Anja Scherl

Ach, und übrigens … (38): Laufen, Laufen und Laufen

Heute decken wir mal das ganze Lauf-Spektrum ab: Von Frauen, die nicht laufen durften, über Läufer, die gar nicht laufen, sondern walken, und Läufer, die glücklich als Letzte ins Ziel kommen, bis hin zu Wahnsinns-Marathon-Läuferinnen und noch wahnsinnigeren Ultra-Läufern  …

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Schönes Porträt in der Süddeutschen über Florian Neuschwander, der früher mal als Leichtathlet auf den üblichen Distanzen von 3.000 Meter bis Marathon unterwegs war. Inzwischen macht er nur noch, was ihm Spaß macht, und teilt das seiner Community auf Facebook und Instagram mit – und das sind Ultra-Läufe über 100 Kilometer und mehr. Und zwar ohne ausgefeilten Trainings- und Ernährungsplan, sondern halt einfach so:

Beim Essen die Frage nach dem Ernährungsplan: satt werden. Sein Trainer? Er selbst. Trainingspläne? Gibt es nicht. Seine Mitbewohner erzählen, was er vor dem letzten Ultramarathon gefrühstückt hat: Rührei, Waffeln mit Sahne, Croissants. Mit Sahne!

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Wenn wir hier schon so schön ausführlich übers Laufen reden, sollten wir auch kurz über den Lieblings-Feind des Läufers ablästern, den Walker. Der Kiezneurotiker hat ein wenig über diese Spezies nachgedacht und ist zu folgender Erkenntnis gelangt, die ich hundertprozentig teile:

Es gibt 1.000 Gründe zu laufen, doch nur zwei fürs Walken: 1. Sie bereiten sich auf die ernsthafte Sportaufnahme vor (Laufen), die für den nassen Sack, den Sie Körper nennen, noch zu hart ist. Verstehe ich. Die ersten 300 Meter leichtes Jogging in Ihrem Leben sind die härtesten, danach wird’s besser, langsam, aber doch. Ich weiß das. Bei mir war’s nicht anders. 2. Gesundheitliche Gründe, selbstverständlich. Knie. Hüfte. Penisbruch. Verträgt sich nicht gut mit dem Aufschlag auf Berlins durchlöchertem Asphalt. Sehe ich ein. Ist ein Grund. Eigentlich der Grund.

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Ausnahmsweise mal ein DVD-Tipp an dieser Stelle: Free to Run ist eine wunderbare Dokumentation darüber, wie Laufen von der kuriosen und bestenfalls belächelten Randerscheinung zum Massensport wurde. Besonders beeindruckend fand ich, was der Film rund ums Thema „laufende Frauen“ dokumentiert. Hier wurde von einigen Läuferinnen echte, harte und schmerzhafte Emanzipationsarbeit geleistet, denn „natürlich“ war Laufen zunächst Männersache und Frauen waren bei Wettkämpfen, aber auch einfacheren organisierten Läufen schlicht nicht zugelassen. Warum? Sie hätten ja tot umfallen können, Gott bewahre. Absolut ikonographisch die Szene, wie ein (wütender, alter, weißer, männlicher) Funktionär 1967 versuchte, Kathrine Switzer an der (verbotenen) Teilnahme am Boston Marathon zu hindern. Also: Schaut euch Free to Run an.

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Und wenn jetzt irgendwer sagt, beim Laufen gehe es ja immer nur darum, wer der Erste, Beste und Schnellste ist: Blödsinn. Jeder hat andere Ziele und auch in Wettbewerben laufen viele mit dem Ziel, einfach anzukommen (was sie schon von 90 Prozent der restlichen Bevölkerung unterscheidet, die laufenderweise bei einer Distanz über einem Kilometer das Ziel niemals erreichen würden). Und denen, die nicht als Erste, sondern vielleicht als Letzte ankommen, aber eben ankommen, hat Nike diesen netten Film gewidmet:

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Garantiert nicht als Letzte ins Ziel kommt DATEV-Mitarbeiterin Anja Scherl beim Marathon in Rio. Sie arbeitet wöchentlich 40 Stunden als Entwicklerin in Nürnberg und hat sich „so nebenbei“ zur Olympiade trainiert – unfassbar, wie sie das gemacht hat. Bei der Leichtathletik Europameisterschaft in Amsterdam hat sie sich über die Halbmarathon-Distanz schon mal warmgelaufen – und wir haben ein kleines Video darüber gedreht:

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Weitere Fundstücke und Kleinigkeiten hier im Blog.

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