Zitat am Freitag: Bier im Paradies

Leser dieses Blogs kennen mein Mantra, dass wir hier in Franken im Paradies wohnen. Das ist jetzt auch der brand eins aufgefallen …

Jedenfalls hat sie in ihrem Bericht über zwei Bierbrauer in Wattendorf (nahe Bamberg) einen Aspekt aufgegriffen, der wesentlicher Bestandteil jener paradiesischen Zustände ist: die Tatsache, dass es hier in Sachen Bier anders zugeht als im Rest der Republik. Erstens quantitativ, da es in Franken die höchste Brauereidichte der Welt gibt:

Zwei Brauereien an einem Standort – in Franken ist das nicht ungewöhnlich. Während der Bierkonsum deutschlandweit seit den Achtzigerjahren abnimmt, gibt es im nördlichen Teil Bayerns knapp 300 Brauereien. (…) Rund 1000 verschiedene Biersorten gibt es in der Region. Die meisten Betriebe sind klein und werden seit Generationen von einer Familie geführt. Typisch ist die Kombination mit einer Gaststätte: Die Brauerei stellt her, was sie in der eigenen Wirtschaft ausschenkt.

Zweitens qualitativ. Denn Industrie-Bier gibt es hier kaum, wenn wir mal von der schrecklichen Tucher-Plörre absehen, die schon lange kein fränkisches Bier mehr ist, sondern ein globales Produkt, gefertigt von einem Unternehmen der Radeberger-Gruppe, die wiederum Teil des Oetker-Konzerns ist. Die typische (ober)fränkische Brauerei ist hingegen ein Kleinstbetrieb:

Dremel und Hübner sind Ein-Mann-Unternehmer, die in viel Handarbeit kleine Mengen produzieren – anderswo nennt man das Craft Beer Brewery. Beide beziehen ihre Rohstoffe aus der Region. Es gibt jeweils drei Standardsorten, dazu Saisonales wie Bock- und Schwarzbier; und auch in dem, was Dremel und Hübner in ihren Gastwirtschaften auftischen, ähneln sie einander: deftige regionale Gerichte und üppige Brotzeiten. Schinken und Wurst stellen Hübners Vater und Dremel selbst her.

Drittens bezahlbar. Anekdote am Rande: Ich war kürzlich in Hamburg, wo in einer Brauereiwirtschaft ein drittel Liter Craft Beer für sage und schreibe 8,50 Euro ausgeschenkt wurde. Es war nicht schlecht, aber es war ein Bier, und vermutlich hat nicht unbedingt die unglaubliche Liebe und das einzigartige handwerkliche Geschick des Braumeisters zu diesem Preis geführt. Hier im Paradies sind solche Preise jedenfalls undenkbar:

Bei den Preisen liegen die Wattendorfer Brauereien auf einer Linie. Das Seidla, der in Franken übliche Halbliterkrug, kostet bei beiden im Ausschank 2,20 Euro, deutlich billiger als etwa im nahe gelegenen Bamberg.

Und so kommt eins zum anderen:

Die Gasthauskultur in Franken ist stark, die Einheimischen gehen gern essen und trinken dazu ihre Seidla – der halbe Liter Bier –, egal ob am Mittag oder am frühen Abend. „Bei uns ist Bier kein Genussmittel“, erklärt der Historiker Günter Dippold, Heimatpfleger bei der Bezirksregierung von Oberfranken. „Bier ist ein Lebensmittel, Bier ist Teil der Esskultur.“ Eine fränkische Gemeinde ohne eigene Brauerei, sagt Dippold, „das wäre wie ein Dorf ohne Kirche“.

Tja, ich geh dann mal ein Bier trinken. Vielleicht auf dem Fünf-Seidla-Steig. Oder bei Aufseß. Oder anderswo im Paradies …

Schönes Wochenende!

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