Dem deutschen Wald geht’s gut

Es war nicht zehn vor zwölf, auch nicht fünf vor zwölf, sondern exakt vier vor zwölf, was den Zustand des deutschen Waldes angeht. Zumindest wenn man einer Briefmarke aus den 80er Jahren Glauben schenkt …

rettet-den-waldWer wie ich in diesem merkwürdigen Jahrzehnt als Teenager sozialisiert wurde, weiß dass uns damals manche Themen gründlich die gute Laune verdarben. Die Angst vor einem Atomkrieg natürlich. (Ich weiß noch genau: An meinem ersten Schultag im Gymnasium war ich furchtbar beeindruckt von einigen Bildern, die in der Aula ausgehängt waren. Irgendeine Klasse hatte im Kunstunterricht Bilder zum Thema Atomkrieg malen müssen. Noch schlimmer als die Atombombe: die Wasserstoffbombe. Und noch schlimmer als beide zusammen: die Neutronenbombe, die nur Menschen kaputt macht, sonst gar nichts. Ich konnte nächtelang nicht schlafen …) Und die Angst vor dem Waldsterben.

Erst stirbt der Wald, dann der Mensch

So wie damals jedes Kind wusste, was SS 20 und Pershing 2 waren (nämlich todbringende Raketen), war jedem völlig klar, worin die Ursachen des Waldsterbens lagen: in Luftverschmutzung und saurem Regen. Und natürlich war der Wald, wie schon immer in der deutschen Geistesgeschichte, nicht nur Wald, sondern Symbol: „Erst stirbt der Wald, dann der Mensch“, war ein Slogan der 80er. Ihr seht schon: Die bundesrepublikanischen 80er Jahre waren ein rechtes Jammertal, gegen das die Drohkulisse von so manchem apokalyptischen „Memento mori“-Dichter des Barockzeitalters wie ein rosarotes Gute-Laune-Spektakel wirkt.

Tatsache ist jedenfalls, dass das Schreckensszenario vom sterbenden deutschen Wald nicht nur die Grünen kurzfristig in den Bundestag und mittelfristig in Regierungsverantwortung führte, sondern auch erhebliche politische Anstrengungen in Sachen Umweltschutz und Emissionsreduktion auslöste. Tatsache ist ebenfalls, das bis heute die Experten streiten und letztlich kein Mensch sicher weiß, ob genau diese Maßnahmen zur Besserung führten oder es dem Wald gar nicht so schlecht ging, der saure Regen relativ harmlos war und man die ganze Geschichte heutzutage als Fake News bezeichnen würde.

90 Milliarden Bäume

Tatsache ist schließlich auch, um endlich zu den guten Nachrichten zu kommen, dass es dem deutschen Wald heute ziemlich gut geht und dass er vor allem in den letzten Jahrzehnten erheblich gewachsen ist. Heute gibt es in Deutschland 11,4 Millionen Hektar Wald, das ist ein Drittel der Fläche Deutschlands. Und das sind eine Million Hektar mehr als in den gruseligen 80er Jahren. Es sind übrigens auch 50.000 Hektar mehr als zu Beginn dieses Jahrtausends, das heißt der Wald wächst immer noch munter weiter. Auf diesen 11,4 Million Hektar wachsen 90 Milliarden Bäume, die meisten davon (natürlich) in Bayern, die meisten davon – na, wer will mal raten? – Fichten, gefolgt von Kiefern, Buchen und Eichen.

Woher man das weiß? Durch die Bundeswaldinventur, die alle paar Jahre durchgeführt wird. Und letztlich ist doch auch das eine gute Nachricht: dass sich Deutschland Beamte leistet, die regelmäßig eine „terrestrische Stichprobeninventur mit permanenten Probepunkten“ durchführen – oder auf gut Deutsch: Bäume zählen …

Ein Gedanke zu “Dem deutschen Wald geht’s gut

  1. „Erst stirbt der Wald, dann der Mensch“.
    Ja gut, Politiker versprechen viel, wenn der Tag lang ist. Danach ist die Menschheit aber wegen AIDS, BSE, Schweine- und Vogelgrippe, AKW, Ebola und nicht zuletzt CO2 ausgestorben!
    Ach ja, das böse CO2 – vielleicht auch ein Grund, dass es dem Wald so gut geht?

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