Die letzten fünf Filme: Krieg, Kampf, Kindheit, Katanas

Zuletzt im Kino und auf dem Bildschirm: ein sehenswerter Weltkriegsfilm von Christopher Nolan, Neues und Altes von Stephen King, eine Rachegeschichte und mehr …

Dünkirchen (Kino)

Christopher Nolan zeigt, wie man heutzutage einen (Anti-)Kriegsfilm drehen muss, am Beispiel der Evakuierung und Rettung von über 300.000 alliierten Soldaten am Strand von Dünkirchen im Jahr 1940. Beim Nachdenken über das Gesehene fiel mir kurioserweise Pearl Harbor ein, diese schauerlich kitschige Michael Bay- und Jerry Bruckheimer-Produktion aus dem Jahr 2001. Der Vergleich ist insofern berechtigt, als in beiden Filmen die Bombardierung von Schiffen aus der Luft im 2. Weltkrieg thematisiert und gezeigt wird. Doch während Bay/Bruckheimer die dramatischen historischen Ereignisse in eine maximal konventionelle Stroyline mit Helden und Bösewichten, schönen Frauen, Liebe und Schmerz pressen, verzichtet Nolan komplett auf alles, was als Handlungskonstrukt wahrgenommen werden könnte. Statt dessen ist man ab der ersten Filmsekunde Teil der Geschehnisse, begleitet verschiedene Protagonisten durch die Straßen Dünkirchens, das Chaos am Strand, die trügerische Sicherheit an Bord eines Schiffes, den Luftkampf mit deutschen Bombern. Allgegenwärtig dabei: das Gefühl des Ausgeliefertseins beim Versuch, irgendwie Bombardement und Beschuss zu überleben. Denn nur der Zufall entscheidet, ob man erschossen, in die Luft gejagt oder von einem untergehenden Schiff in die Tiefe gezogen wird – oder mit einem der Boote das rettende britische Ufer erreicht. Bemerkenswert: kein einziger deutscher Soldat ist im Film zu sehen; und er ist viel weniger blutig als etwa Der Soldat James Ryan mit seiner extrem brutalen Anfangssequenz. Nach rund 100 Minuten ist man gleichzeitig froh, das Kino und den Kriegsschauplatz wieder verlassen zu dürfen – und diesen Film gesehen zu haben.

Der dunkle Turm (Kino)

Während ich buchstäblich in Dünkirchen war, hat der Rest der Familie nebenan Der Dunkle Turm, die Verfilmung von Stephen Kings achtbändigem Opus magnum, gesehen und Folgendes über den Film berichtet (und zwar ohne die Bücher gelesen zu haben): eine spannende, aber auch etwas konventionelle Konstellation: Kampf Gut gegen Böse, Junge hilft Revolvermann, fiese Monster und Dämonen, das Gute gewinnt. Kenner der Bücher dürften angesichts dieser Komplexitätsreduktion enttäuscht sein, aber wenn man die Bücher nicht kennt, ist das kurzweilige Unterhaltung, wenngleich man großzügig über ein paar Löcher in der Story hinwegsehen muss. Das Ende kommt etwas plötzlich und schnell um die Ecke, da hätte man eine bessere Dramaturgie hinbekommen können; und vieles deutet auf eine Fortsetzung hin.

Stand by me – Das Geheimnis eines Sommers (DVD)

Was Stephen King wirklich gut kann – neben krass unheimlichem Horror -, ist Coming of age-Geschichten erzählen, in die er immer Erlebnisse aus der eigenen Kindheit einfließen lässt. Im Idealfall kombiniert er beides wie in Es. In diesem Film, der auf einer seiner Kurzgeschichten basiert, fehlt aber jeder plakative Horror, es geht um Kindheit, Freundschaft, familiäre Prägung und ein besonderes Erlebnis. Ich kenne kaum einen anderen Film, der die besondere Bedeutung, aber auch die Flüchtigkeit von Freundschaft so schön und anrührend thematisiert, ohne dabei in Kitsch abzudriften. Dazu ist der Film stellenweise wahnsinnig komisch, er bietet ein ganzes Arsenal an talentierten Jung-Schauspielern, aus denen was geworden ist (Kiefer Sutherland, John Cusack) oder aus denen drogenbedingt leider nichts geworden ist (River Phoenix). Und dann dieses großartige 50er Jahre Setting! Und überhaupt dieser phantastische Titelsong!

Kill Bill (1 und 2) (DVD)

Einer (beziehungsweise zwei) meiner Lieblingsfilme von Quentin Tarantino, perfekt durchinszeniert und -stilisiert. Ein phantastisches Eastern-Western-Mashup in Bild und Ton, teils sehr witzig, teils maximal blutig, wie sich das für eine ordentliche Rachegeschichte gehört. Meine Lieblingszene: der quasi heilige Akt der Übergabe des Schwerts an die Braut, überreicht von Hattori Hanzo persönlich, obwohl er doch geschworen hatte, nie wieder so ein Mordwerkzeug herzustellen.

Ganz oder gar nicht (DVD)

Ein wirklich witziger Film aus dem Jahr 1997, weil die Versuche der Protagonisten aus der englischen Arbeiterklasse, über eine ordentliche Striptease-Performance zu Geld zu kommen, schon sehr komisch sind. Aber auch ein trauriger und rührender Film, weil er zeigt, was der Untergang einer Industrie (hier: der Stahlindustrie in Sheffield) mit den Menschen und Familien macht, die einst von dieser Industrie gelebt haben und nun durch den Niedergang ihre Existenz bedroht sehen. Scheint lange her zu sein, wenn man die leeren und runtergekommenen Fabrikhallen Sheffields im Film sieht, aber ein-, zweimal musste ich an die derzeit stattfindende digitale Transformation denken, die sicher auch nicht nur Gewinner kennen wird. Wie auch immer, der Film schafft es, Sozialkritik mit Witz zu verbinden und seinen skurrilen Figuren trotz ihres absurden Plans mit Respekt zu begegnen – da macht das Zuschauen Spaß. Übrigens: Wem Mark Addy, der eine der Hauptfiguren spielt, bekannt vorkommt – er hat 15 Jahre später ganz wunderbar König Robert Baratheon in Game of Thrones verkörpert.

Hier gibt’s noch mehr Film- und Serienkritiken.

Bildnachweis: Der dunkle Turm – © 2017 Sony Pictures Releasing GmbH

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