Ach, und übrigens … (34): AfD-Freunde entfreunden, Grenzen, Niggemeier & Lobo, Dudelmusik

Über ein sehr rätselhaftes Verhalten von Facebook-Nutzern im Zusammenhang mit der AfD, offene Grenzen, einen neuen Medien-Podcast, die Entstehung von Radioprogrammen, zwei historische Ereignisse und Bauer Hubert …

***

Gestern auf Facebook: Ich lese, dass ein Nutzer seinen Facebook-Freunden droht, sie zu „entfreunden“, und zwar jenen, die der AfD auf Facebook folgen. Ultimatum: Innerhalb einer Stunde hört ihr auf, der AfD zu folgen, sonst entfreunde ich euch! Ich dachte, ich bin im falschen Film. Und dann zeigten die Diskussionen, dass das viele richtig finden. Ich halte das für grotesk falsch, für Abschottung der eigenen Filterblase, für maximale Diskursverweigerung, für schlimmste Schwarz-Weiß-Malerei, für völlig un-soziales Verhalten im sozialen Netzwerk, für wahnsinnig arrogant. Und das, obwohl ich die AfD wirklich zum Kotzen finde. Denn erstens heißt folgen nicht automatisch gut finden. Und zweitens sind potenzielle AfD-Wähler keine verurteilten Kinderschänder, zu denen ich jeden Kontakt abbrechen muss. Zum Glück hat der Christian​ Henne was dazu geschrieben, dann muss ich das nicht machen

***

Apropos AfD: Es wird ja viel darüber geredet und geschrieben, dass die Grenzen wieder dichter gemacht werden sollten. Jenseits der Fürs und Widers im Rahmen der Flüchtlings- und Migrationsdiskussion (anderes Thema) kann ich nur sagen: Ich halte offene Grenzen für eine grandiose Errungenschaft. Nun bin ich in einem derart fortgeschrittenen Alter, dass ich Grenzkontrollen auf dem Weg zum Beispiel von Deutschland nach Frankreich noch erlebt habe und auch an der innderdeutschen Grenze kontrolliert zu werden das zweifelhafte Vergnügen hatte. Die freie Fahrt von Land zu Land ist ein phantastisches Gefühl und für mich ein wichtiges Symbol für Freiheit und für Europa. Klingt pathetisch, ich weiß (aber überlegt euch mal, woran genau ihr „Freiheit“ festmacht – das wird schnell pathetisch). Jedenfalls fand ich dieses Gefühl sehr bestätigt, als ich diese Bilder von ehemaligen Grenzen gesehen habe. Wenn man die Bilder betrachtet, muss man unweigerlich auf den Gedanken kommen, dass Grenzziehung eine sehr merkwürdige Idee ist. (via Männer unter sich)

***

Anderes Thema: Stefan Niggemeier und Sascha Lobo unterhalten sich nun regelmäßig in einem einstündigen Podcast über die Lage der (sozialen) Medien. Sehr schön, dachte ich, gleich mal abonnieren. Episode 1 fand ich dann allerdings recht zäh. Erstes Problem: Es geht mir, zumindest am Anfang des Podcasts, zu wenig um die Sache und zu viel um Sascha Lobos Befindlichkeiten – wann er was gemerkt und geschrieben habe, wann welche Entwicklung bei ihm eingesetzt habe, wann die Stimmung von hier nach da gekippt sei … Das interessiert mich ehrlich gesagt nicht und kommt auch ein wenig selbstverliebt rüber. Problem 2: Sascha Lobo formuliert in seinen Texten, die ich wirklich sehr schätze, viel pointierter als wenn er im Gespräch plaudert – das mäandert so vor sich hin und er sagt halt gerne zu allem was, auch zum Impfen und zum Klimawandel, und daher braucht man immer wieder Geduld, bis die Herren auf das eigentliche Thema zurückkommen. Aber hey, das war der erste Aufschlag, ich bin gespannt, wie’s weitergeht.

***

Apropos Podcasts: Ich höre im Auto fast nichts anderes, weil ich die Dudelmusik auf Bayern 3 (und noch schlimmer: Antenne Bayern – Dudelmusik kombiniert mit unerträglichem Gute-Laune-Geschwätz) nicht länger als zehn Minuten aushalte. Aber wie legen die Radiomacher eigentlich fest, welche Dudelmusik gespielt wird? Dazu ein lesenswerter Beitrag

***

Und wo wir schon bei Medien sind: ZEIT online feiert 20-jährigen Geburtstag. Damals gestartet mit etwas, das „nicht mehr als 20.000 DM kostet“, heute mit 10 Millionen Lesern. Herzlichen Glückwunsch! (via wirres.net)

***

Apropos vor 20 Jahren: Heutige Teenager werden mit Windows 95 konfrontiert. Ganz großes Kino!

***

Und als Rausschmeißer: Tötet Bauer Hubert, diesen „Ökowichser mit seiner zum Würgen abstoßenden Bündnis 90-Moralpredigt“ … Hihi.

***

Weitere Fundstücke und Kleinigkeiten hier im Blog.

4 Gedanken zu “Ach, und übrigens … (34): AfD-Freunde entfreunden, Grenzen, Niggemeier & Lobo, Dudelmusik

  1. Wieder mal muss ich dafür plädieren, die Kirche doch im Dorf zu lassen. „Offene, respektive nicht-offene Grenzen“ in Europa: Für mich der Inbegriff einer Heißluft- und Gedöns-Debatte. Die Älteren werden sich erinnern, dass es auch eine Zeit vor Schengen gab, in der man genauso munter in Europa unterwegs war wie heute, lediglich beim Grenzübertritt stichprobenartig dann und wann halt mal seinen Ausweis vorzeigen musste. Das war auch schon alles. Wer heute in die Schweiz fährt, erlebt noch genau dies. Eine Katastrophe? Das Ende der Reisefreiheit? der Rückfall in’s Nachkriegs-Europa? Das ist doch vollkommen lächerlich! Ich bin jahrelang jedes Wochenende in der Schweiz gewesen, zwei Grenzübertritte pro Woche, und die „Prozedur“ dauerte, wenn’s denn überhaupt dazu kam, maximal 10 Sekunden, bis der Grenzbeamte gesehen hat, dass man tatsächlich der war, den das Passfoto abgebildet hat. Die Reisefreiheit ist also kein bisschen in Gefahr, nur der LKW-Verkehr wird sich gelegentlich wohl auf Wartezeiten einstellen müssen, wie sie vor Schengen gang und gäbe waren. Die schikanösen Kontrollen an der ehemaligen DDR-Grenze waren etwas völlig anderes, aber darum geht es ja gar nicht. Nein, hier wird, so denke ich, der Teufel an die Wand gemalt, in Wahrheit aber wäre die Wiedereinführung von Grenzkontrollen für die Reisenden ein Pipifax und überhaupt kein Problem.

    Gefällt 1 Person

  2. @Carsten Seebass Vielleicht wäre die Einführung von stichprobenartigen Grenzkontrollen für Gelegenheitsreisende kein Problem, für Pendler, die täglich die Grenzkontrolle passieren müssen, wären sie eins. Und für Firmen, die mittlerweile auf Lagerhaltung verzichten und auf Lieferungen „just in time“ angewiesen sind, währen Grenzkontrollen und die damit verbundenen Verzögerungen eine Katastrophe.
    @Christian Die Facebook-Entfreundungs-Drohung ist ein neuer digitaler Volkssport. Mich haben in den letzten Wochen ein paar Leute entfreundet, weil ich mti Matthias Matussek auf Facebook befreundet bin. Die Leute ertragen offenbar die bloße Existenz abweichender Standpunkte nicht mehr.

    Gefällt 2 Personen

Und jetzt sag deine Meinung:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s