Deutschland bei der Fussball WM - Haltung zeigen

Haltung

Selten habe ich einer Mannschaft so sehr den Weltmeister-Titel gegönnt wie dieser deutschen Nationalelf. Fragt sich nur: Warum eigentlich?

Wenn man ein bisschen aus dem Weltmeisterschafts-Rausch auftaucht (ich gebe zu: ich tue das ungern) und darüber nachdenkt, warum diese Weltmeisterschaft mit dieser deutschen Mannschaft etwas Besonderes war, dann komme zumindest ich zu dem Schluss: Natürlich weil wir (!) Weltmeister geworden sind, natürlich weil wir (zum Teil) schönen und effektiven Fußball gespielt haben; vor allem aber auch: weil diese Mannschaft Haltung gezeigt hat.

Klingt etwas altmodisch, ist es vermutlich auch. Aber tatsächlich glaube ich, dass (neben Technik und Taktik auf dem Platz, neben Sieg und Niederlage und allen Emotionen, die damit verbunden sind und Fußball so schön machen) die Protagonisten vom Trainer bis zum Reservisten deshalb so viele Sympathien gewonnen haben, weil sie für etwas standen und stehen: für eine Mischung aus kompromisslosem Siegeswillen, empathischer Bescheidenheit und humorvoller Gelassenheit.

Diese Fußball-Diven und Multi-Millionäre: bescheiden? Geht’s noch, Christian??

Trost für die Brasilianer

Bescheidenheit heißt, zugunsten anderer auf etwas zu verzichten. Am deutlichsten wurde diese Haltung, als wir im Halbfinale die brasilianischen Hoffnungen pulverisiert haben. Spätestens seit dem 3:0 hielt sich der Jubel bei den deutschen Spielern in Grenzen. Nach dem 5:0 war man sich einig, dass das keine Demütigung und Demontage der brasilianischen Gastgeber werden sollte, weil sie das einfach nicht verdient hatten. (Man hatte nur vergessen, das auch dem Einwechsel-Joker Schürrle mitzuteilen, der das tat, was er als Einwechsel-Joker immer tat: rennen wie ein Verrückter, Tore schießen und sich wie ein Kind darüber freuen.) Und nach dem Abpfiff waren die deutschen Spieler mehr damit beschäftigt, die Brasilianer zu trösten als ihren Sieg zu feiern.

Die Grundlage für solche Empathie und Bescheidenheit (in diesem Fall also: den Verzicht darauf, den Sieg zu vergrößern und bis ins Letzte auszukosten) ist in der Biographie der Spieler zu suchen. Viele von ihnen haben selbst erlebt und erlitten, wie es ist, bei der Weltmeisterschaft im eigenen Land vorzeitig auszuscheiden. Und manche von ihnen haben darüber hinaus erlebt und erlitten, wie es ist, das Champions League-Finale in der eigenen Stadt und im eigenen Stadion zu verlieren. Diese Erlebnisse haben nicht den Siegeswillen gedämpft, im Gegenteil: Die Projekte Champions League und Weltmeisterschaft wurden danach noch zielstrebiger angegangen als zuvor. Aber ohne Arroganz, Weltherrschaftsdrang oder die Illusion, „auf Jahre hinaus unbesiegbar“ zu sein.

Jogis Understatement

Der perfekte Trainer für Spieler mit einer solchen Haltung ist übrigens Jogi Löw, der Meister des Understatements, der nach dem Brasilien-Spiel zu Protokoll gab, dass sich die Spieler „jetzt natürlich schon auch ein bisschen freuen“ und dessen högschder emotionaler Ausbruch nach dem gewonnenen Titel vor allem in einem verschmitzten Lächeln bestand.

Das alles wirkte natürlich und nicht einstudiert und damit glaubwürdig und authentisch. Das passte zu anderen Bildern, etwa von Jogi Löw, der am Strand mit brasilianischen Jungs kickt, oder von Lukas Podolski, der nach dem Finale, als im Stadion schon wieder Ruhe eingekehrt ist, mit seinen Kindern seinem Kind ein paar Elfmeter schießt. Das passt sogar zu den vielen Fußballer-Selfies (ein neues Phänomen in der WM-Historie), mit und ohne Bundeskanzlerin, die ich mehr als Schnappschüsse denn als Selbstinszenierung wahrgenommen habe. Nicht auszuschließen, dass hinter solchen Bildern auch eine clevere Marketing-Strategie steckt. Aber cleveres Marketing heißt eben auch, die vorhandenen Markenwerte positiv zu verstärken.

Großes Pathos, schlechte Tricks

Dass es auch ein paar andere, für meinen Geschmack Identifikation eher erschwerende Haltungen gab, haben zum Beispiel Brasilien und Holland gezeigt. Brasilien mit diesem überzogenen Pathos, dieser anfangs kuriosen, dann schon bald nervtötenden Alles-oder-Nichts-Einstellung, für 200 Millionen Brasilianer, für Neymar, für den lieben Gott (was aber ungefähr dasselbe ist) … Die Hymne brüllen als ginge es um Leben und Tod, jedes Tor tränenreich zum Schicksalsmoment verklären – das wird spätestens dann zur Karikatur, wenn die gezeigte Leistung so gar nicht mit dem vorgetragenen Pathos mithalten kann.

Und Holland: Louis van Gaal, der alte Haudegen, Besserwisser und Griesgram, macht es einem nicht gerade leicht, zum Holland-Fan zu werden. Taschenspieler-Tricks wie ein Torwart-Wechsel vor dem Elfmeterschießen nötigen mir auch keinen Respekt ab, schon gar nicht wenn der eingewechselte Torwart die tapferen Schützen aus Costa Rica in überflüssige Dialoge zu verwickeln sucht. Da passt dann auch ein Arjen Robben ins Bild, den ich sehr schätze, der aber gelegentlich doch zu leicht abhebt und zu theatralisch landet und damit den Verdacht erhärtet, hier wolle ein Team unbedingt Weltmeister werden – zum Teil mit gutem Spiel, zum Teil mit schlechten Tricks.

Fußball-Pessimisten

Und so sprach sehr viel dafür, diese deutsche Mannschaft und ihren Trainer zu mögen und ihnen größtmöglichen Erfolg zu wünschen, auch wenn ihr Spiel nicht ganz so leichtfüßig und zauberhaft war wie in den Turnieren davor. Dass es natürlich in Deutschland immer Menschen geben wird, die grundsätzlich alles schwarz sehen, damit müssen wir halt leben. Ein solcher saß jüngst beim Spiel Deutschland vs. Ghana beim Public Viewing neben mir: Er fand im Prinzip jede Aktion der deutschen Mannschaft schlecht und wusste natürlich alles besser. Die Geräusche, die er von sich gab, waren vor allem entrüstetes Schnauben, unterbrochen von ebenso prägnanten wie fachmännischen Kommentaren („So wird das nix.“ – „Der kann nix.“ – …). Jeder Satz wie in Stein gemeißelt. Am Ende war er, glaube ich, ein bisschen beleidigt, dass die Deutschen nicht so hoch verloren haben wie er das erwartet hat.

Adressat seiner Fußballmeinung war übrigens seine Frau, die während des gesamten Spiels kein Wort sagte und keine Miene verzog. Wahrscheinlich nach 27 Jahren Ehe in vollständiger innerer Emigration (oder vollständig lobotomisiert). Ich überlegte mir am Schluss, ob ich ihm kurz kumpelhaft auf die Schulter klopfen und sagen soll: „Na, das war ein Spiel, was? Klasse! Tempo, Chancen ohne Ende, starke zweite Halbzeit. Klose! Schweini! Donnerwetter! Klar, wir müssen noch besser werden, aber Hauptsache, wir hatten Spaß beim Zuschauen, stimmt’s?“ Aber bevor ich das in die Tat umsetzen konnte, war er schon weg.

Elitäre Gesinnungs-Euphoriker

Noch schlimmer als der Fußball-Pessimist ist übrigens der Gesinnungs-Euphoriker, wie Gregor Keuschnig diejenigen Herrschaften nennt, die nicht nur schwarz sehen, sondern gegen alles sind, insbesondere gegen deutsche Erfolge:

Gesinnungs-Euphoriker gestatten allen anderen das, was sie bei Deutschen missbilligen. Sie finden es gut, wenn Franzosen oder Brasilianer die Hymne mitsingen und verab­scheuen es, wenn dies die Deutschen tun. Sie sehen über Gesichtsbemalungen bei Argentiniern hinweg, finden sie aber bei Deutschen gräßlich. Sie schämen sich für die biersaufenden und grölenden deutschen Fans, goutieren dies aber anderswo als lustig und originell. Gesinnungs-Euphoriker finden österreichische und englische Boulevard-Zeitungen gut, die das deutsche Fußballspiel im Weltkriegs- oder Nazi-Duktus aufbereiten. Zuhause schreiben sie Briefe, dass ihnen die „Bild“ nicht in den Briefkasten gesteckt wird. Gesinnungs-Euphoriker fühlen sich besser, weil sie auf andere herabschauen. Sie sind elitär bis in die Knochen. Es gibt sie aber glücklicherweise fast nur in Deutschland. In anderen Ländern würden sie ausgelacht.

Ein Sommermärchen

Wie dem auch sei. Vergessen wir diese anstrengenden Zeitgenossen. Mich hat diese Haltung beeindruckt: Höchste Ziele stecken und erreichen, dabei aber weder tricksen noch über Leichen gehen, sondern freundlich bleiben. Klingt wie ein Märchen. Ist es auch: ein Sommermärchen 2014 …

60 Gedanken zu “Haltung

  1. Etwas schade nur, dass unsere Spieler es nicht ganz durchgehalten haben, die perfekten Gewinner zu sein. Wenn SPON recht hat, veräppelten sie heute am Brandenburger Tor Argentinien und Brasilien, das hätte es nicht gebraucht.

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    • Warum sollte man sich nicht auch mal über andere lustigmachen dürfen?!? Die Argentinier haben sich stiulisierte Wirbelsäulen gebastelt und den verletzten Neymar veräppelt!!! So is Fußball, emotional und nicht immer hirngesteuert!!!! Aber das passt zu Deutschland, erst loben und dann wieder in den Staub schubsen, denn es geht ja noch besser! Vielleicht noch nen Nazivergleich ziehen, weil Neuer gesungen hat “ Die Nummer 1 der Welt sind wir“ !!!!! Irgendwann reicht auch diese ewige Nörgelei!!!! Hast Du den Neuen gesehen, hat ja echt nen schönen Garten angelegt, aber der Gartenzwerg zeigt seinen Pümmel!!!!

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    • Doch das hat es gebraucht! Schmähgesänge, in denen man den unterlegenen Gegner „veräppelt“, gehören genauso zum Fußball wie Jubelgesänge auch, in denen man sich als Sieger feiert!

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    • Was ist gruen und stinkt nach Fisch? Nur ein Karnevalsverein, der gerade Lederhosen auszieht… Ja sowas braucht es!
      Hoffen, bangen, Freude und Trauer, zuletzt gewinnt Weiss auf fairste Weise und Himmelblau geht enttaeuscht, niedergeschlagen und gebueckt vom Platz. Faires Verlieren, faires Gewinnen und Freuen, berechtigter Stolz, aufrichtig und mit erhobenem Haupt!

      //We are the champions
      No time for losers
      ‚Cause we are the champions of the World

      Gehoert Queen auf den Index? Moralisch verwerflich, Jugendgefaehrdend, weil imperialistisch?!

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    • Ich finde nicht, dass die Deutschen die Argentiener veräppelt haben. So ist das nun mal, wenn man siegt. Was hätten denn die anderen gemacht, wenn die gewonnen hätten. Ich versteh immer nicht, warum man alles negativ sehen muss. Kann man sich nicht einfach freuen, dass wir gewonnen haben? Muss jetzt alles kaputt geredet werden? Es kann nur einen geben und es gehört auch dazu, dass man das feiert und den anderen vielleicht etwas schlecht darstellt. Das heißt doch jetzt nicht, dass wir die anderen veräppeln. Mal davon abgesehen, war es ein sehr schönes Endspiel und beide Seiten haben gekämpft. Wir hatten halt mehr Glück und haben gewonnen. Mein Freund sagte mir vor Beginn des Spiels, es kommt nicht darauf an wer die bessere Mannschaft ist (da wir dann doch gleichwertig waren) sondern wer das erste Tor schießt wird wohl das Spiel gewinnen. Wer hätte denn auch gedacht, dass gerade mal EIN Tor fällt.

      So ich glaub, jetzt hab ich meinen Unmut genügend Luft gemacht. Das wollte ich schon bei dem anderen Artikel schreiben, aber da waren schon so viele Meldungen dazu, dass es wohl ehr untergangen wäre.

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      • „Was hätten denn die anderen gemacht, wenn die gewonnen hätten. “

        Das vergleichende Argument ist immer ein armes Argument. „Der hat aber auch geschossen…“ Für mich persönlich hat diese Nummer die ganze oben beschriebene Bescheidenheit der Mannschaft direkt entwertet. Man kann auch anders feiern und ausgelassen sein, ohne die Verlierer zu verhöhnen. Wo genau soll der Unterschied sein dazu, dass die Mannschaft das direkt in Rio auf dem Platz gemacht hätte? Sorry, sehe ich nicht. Echte Größe wäre gewesen, gerade im Anblick der tausenden Fußballfans zu Hause etwas Demut zu üben. Das hat nichts mit Miesepetrigkeit zu tun.

        „Fußball ist nun mal so“ – Ja sorry, dann kann mir dieser Sport mit seinem nationalistischem Getue und seinen Skanalen in der Manageretage auch gehörig am Popo vorbeigehen.

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      • Ja, ok, ist vielleicht ein schlechter Vergleich und sollte man wohl auch nicht anführen. Ich hab von dem ganzen erst heute etwas mitbekommen und ich finde nicht, dass es so schlimm ist, wenn man mal feiert. Tun wir ja sonst so wenig. Mal davon abgesehen, ist Fußball auch nicht unbedingt der Sport, den ich bevorzugt schaue. Ich finde es nur schade, dass die Freude über den Sieg jetzt madig gemacht wird, nur weil die etwas zu ausgelassen gefeiert haben. Versteh ich nicht. Aber gut. Ich will auch gar nicht über Fußball diskutieren, da ich mich da einfach so gar nicht auskenne. Vielleicht hätte ich gar nicht erst etwas schreiben sollen. Ich finde aber schon, dass man auch ganz schön überteiben kann. Die Jungs haben das bestimmt gar nicht böse gemeint. Mal davon abgesehen, dass das immer gespielt wird, wenn die Deutschen gewinnen und das schon über Jahrzehnte.

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  2. … YES, – und endlich gab es mal wieder neue Begriffe !!! „Katzenklo“ für die Trage, mit der verletzte Spieler vom Platz gebracht wurden und „Rasierschaum“ für Freistoßmarkierungen des Schiris. Oder haben wir das nur in Berlin so genannt ? Statt Rasierschaum bin ich aber für Profi-Schiris, – dann hätte u.a. Brasilien das Halbfinale gar nicht erreicht und so der üblen Niederlage ausweichen können. Nachvollziehbar erscheint mir dieser aktuelle Beitrag vom Brandenburger Tor:

    „Ok, wider besseren Wissens hab ich es getan. Den Wecker gestellt, früher aufgestanden ohne es zu müssen und dann ab zur Fanmeile.

    Was für ein Fremdschämevent das war. Ein Radiomoderator als grenzdebiler Einheizer, der nachdem er zum dritten mal anstimmen wollte wieviele Tore gegen Brasilien geschossen wurden, zu recht ein Pfeifkonzert geerntet hat. Musikalisch wurde ebenfalls zielsicher in die Kiste der Peinlichkeiten gegriffen, die Höhner, kann man zumindest noch mit genug Alkohol irgendwie ertragen, aber DJ Özi und Helene Fischer?
    Wegrennen war leider nicht möglich, der nächste Getränkestand leider auch unerreichbar. Na und gesehen hat man natürlich auch nur etwas an der Leinwand, wenn man nicht schon um 7 oder 8 Vorort war.

    Einmal und nie wieder.“

    http://community.kicker.de/community/foren/Fusball/F353/msg3785701.php

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  3. Ich hab das heute nicht mitbekommen, weil ich natürlich gearbeitet habe, statt per Live-Ticker in Berlin mitzulesen ;-) Und die Gedanken zum Beitrag sind sowieso in den letzten Wochen entstanden, und der Beitrag selbst im Wesentlichen gestern. Was ich jetzt so über „Gauchos“ gelesen habe: Ok, muss nicht sein. Aber mal ehrlich: Nächte durchgefeiert, jede Menge Alkohol, kaum Schlaf, Jet-Lag … Wollen wir das mal nicht auf die Goldwaage legen …

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    • … sehe ich auch so: wohl dosierter Hohn gehört sogar zur Haltung. Unterscheidbar wären z.B. a) der naive, spielerische Hohn und b) der böse Hohn aus einem (dummen) Überlegenheitsgefühl heraus. Es handelte sich heute ganz klar um a) …

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    • Ich fand die auch gut, und ich schaue nicht mal viel Fußball. Bin ja eine Frau und da schaut man nur EM, WM und vielleicht Champions League (schreibt man das so?). Aber der Artikel, wie auch der andere, fand ich toll.

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      • Willst du mi mit dem Satz verarschen??
        Als Frau schaut man nua WM, EM und CL??
        Schließ net vo dir auf andre.
        Schau ma in Deutsche Stadien, da siehst gnua fraun die fuba schaun und zwar wöchentlich!!!!!

        So jetzt zu dem feian unsra Jungs, lassts do ma dieses übertriebene linke gequatsche, macht net oan auf Moral Apostel ihr wärt net andas.
        Problem is wenn ihr was feiert, iwelche aussagen macht etc schaun net Milliarden Leute zu und beurteiln des.
        Es San Menschen wie du und i.
        Die Jungs habn gfeiert und nix is an dem Tanz verwerflich.
        Aba sche des es Menschen gibt, die Koa andre Probleme habn.
        Freit mi für euch.

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  4. wirklich ein großartiger Artikel! Einfach mal ein angenehmer entspannter Blick auf die Dinge und sprachlich sehr authentisch und super lesbar geschrieben!! Jeder sieht halt genau das was er zu sehen und wahrzunehmen in der Lage ist….Iris T.

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  5. Na klar. Wir Deutsche dürfen uns nichts erlauben, gar nichts! Es wird lieber wieder schlechte Laune verbreitet von mit sich selbst unzufriedenen Menschen. In Deutschland gibt es viel zu viele Leute, die die ganze Zeit darauf warten, irgendwas Fremdenfeindliches oder Rassistisches hineininterpretieren zu können. Wenn man sich schon über die Gaucho Gesänge aufregen muss, wo kommen wir denn da hin. Sollen wir uns entschuldigen, dass wir die WM gewonnen haben?

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  6. Schön zusammengefasst, kann ich unterschreiben.

    Diese WM hat mich irgendwie fasziniert und das obwohl ich gar kein Fußball-Fan bin. Vor allem die Vorrunden-Spiele (heißen die so?) waren klasse und ich hatte jeden Abend den Fernseher an. Mal abgesehen von der eigenen Nationalität, empfand ich die deutsche Mannschaft mitunter am symphytischen und mir war relativ schnell klar, dass die Jungs weit kommen werden. Spätestens nach dem Sieg gegen Brasilien, war ich davon überzeugt. Es hat einfach alles gepasst und sie haben das Sommermärchen 2014 wahr gemacht. Wie jetzt mache versuchen die ganze Geschichte mit dem #Gauchogate in Negative ziehen zu wollen, ist mir unverständlich. Aber wenn man sonst keine Probleme hat, dann zieht man eben welche an den Haaren herbei. Political correctness galore.

    Ach ja, sagte ich es schon? Schöner Artikel, kann ich so unterschreiben.

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  7. Ein vielleicht nett gemeinter Kommentar, aber der fliegende Holländer, der Taschenspieler, der heulende Samba-Kicker und vor allen Dingen der ewig nörgelnde Fan, dessen Frau unverständlicherweise immer noch bei ihm weilt, gehören hier nicht hin. In seiner inneren Anspannung gibt so mancher Fan Stuss von sich, ist eben so, doch das Spiel gegen Ghana ist wirklich nicht schön zu reden. Warum bleibt man als Schreiber in der Öffentlichkeit nicht genauso fair wie man es den deutschen Kickern nachjubelt und lässt Andere einfach anders sein; nörgeln, fliegen, tricksen, heulen …

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  8. Vielen Dank für diesen schönen Artikel!

    Zur „Gaucho-Affäre“: Wenn man diesen Gegner trotz fragwürdiger Leistungen zuvor vor und nach dem Finale als gleichwertig beschreibt, erzählt, wie sehr man im Grunde über die Leistungsgrenzen hinausgehen musste und stets versucht, die richtige Mischung aus Selbstbewusstsein auf der einen und Respekt vor dem Vermögen der Gegner auf der anderen Seite zu finden, der zeigt doch nun wirklich Anerkennung. Es ist doch reine Sensationshascherei, wenn man nun dies alles ignoriert und aufgrund des Gaucho-Songs (und nur aufgrund dessen!) das Gegenteil behauptet. Vlt. gibt es auch Argentinier, die das so interpretieren wollen, aber ich denke, kein aufgeschlossener Argentinier dieser Welt macht den Deutschen daraus einen wirklichen Vorwurf. Im Grunde genommen feiern die Jungs doch gerade deshalb so ausgelassen, weil man eben keine Karnevalstruppen hinter sich gelassen hat, sondern saustarke Gegner, denn an der Stärke des Gegners bemisst sich eben auch die Qualität eines Sieges.

    Zur Weltmeisterschaft: Ich habe diese Weltmeisterschaft wirklich sehr genossen, auch über die deutschen Spiele hinaus. Dazu gehören gute Gastgeber, gute Berichterstattung und natürlich der Sport selbst. Was die Gastgeber angeht, so hat doch letztlich alles gut geklappt, die Proteste hielte sich in Grenzen, und auch die Fans in den Stadien waren trotz einiger für mich nicht nachzuvollziehenden Pfiffe und Häme insgesamt sehr anständig und haben gute Stimmung übermittelt. Innerhalb der Berichterstattung haben mir einige Kommentatoren zu sensationsorientiert geschildert, Brasilien wurde mir insbesondere im Spiel um Platz 3 zu schlecht gemacht und die Situation gar nicht berücksichtigt. Trotzdem bin ich auch hier überzeugt. Scholli hat mit einfachen Worten auf nette Weise viel Sachverstand rübergebracht: Klasse! Und auch großen Respekt an Kahn, der sich, wie ich finde, zu einem echten Sympathieträger entwickelt hat, und das trotz der Tatsache, dass er mit Welke einen Journalisten an der Seite hatte, der sich ein wenig zu häufig auf das Sprücheklopfen beschränkte. Was den Sport angeht, haben uns die krassen Bedingungen, glaube ich, einen riesen Gefallen getan. Es gab kein Team, dass ein Spiel fehlerfrei und ohne Verschnaufpausen bewerkstelligen konnte. Folglich gab es auch immer Chancen für „die Kleinen“, für Sensationen zu sorgen. Oft war es so, dass die taktische Maßrichtung etwa eine Halbzeit klappte und die Dämme dann aus Ermüdungserscheinungen brachen. Die Qualität muss also immer im Verhältnis zu den Bedingungen betrachtet werden. Für uns Zuschauer ist das natürlich großartig, was haben wir geile zweite Halbzeiten erleben dürfen! Und Costa Rica! Ha! Dabei hat es Deutschland über das gesamte Turnier am besten verstanden, Kräfte einzuteilen und die Fehleranzahl bei gesunder Offensivkraft zu minimieren. Wichtig war wohl auch, dass man körperlich wirklich fit war. Uns also herzlichen Glückwunsch zu einer tollen Weltmeisterschaft und zum Weltmeistertitel!

    Bleibt die Frage, was man jetzt in der Abendzeit eigentlich anstellen soll. Ich hab´ mir sagen lassen, das Land brauche Nachwuchs… ;-)

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  9. Jetzt hätte mich nur interessiert, ob ihr gesagt hättet: ein bisschen Hohn ist völlig ok, wenn er die Deutschen betroffen hätte im Fall sie hätten das Finale verloren. Ich könnte mir vorstellen, dass der Aufschrei groß gewesen wäre und zwar hauptsächlich von denen, die es gerade jetzt So. großzügig tolerieren.

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    • „mit verletzendem, beißendem Spott verbundene, unverhohlene Verachtung“ – so definiert der Duden ‚Hohn‘.
      Völlig ok ist nur der Spott, das „sich (über x) lustig machen“, das „lächerlich machen“. Die anderen Attribute habe ich aber auch nirgendwo entdeckt, eher im Gegenteil.

      Das Turniersystem gründet ja auf simplen Prinzipien: Teams treten gegeneinander an, davon wird einer Meister. D.h. ein institutinalisiertes St.-Florian-Prinzip: die anderen, alle anderen, die nicht zu ‚uns‘ gehören, sollen verlieren; müssen besiegt werden um selber gewinnen zu können!

      Das WIR vs. nicht-WIR klappt wunderbar von Kindergartenspieltagen an auf sämtlichen Ebenen und Spiele, bei denen irgendwie alle und niemand gewinnt und/oder verliert, büssen dann doch seit ebenjenen Kindergartenzeiten an Reiz ein.

      Jetzt gibt es natürlich (aber leider) Menschen, die die Spielidee schon im Kindergarten nicht verinnerlichen konnten und dieses Defizit unbehandelt weiter mit sich tragen. Jene mit Schopenhauer’schem Nationalstolz, die sich selbst und spielfremde Dinge in falschem, fremden Glanz überhöhen.

      Die Spieler gehören hier jedenfalls nicht dazu. Gestern noch große Oper in unterschiedlichen Shirts, heute im Training mal so, mal anders und morgen dann wieder im selben Verein.
      Das ‚wir‘ und ‚gewonnen‘ funktioniert hier so unverfänglich wie ‚ihr‘ und ‚verloren‘. Es ist ja nur ein Spiel, wenn man aus dem gespielten, bunten Schlachtengetümmel mit Kriegsbemalung und Stammesgesängen mal die Luft raus lässt und zu dem Punkt kommt, über dieses geliebte, alberne Drama lachen zu können. So wie Kölner mit und über Düsseldorfer und die Piefkes, wenn die Schluchtensch* mal wieder eine Revanche für Cordoba kassieren…

      Bis dahin erfreue ich mich an meinen eigene schönen Erfahrungen mit dieser WM und mit der Mannschaft infizierterweise einfach mit, lasse mich dabei weder von jenen beirren, die bei „so sehen Sieger aus!“ eindeutig in die falsche Richtung zeigen, noch davon, dass mancher mich gleichsetzen mag.

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  10. Vielleicht würde es sich lohnen, mal einen Augenblick darüber nachzudenken, was in meinem ersten Kommentar drinsteht. Ich habe geschrieben „etwas schade, dass … “ und „das hätte es nicht gebraucht. Die Meinungen „doch, das hat es gebraucht“ und „war kein Veräppeln“ sind absolut vertretbar und sehe ich als Antworten an.

    Aus meinem Kommentar „ewiges Nörgeln“, „Ignoranz“, „das Gegenteil von Anerkennung“ oder „alles kaputtreden“ herauszulesen, könnte daran liegen, dass man ihn nicht richtig gelesen hat. Oder daran, dass die Schnappatmung häufiger einsetzt, wenn sich jemand erdreistet, an irgendwas, was mit Deutschland zu tun hat, auch nur die leiseste Kritik zu üben. Das gleiche gilt meiner Meinung nach für die Weiterführung „Warum nicht gleich einen Nazivergleich ziehen“. Sehr aufschlussreich, dass gleich ein Kommentator in diese Richtung schrieb, denn das war tatsächlich das Letzte, woran ich dachte.

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  11. […] habe. Finden sich sicher einige User hier wieder und jeder kennt solche Menschen auch Privat Haltung | Christian Buggischs Blog __________________ Aldo Gucci: "The bitterness of poor quality is remembered long after the […]

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  12. Vielen Dank für diesen überragenden Artikel. Er spiegelt auch meine persönliche Meinung zu 100% wieder und ich freue mich sehr, dass jemand es geschafft hat, diese in so schönen Worten auszudrücken!!

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  13. Bin durch meinen Enkel auf diesem Blog gelandet und durch die gelesenen Kommentare zu einem eigenen Statement animiert worden.
    Ja, auch ich habe diese WM mit Begeisterung verfolgt und war nicht von Anfang überzeugt, dass diese Mannschaft die Klasse für den WM-Titel besitzt. Aber um diesen Titel zu erreichen muss man nicht die beste Mannschaft aller Zeiten sein, man muss nur in diesem einen Turnier den Mannschaften, auf die man trifft, einen Ticken besser gegenüber sein. Das ist das Prinzip der Fußball-WM und genau unter Berücksichtigung dieses Prinzips wurde die deutsche Mannschaft Weltmeister.
    Siegestrunken aber immer fair, so hat sie sich bei allen Gegnern noch auf dem Acker bedankt und versucht, diesen auf diese Art das Gefühl zu vermitteln, ehrenvoll verloren zu haben. Mehr kann man nicht tun, wenn man nicht freiwillig auf einen Sieg verzichten will, nur um den Gegner nicht zu düpieren.
    Der Goucho-Song ist von Niveau her Geschmacksache und gerade seine „Kritiker“ hätten mit Sicherheit alle keine Einwände gehabt, wenn es anders herum gekommen wäre, die Argentinier gesiegt und auf ihre Art die Deutschen als die ewigen Zweiten dargestellt hätten.
    Dann hätten alle diese Antideutschen, denn das sind sie, furchtbar „amüsiert“ und jeden Kritiker als Fremdenfeind, als Rassisten und Spielverderber abgekanzelt.
    Aber am traurigsten finde ich eigentlich, dass auch die Medien sofort auf diesen Zug wieder aufgesprungen sind, in der Angst, politisch nicht korrekt genug zu sein und ARD und ZDF haben sicher schon seit gestern nachmittag darüber nachgedacht, wie sie diesen politischen Fehler der Jungs wieder ausgleichen können – distanzieren von der WM-Elf war das mindeste.
    Deshalb spricht man heute ja auch vom „Selbsttor“ der deutschen Nationalmannschaft.
    Das, was hier läuft, wäre in keinem anderen Staat dieser Erde möglich – aber die Reeducation hat funktioniert – nur nicht bei Klose & Co. und einigen wenigen anderen.

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    • Es wird immer peinlicher: Der DFB-Präsident wird sich bei den Argentiniern entschuldigen und die werden überhaupt nicht wissen, was Niersbach will.
      Man stelle sich einmal vor, nicht Deutschland sondern Brasilien hätte im Endspiel gestanden und dort die „Leistung“ gegenüber Argentinien gezeigt, die sie das Spiel gegen Deutschland verlieren ließ. Ein WM-Sieg der Argentinier gegenüber Brasilien hätte auf den Straße zu Mord und Totschlag geführt und in den Medien beider Staaten zu einer Schlammschlacht, gegen die das Gaucho-Lied nur ein Witz ist.
      Aber das Nachkriegsdeutschland fühlt sich am wohlsten, wenn es sich ständig selbstkasteien kann – diese masochistische Ader scheint ein Ergebnis der Reeducation zu sein und hat in meinem Umfeld Menschen erreicht, die ansonsten völlig normal sind, sich aber extrem verbiegen, wenn es darum geht, politisch korrekt zu sein.

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      • So sieht es aus. Leider. Wir Deutschen werden uns wohl nie leiden können. Vielleicht schaffen es ja unsere Kinder mal irgendwann.

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  14. Interessanter Blog und Beitrag. War eine schöne Weltmeisterschaft, spannend und mit mancher Überraschung. Ein Tournier nicht mehr und nicht weniger. Für manche hat es vom tristen Alltag abgelenkt und wurde zur Ersatzbefriedigung. Hat ja auch seinen Sinn. Dass man im Rausch der Gefühle vielleicht bei der Feier nicht immer politisch 100% korrekt ist, kann man den Spielern nicht anlasten. Dazu kommt, dass sie sich dadurch auszeichnen, eine körperliche Vorzugsstellung einzunehmen. Sie spielen gut Fußball und haben einen starken Willen, sonst wären sie nicht im Nationalteam. Kein Menscch kann verlangen, dass sie auch Einsteins oder Mutter Theresia gleichzeitig sind.
    Die waren dafür keine guten Fußballer.

    Schön dass sich viele Menschen so darüber freuen können. man sollte die Relationen zum eigenen Leben aber nicht verlieren. Ob Deutschland nun Weltmeister ist oder nicht, hat mit der eigenen Leistung gar nichts zu tun, auch wenn man sich dadurch vielleicht besser fühlt.

    Sonst müsste ich als Österreicher im Sommer immer depressiv werden. Denn Österreich wird wohl nur dann bei einer WM dabei sein, wenn sie hier stattfindet. Und da gibt es keine Anzeichen dafür ;-). Und die Alpine Saison ist kurz…. ;-)

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  15. ich fand toll was die Jungs gemacht haben. Mein Gott sollen sie doch ein bisschen lästern. Sie haben eine super WM gespielt, wir hatten Spaß dabei und ich hatte meinen Spaß gestern Abend bei der Zusammenfassung der Siegesfeier. Skandale werden oft von der Presse gemacht; so auch hier. Ich konnte in dem Tänzchen weiß Gott nichts skandalöses entdecken. Vielleicht schult der eine oder andere Spieler ja noch um zum Entainer ;)

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  16. Danke, Christian Buggisch! Was fpr eine schöne Zusammenfassung der WM aus deutscher Sicht. Gerade jetzt, wo die Jungs nicht mal fußballüblich feiern sollen (Goucho), ist dieser Bericht noch lesenswerter, daher einfach nur: danke!

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