framing

Zitat am Freitag: Framing

Wie kann man mit Populisten wie Trump oder AfD-Politikern umgehen? Ausgrenzen oder umarmen? Ignorieren oder konfrontieren? Sich treu bleiben oder ihre Methoden adaptieren?

Ich habe neulich schon dafür plädiert, dass man Populismus nicht mit Populismus bekämpft, aber trotz aller Komplexität nicht auf einfache, schlagkräftige Botschaften verzichtet.

In der taz erklärt nun die Sprachwissenschaftlerin Elisabeth Wehling lesenswert, was Framing bedeutet und was das mit unserem Thema zu tun hat:

Frames sind gedankliche Deutungsrahmen, innerhalb derer wir Fakten verarbeiten. Im Jahr 2015 sind eine Million Geflüchtete nach Deutschland gekommen. Das kann man beispielsweise als Bedrohung oder Chance einordnen. Die Fakten haben ja nie eine Bedeutung an und für sich, sondern wir müssen sie interpretativ einordnen. Das erleben wir nicht nur in der Politik, sondern auch im Alltag. Seinen eigenen Blickwinkel auf die Welt zu kommunizieren, das ist, kurz gefasst, Framing.

Trump etwa habe ein Framing verwendet, nach dem sich die USA in existenzieller Gefahr befänden, bedroht u. a. von mexikanischen Einwanderern, und nur er könne die Gefahr beseitigen. Und auch die AfD hat einen Deutungsrahmen geschaffen:

Ein zentraler Frame der AfD ist die Geschichte von der Diktatur der Eliten: die Demokratie läge am Boden, die Lügenpresse führe das Volk in die Irre, die sogenannten Altparteien seien bürgerfern. (…) Der Diktatur-Frame hat kognitive Zugkraft, die Geschichte von Ungerechtigkeit und Unterdrückung funktioniert einfach.

Und was kann man nun dagegen tun? Erstens: nicht denselben Rahmen aufspannen:

Ich würde es keinem demokratischen Politiker raten, wie eine AfD zu kommunizieren. Lügen, verfälschte Fakten und Hass gehören nicht in die menschlich verantwortungsvolle Politik. Demokratische und progressive Geschichten sollten erzählt werden, mit Frames von Empathie, Miteinander, Nächstenliebe, gegenseitiger Befähigung und Schutz. Dass die funktionieren, hat die Popkultur mit Filmen, Büchern und Theaterstücken, die auf diesen Werten basieren, immer wieder gezeigt. Die Parteien müssen sich mal hinsetzen und die moralischen Prämissen ihrer Politik punktgenau klären und sprachlich durchdeklinieren.

Zweitens: keine Energie darauf verschwenden, sich am Rahmen des politischen Gegners abzuarbeiten:

Es ist wichtig, eine klare, eigene Geschichte zu erzählen. Da können wir aus dem US-Wahlkampf viel lernen. Hillary Clinton hat ihre Kampagne damit verbracht, zu sagen, warum Donald Trump so schlimm ist. Doch man gewinnt keinen Wahlkampf damit, zu sagen: Ich bin nicht der andere. (…) Es braucht ein Framing von sich und vom Gegner statt einer Diskussion der Frames des Gegners.

Und das heißt für uns Facebook-Nutzer: Nicht dauernd über das Stöckchen der AfD springen und ihrem Rahmen durch Empörung Aufmerksamkeit verschaffen:

Die Frames der Gegner aufzugreifen, führt zu nichts. Durch die Erwähnung eines Frames, unabhängig ob bejahend oder verneinend, wird dieses immer wieder aktiviert. Das ist dann kostenloser Wahlkampf für die anderen.

Schönes Wochenende!

(Alle Freitags-Zitate zum Nachlesen)

4 Gedanken zu “Zitat am Freitag: Framing

  1. Wow, das ist mal ein radikal anderer Ansatz. Klingt nach Arbeit, sich erstmal die ganzen neuen Frames zu schaffen. Aber hey, die alten scheinen sich – so weit überhaupt vorhanden – tatsächlich überholt zu haben. Danke für den erfrischenden Impuls. Ich werd‘s versuchen!

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  2. Ergänzung zu meinem letzten Kommentar: für die Populisten gibt es nur gut und böse, Freund oder Feind, schwarz und weiss. Die Welt ist aber bunt und vielfältig, auch wenn unsere superpragmatische deutsche Kanzlerin die Leute glauben lässt, das wäre anders. Genau das ist ein großes Problem: es fehlt an Visionen für die Zukunft, dies führt zu Angst, und dann besinnen sich manche auf antiquierte totalitäre Denkmuster der Vergangenheit. Ein ewiger Kampf.

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