Ach, und übrigens … (22): The Walking Dead, House of Cards, Boardwalk Empire und der Unterschied zwischen sehr guten und mittelgute Serien

Diesmal gibt es bei meinen Fundstücken eine kleine Zombie-Berechnung, eine dringende Empfehlung, noch eine dringende Empfehlung und eine treffende Unterscheidung …

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Wie ihr wisst bin ich ein Fan sehr guter amerikanischer Serien, und eine der besten ist The Walking Dead, deren dritte Staffel ich an einigen Winter-Abenden  gesehen habe. Ganz wunderbar. Wenn man allerdings ein bisschen nachrechnet, wundert man sich, wo diese ganzen Zombies noch herkommen. Müssten die nicht alle längst im finalen Nirwana sein? Sie müssten: Here’s Why “The Walking Dead” Doesn’t Make Any Damn Sense ;-)

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Apropos sehr gute amerikanische Serien: House of Cards, Staffel 1, jetzt im Januar angeschaut, ist grandios. Man muss diese Serie also nicht nur sehen, weil man dann in einigen Jahren erzählen kann, man sei bei diesem disruptiven Ereignis dabei gewesen (bekanntlich wurde die Serie nicht von einem TV-Sender oder einem etablierten Studio produziert, sondern von der Online-Videothek Netflix). Man muss sie auch sehen, weil sie so verdammt gut und unterhaltsam ist. Und wie bei allen sehr guten Serien der letzten Zeit ist zweierlei herausragend: das Drehbuch und die handelnden Figuren, sowohl ihre Zeichnung und Entwicklung als auch die Besetzung. Kevin Spacey als ambitionierter Kongressabgeordneter und Strippenzieher, Robin Wright als seine Ehefrau, Kate Mara als Journalistin auf der Überholspur … Alles sehenswert. Selten war Zynismus so unterhaltsam. Und schrecklicherweise funktioniert Politik wohl wirklich (in Teilen) so, weshalb Jürgen Trittin (!) die Serie gleich für den Gemeinschaftskundeunterrricht empfiehlt.

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„Großes Kino“, sagte man einst, wenn man einen bemerkenswerten 90- oder 120-Minuten-Film gesehen hatte. Heute sind US-Fernsehserien das neue „große Kino“, und das sehen nicht nur viele Zuschauer so, sondern auch Schauspieler, Produzenten und Regisseure. Wer daran – trotz Kevin Spacey in der eben beschriebenen Serien-Hauptrolle – noch zweifelt, möge sich (wie ich soeben) die erste Staffel von Boardwalk Empire anschauen. Hauptrolle: Steve Buscemi, Regisseur der ersten Folge und Produzent der ganzen Serie: Martin Scorsese. Budget für Folge 1 übrigens: 20 Millionen Dollar, die aber nicht in ebenso kracherte wie ermüdende Digital-Action à la Transformers geflossen sind, sondern in eine spektakulär detailverliebte Ausstattung, um das Atlantic City der 1920er Jahre nachzuzeichnen. Die Geschehnisse sind denen in House of Cards gar nicht so unähnlich – auch hier geht es um einen korrupten, kriminellen, intriganten, durchtriebenen Politiker, den man als Zuschauer trotz oder gerade wegen dieser Eigenschaften sofort ins Herz schließt. Doch Boardwalk Empire spielt etwa 90 Jahre früher, zu Beginn der Prohibition, jenem grandios wirkungsvollen Nährboden für die organisierte Kriminalität in Amerika. Was in der Serie passiert und wie das inszeniert ist, ist extrem unterhaltsam und sehenswert, zumal zahlreiche interessante zeitgeschichtliche Aspekte clever in die Handlung eingebaut wurden, von der Rolle der an Stärke gewinnenden Frauenbewegung bis zum Schicksal der Heimkehrer aus dem 1. Weltkrieg.

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Und wo wir gerade beim Thema sind: Felix Schwenzel hat in seinem Blog sehr schön den Unterschied zwischen mittelguten und sehr guten amerikanischen Serien herausgearbeitet. Kann ich alles unterschreiben. Seine Beispiele für sehr gute Serien – Breaking Bad, Lost – würde ich ergänzen um die oben genannten The Walking Dead, House of Cards, aber auch Mad Men. Und mittelgut finde ich neben Bones zum Beispiel auch The Mentalist. Also lest mal, was er schreibt.

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Wir haben mit The Walking Dead begonnen, also hören wir auch damit auf. Die Serie hat Zombies wieder so populär gemacht, dass sogar die Heart and Stroke Foundation in Kanada mit einem Zombie-Video für lebensrettende Sofortmaßnahmen wirbt. Ehrlich. Seht selbst (gefunden im Gwup-Blog):

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In Ach, und übrigens (21) ging es übrigens um Weihnachten, was inzwischen zugegebenermaßen keinen mehr interessieren dürfte …

Bildnachweis: CNW Group/Heart and Stroke Foundation

3 Gedanken zu “Ach, und übrigens … (22): The Walking Dead, House of Cards, Boardwalk Empire und der Unterschied zwischen sehr guten und mittelgute Serien

  1. Kleine Ergänzung zur oben genannten Seriologie: Mentalist fand ich zumindest die ersten Staffeln sehr charmant und clever. Danach geht’s eher in Richtung Gewohnheitsgucken. Lie to me war zu Beginn ein wenig bemüht, später allerdings v.a. dank Tim Roth richtig gut. Ganz großartig fand ich auch bis zum bitteren Ende Dexter. Und dann war da noch … Six feet under. Sfu war vor einigen Jahren meine Erweckung zum Thema Serien aus USA und ist immer noch ungeschlagener Favorit. Siehe auch: http://zeitbalancen.over-blog.de/article-and-now-to-something-completely-different-57603260.html

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