Die letzten fünf Filme: ein Cyborg, ein Zausel und drei Klassiker

Höhen und Tiefen gab’s bei den letzten fünf Filmen zu besichtigen. Vom spektakulären Science Fiction bis zum Ultralangweiler war alles dabei …

Ghost in the Shell (Kino)

Die Idee kommt einem vage bekannt vor: Ein Mensch, dessen Körper so stark beschädigt ist, dass er nicht überleben kann, wird körperlich durch Technik ersetzt, seine Persönlichkeit und seine Erinnerungen (in der Transplantationsoptik des Films: sein Gehirn) bleiben erhalten. Der Mensch ist diesmal nicht Officer Alex Murphy alias Peter Weller aus dem 1987er Robocop, sondern Major Mira Killian alias Scarlett Johansson. Auch sie jagt einen Verbrecher (den „Puppenspieler“, der sich in andere Mensch-Maschinen hackt und sie kontrolliert), auch sie ist aber eigentlich auf der Suche nach sich selbst und entdeckt dabei ein finsteres Geheimnis.

Ein paar Dinge machen diesen Film besonders und sehenswert: Erstens finde ich Cyborg-Filme, wenn sie nicht nur aus plumpem Haudrauf bestehen, immer interessant, weil sie spannende Fragen über Identität, Menschlichkeit und den Wert von Fehlern und Schwäche aufwerfen und dabei zahllose Mythen von Prometheus bis Frankenstein streifen. Zweitens zeigt der Film eine futuristische (Stadt-)Gesellschaft, die bei näherem Hinsehen gar nicht so futuristisch ist. Urbane Verdichtung, ein Überangebot an Werbung, (fast) autonomer Verkehr und Robotik, die einem an jeder Straßenecke zur Verbesserung der (vermeintlichen) eigenen körperlichen Defizite angeboten wird. Drittens nimmt man Scarlett Johansson die Mischung aus optimierter Kampfmaschine und zerbrechlichem Mädchen sehr gut ab. Und viertens ist die (3D-)Optik des Films spektakulär, in den sorgfältig choreografierten Actionszenen ebenso wie im großen Ganzen, einer beeindruckend-beängstigenden Welt irgendwo zwischen Blade Runner und Das fünfte Element.

Toni Erdmann (Amazon)

Ein sehr, sehr rätselhafter Film. Normalerweise hätte ich geschrieben: ein sehr, sehr langweiliger Film. Das Rätsel entsteht dadurch, dass die Feuilleton-Kritiker vor Begeisterung Luftsprünge gemacht haben und dass er mit Preisen überhäuft wurde. Ich weiß nicht, warum. Die Verpackung: Eine Aneinanderreihung mehr oder weniger humoriger Episoden und mehr oder weniger skurriler Szenen ergibt halt noch keinen guten Film. Er versucht so angestrengt uninszeniert zu sein, dass diese Attitüde (mich) nervt. Vielleicht steckt hinter dem vermeintlichen Kunstgriff der Uninszeniertheit aber auch einfach nur der Umstand, dass keiner eine gute Idee für eine stringente Handlung hatte. Der Inhalt: Natürlich könnte die Beziehung zwischen Vater und Tochter, die sich auseinandergelebt haben, interessant sein. Aber der Film verschenkt diese Möglichkeit, weil er sich mit Klischees begnügt. Ein alter Zausel trifft auf die Welt der Unternehmensberater und Manager. Jo, Alter, wahnsinnig originell.

Ein Fisch namens Wanda (Amazon)

Ich nutze die Osterferien, um mit meinen Kindern ein paar alte Filme wieder anzuschauen. Also ich wieder, meine Kinder zum ersten Mal. Das ist doppelte Qualitätskontrolle: Wenn’s sowohl dem alten Herrn immer noch als auch der im neuen Jahrtausend geborenen Generation erstmals gefällt, muss es gut sein. Ein Fisch namens Wanda funktioniert jedenfalls immer noch. Ein paar Gags sind etwas eingerostet, es gibt ein bisschen viel Klamauk für meinen heutigen Geschmack, aber alles in allem haben wir viel gelacht. Kevin Kline (was macht der eigentlich heute?) als Otto. Die alte Dame mit den drei Hunden. Der Striptease von John Cleese. Witze übers Stottern (geht heute wahrscheinlich auch gar nicht mehr, aber hey, das waren die 80er …). Ach, und: Wie war das im Mittelteil? ;-)

Schnappt Shorty (Amazon)

Funktioniert ebenfalls noch, und zwar ohne Einschränkung. Selten hatte so ein Staraufgebot (John Travolta, Gene Hackman, Rene Russo, Danny DeVito, James Gandolfini (lange vor den Sopranos)) derart Lust, sich selbst und den ganzen Hollywood-Betrieb auf die Schippe zu nehmen. Plus clevere Handlung (kein Wunder: es wurde ein Roman von Elmore Leonard verfilmt), fertig ist die zeitlose und jung gebliebene Krimikomödie.

Forrest Gump (Amazon)

Ja, gut, kennt ihr alle. Ein zeitloses Meisterwerk. Kann und sollte man immer wieder anschauen. Lauf, Forrest!

Hier findet ihr mehr großartige Tipps zu Serien, Filmen und Büchern.

Bildnachweis: Ghost in the Shell – (c) Paramount Pictures; Toni Erdmann – Amazon

2 Gedanken zu “Die letzten fünf Filme: ein Cyborg, ein Zausel und drei Klassiker

  1. Den Wanda-Film habe ich auch vor Kurzem mal wieder angeschaut.

    Mir geht es bei Filmen, die ich mehrfach anschaue, oft so, dass sie mir immer kürzer und „eindimensionaler“ erscheinen.

    Beim ersten Anschauen ist ein Film opulent, lang, verschachtelt, überraschend und dauert quasi ewig, bis er zu Ende ist.

    Bei folgenden „Anschauungen“ erscheint er mir oft hölzern, schnell, kurz, direkt zum Ende kommend.

    Vermutlich ist das so, wie im Alter die Zeit auch subjektiv schneller vergeht, wohl weil man vieles schon kennt.

    Nur „Bube, Dame, König, Gras“ kann ich quasi beliebig oft anschauen und amüsiere mich immer noch extrem sehr gut darüber. Für mich der beste Film aller Zeiten.

    Gefällt 1 Person

  2. Als Tip für etwas Neueres: Lion! Ebenfalls ein Film über Identitätssuche… Solltest Du Dir unbedingt ansehen!

    Zum Thema Identität habe ich neulich mit unserer Tochter auch „Sommersby“ angesehen, sie das erste Mal, ich zum wiederholten… Auch so ein wunderbarer Schatz, der sich in den Tiefen von Netflix verbirgt.

    Gefällt 2 Personen

Und jetzt sag deine Meinung:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s