Amanda Knox und andere Filme

Die letzten fünf Filme

So eine Rubrik habe ich im Blog Kybersetzung entdeckt und sie hat mir sofort gefallen. Weil man wie immer im Blog zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen kann: eigene Gedanken festhalten und sie ggf. mit euch Lesern diskutieren. Nur schaue ich viel Serie und wenig Film, daher berichte ich nicht über die letzten zehn, sondern die letzten fünf gesehenen Filme …

Die glorreichen Sieben (Remake, Kino)

Die glorreichen SiebenEin sehenswertes Remake, weil es sich immer wieder vor dem Original verneigt, aber wo nötig ein paar Handlungsstränge modernisiert und das Ganze natürlich zeitgemäß visualisiert. Eine Verneigung zum Beispiel: der Einsatz der berühmten Titelmelodie von Elmer Bernstein, die während des Films immer wieder angedeutet, aber in voller Schönheit erst zum Abspann gespielt wird. Eine Modernisierung: Eine wütende Witwe engagiert die glorreichen Sieben und ist der Motor dieser Schutz- und Rachegeschichte – Frauenpower also. Ansonsten: Denzel Washington, Chris Pratt, Ethan Hawke und Vincent D’Onofrio auf Pferden und mit rauchenden Colts machen den Film allein schon sehenswert.

Die glorreichen Sieben (Original, DVD)

Kurz nach dem Remake haben wir uns gleich noch das Original gegeben, und siehe da: Kann man immer noch anschauen. Klar, ist doch ein Klassiker!, werdet ihr sagen. Nur meine Erfahrung mit manchem Klassiker ist, dass sich unsere Sehgewohnheiten so stark verändert haben, dass viele Klassiker kaum mehr zu ertragen sind. Anders hier: Die Story funktioniert nach wie vor, die Schauspieler – Yul Brynner, Steve McQueen, Charles Bronson, Horst Buchholz, James Coburn, Eli Wallach – sind klasse. Zweierlei ist uns extrem aufgefallen: Erstens die Darstellung der Mexikaner: Verhuschte Maiskolben-Pflücker, die folkloristische Feste feiern und ohne Hilfe der coolen Gringos völlig aufgeschmissen sind. Würde man heute eher nicht mehr so inszenieren. Und zweitens der Einsatz der Musik: Wahnsinnig dominant und sehr plakativ, das Ganze ist fast schon ein Musical, eine Pferde-Oper. Was vor 56 Jahren für Dramatik sorgte, ist heute bestenfalls amüsant.

Amanda Knox (Netflix)

Amanda Knox auf NetflixEine sehr sehenswerte Dokumentation über den Mord an Meredith Kercher in Perugia vor fast zehn Jahren. Die Doku ist deshalb so gut, weil sie mehrere Beteiligte ausführlich und unkommentiert zu Wort kommen lässt. Nun könnte man meinen, dass das wenig zur Aufklärung beiträgt, aber das Gegenteil ist der Fall. Vor allem zwei Hauptbeteiligte reden sich buchstäblich um Kopf und Kragen: der damalige leitende Staatsanwalt und ein Reporter.

Ersterer präsentiert sich unglaublich eitel und selbstgefällig und gibt mit jedem Satz zu erkennen, dass er sich seiner Sache sehr früh sehr sicher war, nämlich dass nur Amanda Knox und Raffaele Sollecito die Schuldigen in einem aus dem Ruder gelaufenen Gruppensex-Szenario sein konnten. Warum? Weil sie sich merkwürdig verhalten haben. Später kamen widersprüchliche Aussagen und fragwürdige DNA-Spuren dazu, aber die Dokumentation legt nahe, dass der Ermittler einen Kardinalfehler begangen hat: sich viel zu früh auf die beiden als Verdächtige zu konzentrieren und andere Optionen zu ignorieren. Von keinerlei Selbstzweifeln behelligt glaubt er heute noch, alles richtig gemacht zu haben, obwohl die beiden bekanntlich in höchster Instanz nicht zuletzt aufgrund unglaublicher Ermittlungspannen und Schlampereien freigesprochen wurden.

Der Reporter hingegen berichtet heute noch stolz und völlig unkritisch, wie er die Story um das „Monster“ Amanda Knox hochgejazzt und jahrelang am Kochen gehalten hat, ganz berauscht davon, wie oft er die Titelseite beherrscht hat. Es sei ja seine Pflicht als „Journalist“ gewesen. Der Medienhype, den er und seine Kollegen ausgelöst und befeuert haben, ist ebenso beeindruckend wie seine Skrupellosigkeit und das komplette Fehlen eines moralischen Kompasses. Reflexion darüber, was er und seine Kollegen den Beteiligten angetan haben? Fehlanzeige.

Natürlich kommen auch Amanda Knox und Raffaele Sollecito ausführlich zu Wort, und zahlreiche Originalaufnahmen von damals führen den Zuschauer zurück in die Jahre ab 2007 bis zum finalen Freispruch 2015. Ein weiteres Bild, das hängen bleibt: wie eine wütende Menschenmasse nach dem Freispruch vor dem Gericht „Schande“ und „schuldig“ brüllt, als sei sie im Besitz einer höheren Erkenntnis.

Der NSU-Komplex (ARD)

Noch eine sehenswerte Dokumentation, diesmal vom Bayerischen Rundfunk. Ich empfehle euch sie anzuschauen, obwohl ihr wahrscheinlich wie ich danach wahnsinnig schlechte Laune habt. Aber es hilft ja nichts: Es gibt solche Leute, es gibt Menschen, die andere Menschen wegen ihrer Herkunft ermorden, es gibt eine militante rechte Szene, es gibt rechten Terror, es gibt ein Problem mit V-Leute in dieser Szene und es gibt damit letztlich ein Problem staatlichen Versagens. Stefan Aust wählt eine lange Anlauframpe für seinen Film und schildert ausführlich die Vorgeschichte des NSU, der in einem dichten Netzwerk ostdeutscher Neonazis wachsen konnte. Die Machart der Dokumentation ist konventioneller und kleinteiliger als bei der vorgenannten Netflix-Produktion, und immer wieder erklärt Aust aus dem Off die Zusammenhänge in dieser leicht vorwurfsvollen Art, wie man sie noch aus Spiegel TV kennt. Macht aber nichts, man versteht danach besser, was passiert ist, wundert sich, warum das so passieren konnte … und hat wirklich, wirklich schlechte Laune.

Who Am I (Amazon Prime)

Ein versöhnlicher Abschluss für heute. Haben wir mit den Jungs zusammen angeschaut. Ein deutscher Film, der spannend, modern und witzig ist? Kaum zu glauben. Ist aber so. Und einen Film über eine anarchistische Hacker-Gruppe unterhaltsam zu machen, ist ja auch nicht ganz einfach. Nerds, die an Bildschirmen rumtippen, will man ja nicht zwei Stunden lang zuschauen. Aber der Film macht das gut: nette Handlung, flotte Inszenierung, gute Schauspieler, ein doppelter Boden mit Anleihen bei Fight Club und eine hübsche Visualisierung der virtuellen Chats.

Ach ja, und als Rausschmeißer: DIE Musik …

Bildnachweis: Amanda Knox: © Netflix; Die glorreichen Sieben: © 2016 Sony Pictures Releasing GmbH © 2016 Metro-Goldwyn-Mayer Studios Inc. and CTMG. All rights reserved.

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