Biodynamischer Bullshit

Biodynamisch … Klingt gut! Irgendwie gesund. Naturbelassen. Aber auch kraftvoll. Zeit für eine kleine Begriffsklärung …

Das „Bio“ in Biodynamisch verweist auf die biologische oder ökologische Landwirtschaft und bedeutet in erster Linie den (weitgehenden) Verzicht auf synthetische Pflanzenschutzmittel und Dünger. Der Winzer beispielsweise, der biologischen Weinbau betreibt, setzt zur Bodenpflege auf organischen Dünger wie Kompost, er versucht, die Artenvielfalt im Weinberg einschließlich zahlreicher Nützlinge zu fördern statt einseitig mit Herbiziden Schädlinge zu bekämpfen.

Biologisch bewirtschaftete Weinberge sehen anders aus als konventionelle, sie sind ganzjährig begrünt und bieten mehr Artenvielfalt in Flora und Fauna. Sie machen natürlich auch mehr Arbeit durch intensivere Bodenpflege, daher sind Bio-Weine grundsätzlich teurer als konventionell angebaute. Ein Bio-Winzer im schönen Nordheim sagte mir mal: Tendenziell kostet Bio pro Flasche einen Euro mehr.

Investition in den Umweltschutz

Für diesen Euro bekommen wir vor allem einen schonenden Umgang mit der Umwelt, und das ist meiner Meinung nach eine gute Investition. Was wir nicht automatisch bekommen, ist besserer Wein. Die Qualität des Weins hängt von vielen Faktoren ab, von der Arbeit im Weinberg ebenso wie im Weinkeller, das hat aber nichts mit Bio zu tun. Es gibt großartigen und schrecklichen Bio-Wein so wie es großartigen und schrecklichen „normalen“ Wein gibt.

Übrigens greifen auch viele konventionelle Winzer zu biologischen Maßnahmen, verzichten auf synthetische Dünger und begrünen ihre Weinberge. Um sich „Bio“ nennen zu dürfen, müssten sie sich aber zertifizieren und kontrollieren lassen, was letztlich wieder ordentlich Geld kostet. Das ist auch der Grund, warum etwa manche nachhaltigen und fairen Kaffeeproduzenten die Bio-Zertifizierung kritisch sehen: Die Kosten für Kleinbauern-Kooperativen sind einfach zu hoch.

Aberglaube, Firlefanz und magisches Denken

Und wie wird aus Biologisch nun Biodynamisch? Ganz einfach: Durch Aberglaube, Firlefanz und magisches Denken. Man kann der Biodynamik-Lobby nur gratulieren, wie sie es geschafft hat, diesen Begriff als „irgendwie noch biologischer“ zu etablieren, ohne dass der Verbraucher ahnt, was für einen grandiosen Schwachsinn er mit seinem Geld unterstützt.

Wer in die Welt der biodynamischen Landwirtschaft eintaucht, wird ganz schnell mit Nebelkerzen bombardiert, dass es ihm schwindelig wird. Von „kosmischen Kräften“ ist da die Rede, von „ganzheitlicher Betrachtung“ von Harmonie und Organismus.

Befreit man sich von diesem biodynamischen Begriffs-Brei, wird schnell klar, dass sich die Biodynamiker im Wesentlichen auf eine ziemlich fragwürdige Persönlichkeit berufen: Was den Homöopathen ihr Samuel Hahnemann ist den Biodynamikern ihr Rudolf Steiner: Begründer der Anthroposophie, Esoteriker und – mit Verlaub – Dilettant und Dummschwurbler, was schon Kurt Tucholsky aufgefallen ist: „Rudolf Steiner, der Jesus Christus des kleinen Mannes, ist in Paris gewesen und hat einen Vortrag gehalten. (…) Wenns mulmig wurde, rettete sich Steiner in diese unendlichen Kopula, über die schon Schopenhauer so wettern konnte: das Fühlen, das Denken, das Wollen – das ‚Seelisch-Geistige‘, das Sein. Je größer der Begriff, desto kleiner bekanntlich sein Inhalt – und er hantierte mit Riesenbegriffen.“

Kosmischer Kuhhorn-Kokolores

Eines der Lieblingspräparate der Biodynamiker stammt dann auch direkt aus der Glaubenswelt Rudolf Steiners: der Hornkiesel. Um irgendwie irgendwelche „kosmischen Kräfte“ im Weinberg zu aktivieren, wird pulverisierter Quarz in ein hohles Kuhhorn gefüllt, ein halbes Jahr vergraben, dann wieder ausgegraben, rhythmisch mit Wasser verrührt (schon wieder eine Gemeinsamkeit mit Homöopathen) und im Weinberg versprüht.

Selbes Kuhhorn kann man übrigens auch mit Kuhmist füllen, weshalb meine Headline vom Biodynamischen Bullshit durchaus wörtlich zu nehmen ist. Das restliche Verfahren bleibt gleich, das Ergebnis natürlich auch. Mit dem Wein passiert – gar nichts. Kein Wunder, keine magische Verwandlung, keine kosmische Aufwertung, keinerlei Evidenz für irgendwas. Wie bei der Homöopathie ist das ganze Verfahren derart grotesk, dass man schier Schnappatmung bekommt, eine einzige Zumutung für Menschen mit Verstand, ein Tritt in den Hintern der Aufklärung, ein ausgestreckter Stinkefinger für die Wissenschaft.

Auch für biodynamischen Wein gilt natürlich: Er kann sehr gut sein. Dem Wein ist es vollkommen schnuppe, ob man ein Kuhhorn, einen Pferdehuf oder die Knochen eines aztekischen Kriegers unter ihm vergräbt. Wer biodynamischen Wein kauft, unterstützt aber voraufklärerischen Aberglaube und leistet einen kleinen, aber wesentlichen Beitrag zur Verdummung der Gesellschaft.

Und das wollen wir doch nicht …

PS: Selbstverständlich ist biodynamisch dank Kuhhorn nicht vegan.

21 Gedanken zu “Biodynamischer Bullshit

  1. Hi Christian,

    großteils bin ich Deiner Meinung.

    Allerdings geht aus meiner Erfahrung etwa die Demeter Zertifizierung noch einen Schritt weiter, was den Verzicht auf Chemie und technische Mittel bei der Produktion angeht. Das macht zum Beispiel Weine oder auch Milch aus dieser Herstellung für mich zur bevorzugten Qualität.

    Es gibt auch einige sehr erfolgreiche Winzer die der Biodynamie verfallen sind, zum Beispiel Alois Lageder. Wenn man die konventionellen Weine aus dem Weingut mit den biodynamischen vergleicht findet man schon in letzteren mehr Charakter und Tiefgang, allerdings auch mit stärkeren Schwankungen was die Jahrgangsunterschiede angeht.

    Ich bin nicht esoterisch, halte es aber für möglich, dass wir die komplexen Abläufe in der Natur bislang nicht vollständig verstanden haben.

    Cheers,
    Robert

    Gefällt 1 Person

  2. Ich kann Rudolf Steiner und diesen ganzen esoterischen Antroposophenquatsch auch nicht leiden.
    Aber: Du solltest in deiner Kritik doch etwas differenzierter sein.

    Was dieser Steiner vor 100 Jahren so geschwurbelt hat und was heute unter biodynamisch verstanden wird, hat recht wenig miteinander gemein.

    Ich weiß es aus der Imkerei. Die Richtlinien für Demeter-Imker sind einfach noch einen Ticken strenger als die Bio-Richtlinien. Und was da gefordert wird, beruht zu einem guten Teil sehr wohl auf (ganz modernen) evidenzbasierten wissenschaftlichen Erkenntnissen (etwa Vermehrung aus dem Schwarmtrieb heraus oder Naturwabenbau). Und zu einem guten Teil auf ethischen Prinzipien.
    (Etwa, dass den Königinnen die Flügel nicht gestutzt werden dürfen …)
    Bei einigen Vorgaben kann man den Sinn oder die Wirksamkeit anzweifeln (etwa die Zugabe von Kamillentee und Salz zum Futterzuckerwasser, als aromtischer und mineralischer Ausgleich).
    Aber insgesamt kann man schon schließen, dass wegen dieser (ganz vernünftigen) Richtlinien der Demeter-Honig mit einiger Wahrscheinlichkeit doch einen Ticken besser ist als der Bio-Honig.
    http://bit.ly/2tB02RE

    Ich vermute, dass es in der Landwirtschaft nicht anders ist. Mit Scheiße gefüllte Kuhhörner vergräbt doch wohl kein Demeter-Bauer, der einigermaßen bei Verstand ist.

    Gefällt mir

  3. Ich möchte dem Robert zustimmen.
    Natürlich machen vergrabene Kuhhörner keine besseren Weine.

    Aber Demeterbauern machen in jedem Fall die umweltschonenderen Produkte. Weil sie deutlich strengere Richtlinien haben. Und sie sind vorne mit dabei bei artgerechter und nachhaltiger Tierhaltung.

    Und das es da noch Kühe gibt, die überhaupt noch Hörner haben, die man vergraben kann, machen sowohl die Kühe als auch mich ein bisschen glücklicher.

    Gefällt 1 Person

      • Es geht nicht um Magie! Es geht darum, die Wirkung des Mondes einzubeziehen. Und das der Mond eine Wirkung auf die Erde und Lebewesen hat, ist wohl unbestritten (Ebbe/Flut, Schlafwandeln oder schlechter Schlafen bei Vollmond…).
        Über die Herstellung der Präparate kann man sicherlich streiten – Aber gerade in der aktuellen Diskussion um die Nitratbelastung des Trinkwassers ist es wohl besser, den Mist erst in Hörner zustopfen und verrotten zu lassen, als ihn noch warm und dampfend aufs Feld zu schmeißen…

        Gefällt mir

      • Ja klar, was in einem BLOG steht, der „science“ im Namen trägt, das MUSS natürlich richtig sein. 😆 Kommt jetzt gleich noch ein Link zu Wikipedia? 😂 Weiter unten hat jemand das Thema erläutert – undifferenzierte Leichtgläubigkeit, wenn Menschen in weißen Kitteln behaupten, dass etwas „wissenschaftlich erwiesen“ sei… ist genauso falsch oder richtig wie der Aberglaube.

        Gefällt mir

      • Ja, stimmt, du hast Recht. Wissenschaft, Aberglaube – alles dasselbe. Träum schön weiter vom Mann im Mond und mehr Dingen zwischen Himmel und Erde … du weißt schon. Nächstes Mal diskutieren wir zwei über Erkenntnistheorie, aber hey, heute hab ich schon was anderes vor.

        Gefällt mir

      • Nein, diskutieren macht mit Dir auch wirklich keinen Spaß, da Du auf keinen Punkt eingehst, sondern nur auf ironische Weise versuchst, Dich und Deine Meinung über alles zu stellen.
        Vielen Dank, ich wünsch Dir auch schöne Träume und irgendwann kommt vielleicht auch bei Dir das Erwachen 😉 ich drück Dir ganz fest die Daumen!

        Gefällt mir

      • Ach so und noch was – Du liest nicht richtig, was ich schreibe. Ich habe nirgends behauptet, das Wissenschaft und Aberglaube das Gleiche sind. Sondern, dass der nicht-hinterfragende Glaube daran bei beiden falsch ist. Du liest das, was ich schreibe nicht richtig – oder verstehst es (absichtlich?) falsch – sondern versuchst nur, mich als dumm und naiv hinzustellen. Ich glaube einfach nicht alles, was ein „Wissenschaftler“ sagt, ohne die Hintergründe seiner Schlussfolgerungen zu kennen. „Delete bad data point“ – Jeder, der wissenschaftlich Arbeitet, weiss genau, was das bedeutet. Es gibt so viele Studien, die genau das beweisen, was bewiesen werden sollte – es ist immer interessant zu sehen, von wem Studien finanziert wurden.
        Genauso wenig glaube ich aber an den „Mann in Mond“ oder an alles, was die Biodynamiker propagieren. Ich habe Dich lediglich darauf hingewiesen, dass es nicht um Magie, sonder um den Mond geht – da Du keine Ahnung hattest. Allein diese sachliche Richtigstellung macht mich zum Hassobjekt, weil Du mich in die esoterische Ecke stellst, in der ich wirklich nicht bin. 😂
        Mehrere Kommentare hier verweisen auf die guten Seiten, die die Biodynamik mit sich bringt (keine Genmanipulation, keine Belastung des Trinkwassers, keine Tierquälerei,…) – das kannst Du aber überhaupt nicht zu lassen. Was ist denn daran falsch? Wem wird damit geschadet, wenn ein Landwirt beschließt, die Hörner zu vergraben? Bist Du gezwungen, deren Produkte zu kaufen? Warum hast Du so einen Hass darauf? Du bist total festgefahren, dass das ALLES Unsinn ist, dass Du nur schwarz und weiß denken kannst. Aber es gibt auch grau. Und deshalb lohnt es sich wirklich nicht, sachlich zu diskutieren. Denn Du bist nur interessiert, mich persönlich herabzusetzen. Schade.

        Gefällt mir

      • Ich habe keinerlei Interesse daran, dich persönlich herabzusetzen, zumal ich dich persönlich gar nicht kenne. Aber schau dir einfach nochmal die beiden Kommentare an, mit denen du dich hier vorgestellt hast. Erst behauptest du evidenzfrei, dass der Mond selbstverständlich eine Wirkung auf alles Mögliche habe, weil er ja auch Ebbe und Flut beeinflusst. Und mit den Argumenten gegen diese Behauptung, die ich dir per Link geliefert habe, setzt du dich inhaltlich überhaupt nicht auseinander, sondern ziehst den Link ins Lächerliche und unterstellst mir Leichtgläubigkeit. Also: Wie man in den Wald ruft … Wenn du ernsthaft diskutieren willst – gerne. Du könntest mal damit beginnen zu belegen, wie genau der Mond worauf wirkt. Aber bitte jenseits von subjektivem Empfinden und individueller Erfahrung.

        Gefällt mir

  4. Ich war mal auf einem Demeterhof. (Dottenfelder Hof) Dort haben sie behauptet, durch die Hörner hätten die Kühe einen.besseren Geschmackssinn und könnten sich dadurch die Kräuter und Gräser nach ihrem Bedarf zusammenstellen.
    Die enthornte Kuh kann das wohl nicht.
    Hmmm. Also bleibt das Horn an der Kuh oder wird es doch vergraben? Oder kann man nur die toten Kühe enthornen?

    Gibt es irgendwelche Belege, dass dynamisch “ strenger“, „besser“ ist?
    Naja strenger offenbar, wenn seltsame esoterische Regeln eingehalten werden müssen…..
    Aber sind sie mehr „Bio“ als „Bio“?

    Haben Demeterweinbauern auch Kaliumphosphonat als „Stärkungsmittel“ verwendet? Oder Globuli von verschütteltem Mehltau?

    Gefällt mir

    • Man sollte „bio“ und „biodynamisch“ nicht so ohne weiteres für natürlicher oder „chemiefreier“ als konventionelle Landwirtschaft halten. In der Biolandwirtschaft wird Kupfer gegen Pilzbefall verwendet (erlaubt ist doppelt soviel wie in der konventionellen Landwirtschaft). Kupfer ist giftig, reichert sich im Boden an und kann dort erhebliche Probleme verursachen, etwa wenn Flächen später als Weide gebraucht werden oder wenn Raps oder Zucker angebaut werden soll. Überkupferung ist nicht harmlos.

      Anders als Interessierte das gern darstellen ist auch bei „bio“ und „biodynamisch“ nicht alles sanft und sonnig.

      Gefällt mir

  5. Ich möchte nur noch einmal zu bedenken geben, dass es auch nicht viel aufgekärter ist, in bequemen Vorurteilen zu schwelgen, als irgendwelche „magischen“ Kompostrituale mit vergrabenen Kuhhörnern zu vollziehen.

    Man muss ja nur die Richtlinien von Demeter studieren, um zu merken, dass sie tatsächlich strenger sind als die der Bioverbände, aber deshalb nicht unbedingt unsinniger oder magischer oder unwissenschaftlicher.
    Biodynamisch ist also und folglich nicht einfach nur die magische Deckelung von Bio. So gern man das hätte, wenn man Esoteriker und Anthroposophen nicht mag!
    Interessant ist ja auch, dass die von den Biodynamikern aus der Intuition für gutes Handeln entwickelten Regeln plötzlich von der modernen Wissenschaft als naturgemäß und sinnvoll untermauert werden. (Ich kann das am Beispiel der Imkerei, wo ich mich gut auskenne, gerne belegen.)

    Die Kompostbeschleunigung und -aufwertung mit Brennesselsud, Kräutersud, Kuhhornraspel, Mist usw. ist übrigens keine allzu magische Angelegenheit und eine weit verbreitete gut funktionierende biologische Methode.

    Bio ist auch nicht gleich Bio. Jeder Verband hat eigene Regeln: Bioland leicht andere als Biokreis, und beide sind strenger als das EU-Bio-Label.

    In der Bio-Imkerei ist das Bio-Siegel eigentlich kein Garant für gar nichts. Das Wachs kann genauso mit Antibiotika oder Pestiziden verseucht sein, und der Honig kann aus gespritzten Rapsfeldern stammen; schließlich kann man auch Bio-Bienen nicht vorschreiben, wohin sie fliegen sollen und woher sie ihren Nektar holen. Auch nicht, wenn man sie etwas weiter entfernt stellt.

    Bei Demeter-Honig kann man ziemlich sicher sein, dass das Wachs sehr sauber ist (Naturbau), der Honig keine Kunststoffpartikel oder -absonderungen enthält, und dass die Enzyme im Honig noch alle am Leben sind. Insgesamt sind Demeter-Bienen bestimmt gesünder, da es im Bienenstock einfach hygienischer vorgeht. Denselben Grad von Sicherheit hat man bei Bio-Honig nicht.

    Wie es in der übrigen Landwirtschaft aussieht müsste man prüfen, da kenne ich mich nicht so gut aus. Aber ich vermute, dass die Sachlage ganz ähnlich ist.

    —–

    Abseits von esoterischem Geschwurbel: Von einem aufgeklärten vernunftbegabten Menschen erwarte ich, dass er in der Lage ist zu beurteilen, ab welchem Grad des Wissens Magie und Wissenschaft sich begegnen, und wann Magie für den Menschen gut oder besser oder wirklicher ist als jede Wissenschaft (man unterhalte sich nur einmal mit einem Physiker über kleinste Teilchen oder Schwarze Löcher …). Differenziert betrachtet ist kein Mensch so abgeklärt, dass er ohne Magie leben könnte. Differenziert betrachtet ist kein Mensch so aufgeklärt, dass er ohne Aberglauben oder Vorurteile leben würde.
    Wissenschaftsgläubigkeit ist genauso Bullshit wie jeder andere Aberglaube; denn wenn ihre Grenzen erreicht sind, bleiben uns die Wissenschaften ebenso Antworten schuldig wie jeder andere (Aber-)Glauben auch …

    Gefällt 1 Person

    • Wissenschaftsgläubigkeit ist genauso Bullshit wie jeder andere Aberglaube;

      Wie kann Wissenschaftsgläubigkeit denn Aberglaube sein? Aberglaube ist der „Glaube an die Wirksamkeit übernatürlicher Kräfte in bestimmten Menschen und Dingen“ (Wikipedia). Wer sich an „die Wissenschaft“ hält, glaubt ja eben nicht an übernatürliche Dinge sondern beschränkt sich auf die per definitionem überprüfbaren und wiederholbaren Ergebnisse wissenschaftlicher Arbeit.

      Natürlich weiß auch die Wissenschaft nicht alles und hat ihre Grenzen. Und auch wenn diese Grenzen durch verbesserte Methoden und weiterentwickelte Technik verschoben werden, bleibt bisher immer ein Rest. Aber über diesen Rest macht die Wissenschaft doch gar keine nicht überprüfbaren Aussagen. Wo ist da also der Aberglaube?

      Man kann manchen Leuten allenfalls ein zu naives Vertrauen in die Fähigkeiten der Wissenschaft vorwerfen, alles herauszufinden und alle Probleme zu lösen, wie es z.B. in der Technikbegeisterung vergangener Jahrzehnte witzige Blüten trieb. (Dass man Einstein vom Physikstudium abriet, weil man die Physik für im wesentlichen zuendegeforscht und abgeschlossen hielt; dass man glaubte, den Krebs innerhalb von ein paar Jahrzehnten besiegen zu können usw.). Aber Aberglaube ist das immer noch nicht.

      Gefällt 1 Person

    • @JensFrei Du beziehst dich stark auf Demeter, scheint mir, die ich in meinem Beitrag gar nicht erwähnt habe. Schau doch einfach mal ein bisschen nach links und rechts, zum Beispiel zu den Freunden von Lebendige Erde, da bekommst du das ganze Spektrum biodynamischen Wahnsinns zum Nachlesen. Die These, dass Biodynamik bei Demeter das bessere Bio ist, mag bei Demeter vielleicht (teilweise) stimmen, für die Biodynamik als Ganzes stimmt es sicher nicht. Die ist tief verwurzelt in magischem und irrationalem Denken.

      Apropos magisches Denken: Deine Ausführungen zu Magie und Wissenschaft teile ich definitiv nicht und die Physiker, mit denen ich mich unterhalte, finden auch Schwarze Löcher und Quantenphysik wenig magisch. „Wissenschaftsgläubigkeit“ (was auch immer das sein soll) mit Aberglaube gleichzusetzen, halte ich für gewagt. Dass Wissenschaft Antworten schuldig bleibt, ist jedenfalls kein Defizit und schon gar kein Beleg für eine Welt, die sich wissenschaftlicher Erkenntnis entzieht.

      Gefällt mir

  6. Es liegt mir fern, Aberglauben mit Wissenschaftlichkeit gleichzusetzen. Das könnte ich schon deshalb nicht, weil Aberglauben aus der Wissenschaftlichkeit heraus definiert wird; er ist ihr Gegenpol.
    Wissenschaftsgläubigkeit setze ich aber durchaus mit Aberglauben gleich. Denn diese beruht lediglich auf einer Wertung und einer rein positivistischen Weltanschauung; die nicht nur durch die moderne Physik und die Neurowissenschaften widerlegt ist.

    Wissenschaftsgläubigkeit ist ein Vorurteil, das besagt, das grundsätzlich alle wissenschaftlichen Aussagen für den Menschen besser sind als alle anderen Aussagen. Also eine Wertung, an der alles gemessen wird. Und meiner Meinung nach eine Wertung, die genauso falsch ist, wie jene, die besagt alles Magische, Intuitive, Irrationale sei wichtig, richtig und gut.

    Worauf ich hinaus will ist, dass ein großer Teil dessen, was wir als wissenschaftlich betrachten, nicht dadurch seine Grenzen erreicht, dass es eben nicht alles weiß, sondern, dass es beliebig oder relativ ist. Genauso beliebig wie Scharlatanerie. Und viele wissenschaftlichen Erkenntnisse sind genau deshalb schädlich, weil sie begrenzt sind, also nur einen Teil der Wirklichkeit behandeln und einen großen Teil einfach außer Acht lassen: Auch Möglichkeiten, die sich aus dem faktischen Unwissen ergeben könnten. Wissenschaftlichkeit ist zu großen Teilen beschränkt. Sehr beschränkt (und eben relativ). Genauso wie Aberglauben beschränkt ist. Wissenschaftlichkeit beruht zu großen Teilen auf Zeitgeist, der sich mit der Zeit überholt und selbst widerlegt. Wissenschaftlichkeit ist nicht weniger ideologisch als andere Ansichten. Wer Wissenschaftlichkeit eine zu große Bedeutung zuspricht, also wissenschaftsgläubig ist, sitzt ebenso einem Aberglauben auf wie wenn er einem beliebigen anderen Aberglauben aufsitzt.
    Häufig ist eben nicht die Wissenschaftlichkeit das kleinere Übel.

    Ich selbst tendiere auch stark zur Wissenschaftlichkeit, und ziehe sie wohl in 99 Prozent der Fälle vor und ertrage auch gerne ihre Ungenauigkeit, wenn ich die Wahl habe. Aber ich bin mir bewusst, dass dieses Tendieren eine ziemlich irrationale Entscheidung ist; sie lässt sich allenfalls mit (recht unwissenschaftlichen) Erfahrungswerten und vielleicht anhand statistischer Zahlen stützen. Im Grunde ist es nur eine Suche nach Sicherheit, wo es keine wirkliche Sicherheit gibt. Wer glaubt mit Wissenschaft auf der sicheren Seite zu stehen, wird arrogant gegenüber allem, was zurzeit als unwissenschaftlich betrachtet wird.

    ——

    Wenn du sagst, dass du dich bei „biodynamisch“ nicht auf Demeter beziehst, sondern auf irgendwelche anderen …, ist das fast so als würde sich der Bundespräsident höllisch darüber aufregen, dass die Mädchen des Kindergartens in Gevelsberg sich so heftig darüber streiten, ob die Barbies in der Puppenecke lila oder rosa Kleidchen tragen sollen.

    Gefällt 1 Person

Und jetzt sag deine Meinung:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s