnis brauch ich nun wirklich auch keine „Beratung“ vor Ort ;-)

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  4. Haha ja ich hatte auch einmal so einen ähnlichen Fall.. Und seitdem habe ich bemerkt das wenn man anständige Beratung möchte, man bei Media Markt meist falsch ist.. (es gibt natürlich auch Ausnahmen)
    Entweder online, oder in kleineren Geschäften, dort bekommt man dann hilfreiche Antworten die einem auch wirklich weiterhelfen. Aber

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