Ach, und übrigens … (46): kunterbunter Themenmix

Eine wirklich bunte Mischung in den Fundstücken: von rechter und linker Sprachlosigkeit, Bahn-Stillstand im Sturm, (zu) billigem Wein, E-Books und Corporate Blogs …

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Ich habe ja schon mehrfach hier im Blog geschrieben, dass ich von der Dämonisierung der Rechten („Nazis!“) und der Weigerung, sich inhaltlich mit ihnen auseinanderzusetzen, nichts halte. Per Leo, Max Steinbeis und Daniel-Pascal Zorn sehen das genauso und haben sogar ein Buch dazu geschrieben: „Mit Rechten reden“, heißt es passenderweise. Im lesenswerten Interview erklären sie ihre Haltung:

Der Diskurs, die Rechte bloß nicht salonfähig zu machen, sie außen vor zu halten, hat ja offenbar nicht gefruchtet. Unter anderem, weil er als Schlacht zwischen Mordor und Auenland inszeniert wurde.

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Und wie bestellt, um den ganzen Wahnsinn einmal in nuce besichtigen zu können, gab es auf der Frankfurter Buchmesse einen Riesen-Skandal einen Sturm im Wasserglas, der all die Reflexe von linken und rechten Provokateuren inklusive hysterischer Verlängerung über die sozialen Medien vorführt. Was als „Nazis verprügeln Bürger auf Buchmesse und Polizei schaut zu“ begann und mit maximaler Empörung in der Filterblase geteilt wurde, entpuppt sich als Fake News oder zumindest als Sachverhalt, den man etwas genauer betrachten sollte, was Carsten Drees getan hat. Und dann hat er gleich noch mit aufgeschrieben, wie sinnlos und wenig hilfreich es ist, wenn Rechte und Linke sich niederbrüllen, weil jeder glaubt, zum Auenland zu gehören und dass der Gegner aus Mordor halt nur Gebrüll versteht:

Ebenfalls auf der Verliererseite stehen für mich die übergriffigen Teile der linken Demonstranten. Wir haben ein Füllhorn an Argumenten, mit denen wir den Rechten erklären können, wieso sie falsch liegen, wieso wir eine globale, offene Welt haben und brauchen und wieso es niemals richtig sein kann, sich aufgrund von Geburtsort, Religion, Hautfarbe oder Staatszugehörigkeit über irgendeinen anderen Menschen erhaben zu fühlen. Wenn unser Kampf gegen Rechts dann aber nur noch beinhaltet, dass wir ihre Messestände verwüsten und sie bei Vorträgen nieder brüllen, dann sehe ich ehrlich gesagt schwarz.

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Themenwechsel: Als Sturm Xavier den Norden der Republik lahm gelegt hat, saß Michael Bittner im Zug zwischen Berlin und Dresden fest. Und siehe da: Man kann auf Reisen einiges lernen, auch wenn man sich stundenlang nicht fortbewegt – über Mitreisende, die Alkoholversorgung in tschechischen Speisewagen und natürlich die Deutsche Bahn. Sein liebevoll-verzweifelter Bericht ist unbedingt lesenswert:

Ich warte die ganze Zeit vergeblich auf die eigentlich obligatorische Lautsprecherdurchsage: „Liebe Fahrgäste, unsere Verspätung beträgt zurzeit leider 420 Minuten. Wir bitten um ihr Verständnis.“ Meiner Ansicht nach an allem schuld: die Kiefer! Diese Niete unter den Bäumen, dieser Flachwurzler, den das kleinste Lüftchen umweht! Danke, Realsozialismus, dass du den ganzen Osten vollgepflanzt hast mit diesem zu groß geratenen Unkraut!

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Nochmal was ganz anderes: Die Deutschen mögen Wein aus Südafrika, 15 Prozent aller Weinexporte gehen in die Bundesrepublik. Leider mögen die Deutschen auch möglichst billigen Wein und zahlen am liebsten irgendwas um die 2,50 Euro pro Flasche. Oberhalb von 5 Euro pro Flasche wird es richtig dünn: Nur 14 Prozent der deutschen Weintrinker geben mehr aus. (Ich bin weiß Gott kein Fan von überteuertem Wein, aber weniger als 5 Euro gebe ich wirklich selten für eine Flasche aus – und wenn, dann ausschließlich bei einem Winzer ab Hof.) Was man sich bei 2,50 Euro pro Flasche jedenfalls ungefähr vorstellen kann, hat die Hilfsorganisation Oxfam jetzt recherchiert: Der niedrige Preis geht zu Lasten der Arbeiter vor Ort:

Oxfam zufolge lieferte Südafrika 2003 noch den Großteil seines Weins in Flaschen hierher, heute liegt die Tankwein-Quote [Tankwein heißt, dass Wein verschiedener Farmen in großen Stahltanks exportiert und erst später gemischt und in Flaschen gefüllt wird] bei etwa 80 Prozent. Nachteil für die Produzenten: Sie werden zu Rohstofflieferanten, die nur Trauben abgeben. Eigene Marken können sie kaum aufbauen. Sie werden austauschbar, weil Großabnehmer ihre Lieferanten schnell wechseln können. Was diese Machtverschiebung in der Wertschöpfungskette finanziell bedeutet, rechnet Oxfam vor: Demzufolge erhält ein Farmer umgerechnet 14 Cent pro Kilo Trauben für billigen Tankwein. Bei einem teureren Flaschenwein mittlerer Qualität erhält er immerhin 38 Cent. Die Folge dieser Praxis: Nur noch 15 Prozent der südafrikanischen Weinfarmen arbeiten laut Oxfam wirklich profitabel, jede zweite kommt gerade eben auf eine schwarze Null. Viele Winzer steigen um auf andere Obstsorten oder geben den Kostendruck weiter an ihre Feldarbeiter.

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And now for something completely different: Der E-Book-Markt wächst nicht, sondern stagniert seit drei Jahren, schreibt Claudia Klinger und kann das auch persönlich nachvollziehen:

Selber bin ich immer schon eher IT- und Netz-affin, also hab‘ ich anfänglich gedacht, das E-Book würde ein Renner, auch bei mir. Ist aber nicht so gekommen, ganz im Gegenteil sind mir heute die Vorteile gedruckter Bücher bewusster denn je.

Tatsächlich ist es bei mir genau umgekehrt: Mit jedem Tag, den ich Bücher als E-Books lese, kann ich mir weniger vorstellen, zur Papierversion zurückzukehren. Neulich habe ich es mal wieder versucht und Stephen King’s Es aus dem Regal gezogen. Ich habe das erste Kapitel gelesen, gemerkt, dass das auch nach 20 Jahren noch ein grandioses Buch ist, beschlossen, dass ich es jetzt nochmal lesen will – und es mir als E-Book auf meinen Reader geladen, während das Papier-Buch wieder im Regal gelandet ist. Denn, Leute, das Buch hat 1.200 Seiten und wiegt gefühlt zehn Kilo. Ich lese das mal im Wohnzimmer, mal auf der Terrasse, mal im Bett, mal im Flugzeug, mal in der Bahn, mal im Wartezimmer beim Arzt … Ich will so einen Klotz wirklich nicht dauernd mit mir rumschleppen. Ich will im Urlaub auch keine fünf weitere Klötze mitnehmen, wenn ich mit einem Klick Zugriff auf eine Million andere Bücher haben kann. Hinzu kommt, dass ich 95 Prozent aller Bücher (anders als Es) nur einmal und nie wieder lese. Ich muss sie weder besitzen noch aufheben noch vererben.

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Und weil die Gedanken heute mäandern, noch ein ganz anderes Thema: Herzlichen Glückwunsch an die Macher des Daimler-Blogs! Zehn Jahre bloggen sie jetzt und sind Vorbild und Maßstab für alle, die jemals in Unternehmen über Blogs nachgedacht haben. Uwe Knaus erklärt, warum Corporate Blogs immer noch ihre Berechtigung haben:

Corporate Blogs sind daher gerade für große Konzerne ein wertvolles Werkzeug, um trotz ihrer Größe zugänglich zu wirken. So erleben Außenstehende unser Unternehmen nicht mehr als Black Box, sondern erfahren über die Blogbeiträge etwas über Strukturen, Kultur und vor allem die Menschen, die bei Daimler arbeiten. Die Werkstore sind dabei 365 Tage im Jahr geöffnet – zumindest virtuell.

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Weitere Fundstücke und Kleinigkeiten hier im Blog.

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