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Zitat am Freitag: Das hier ist unser Land!

Ausländer raus! Eine uralte Parole, die uns in zig Variationen immer wieder begegnet. Und überall – selbst an Orten und zu Zeiten, wo man es kaum erwarten würde …

Der Schauplatz des Romans, den ich jüngst gelesen habe: Nordirland. Die Zeit: 1982. Es ist die Hochzeit der Auseinandersetzungen zwischen Katholiken und Protestanten, täglich gibt es Anschläge der IRA, der UDF, UFF oder wie sie alle heißen. Autobomben explodieren, Polizeistationen fliegen in die Luft, Gegner werden exekutiert oder zu Krüppeln geschossen, echte und vermeintliche Terroristen getötet und verhaftet, Zivilisten in Mitleidenschaft gezogen … Und mittendrin die folgende kleine Szene, die zeigt: Ein bisschen Ausländerhass geht immer, selbst im größten Chaos.

Die Hauptfigur, ein Polizist, wird eines Abends von seinen Nachbarn aufgefordert, mal mitzukommen: Es gebe eine neue Bewohnerin in der Straße, und die müsse weg. Er sieht, dass sich ein wütender Mob gebildet hat und denkt, er geht lieber mal mit. Ohne zu wissen, worum es eigentlich geht, aber vielleicht kann er ja Schlimmeres verhindern …

Ich klopfte an die Haustür.

»Wer ist da?«, fragte eine Stimme.

»Einer Ihrer Nachbarn«, antwortete ich. »Sean Duffy, ich wohne ein paar Häuser weiter.«

»Einen Augenblick.« Ein paar Sekunden später ging die Tür auf. Es war die Afrikanerin. Sie trug Jeans und ein Kapuzen-Sweatshirt, mit ihren Händen umfasste sie eine Handtasche. Sie sah mich an, dann bemerkte sie den Haufen, der auf der Straße wartete. »Was ist passiert?«, fragte sie mit zitternder und verschreckter Stimme.

»Diese Männer hier wollen Sie aus Ihrem Haus verjagen«, erklärte ich.

»Was habe ich denn verbrochen?«, fragte sie. 

»Weiß ich nicht«, musste ich zugeben. »Warum frage ich sie nicht mal?« Ich drehte mich um und stellte mich den Männern, die auf der Coronation Road herumstanden. »Sie möchte wissen, was sie getan hat«, rief ich.

»Sie muss einfach verschwinden! Carrickfergus ist kein Ort für sie. Für Fremde gibt’s hier keine Arbeit!«, rief jemand zurück.

»Wir wollen keine Nigger in der Stadt!«, brüllte ein anderer. Billy Took, nach dem Klang seiner schrillen Stimme zu urteilen.

»Was glaubst du, wo du bist, Billy? Alabama?«, fragte ich ihn.

»Das hier ist unser Land!«, verkündete ein anderer.

»Die überschwemmen ganz Irland!«

»Das ist erst der Anfang.«

»Sie nehmen uns die Arbeit weg!«

Regen setzte ein. Ich legte den Kopf in den Nacken und ließ ihn mir ein paar Sekunden aufs Gesicht prasseln.

Schreibt: Adrian McKinty im durchaus lesenswerten und unterhaltsamen Krimi Die Sirenen von Belfast, in dem es eigentlich um etwas ganz anderes geht. Falls ihr das lesen wollt, fangt ihr am besten mit dem ersten Teil der kleinen Reihe an: Der katholische Bulle. Aus dem hatte ich mir auch ein merkenswertes Zitat weggespeichert (Kontext: Der Chef macht unseren Polizisten rund, weil der einfach nicht von seinem Fall ablassen will, obwohl er an eine andere Behörde abgegeben wurde):

»Das ist alles nicht mehr Ihr Problem. Meins auch nicht. Es handelt sich nun um eins der tollsten Dinge überhaupt: das Problem eines anderen.«

Na denn: Schönes Wochenende!

(Alle Freitags-Zitate zum Nachlesen)

3 Gedanken zu “Zitat am Freitag: Das hier ist unser Land!

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