Scheiße mit Schwung (Klinik-Intermezzo 1)

Früher war Bloggen ja so was wie Tagebuch schreiben. Ich lasse die Tradition in den nächsten Tagen wieder aufleben. Denn ich habe Gründe und Zeit …

Das Debakel begann am Samstag, also schon am ersten Urlaubstag. Nach Anreise ins schöne Oberammergau und Bezug der schönen Ferienwohnung eine erste Mini-Wanderung – mit Schmerzen im Bein. Ok, vielleicht war der Trainingslauf am Vortag doch etwas zu schnell? Aber dann, kaum wieder von der Wanderung zurück: Schüttelfrost und Fieber. Die schmerzende Stelle: zunehmend rot und heiß. Nicht gut.

Sonntag: Ruhe- statt Wandertag. Montag: Arzt. Besorgte Blicke. Lieber in die Klinik nach Garmisch-Partenkirchen zum Abklären. Hurra. Nochmal Untersuchungen, Blut, Gedöns. To make a long story short: stationäre Aufnahme, 10 Tage Antibiotika intravenös, um die bösartige, hässliche Infektion wieder loszuwerden. Urlaub: Ende. Sommerurlaub mit Familie und Freunden, auf den man sich das halbe Jahr lang gefreut hat: Ende. Um genau zu sein. Ich muss schon sagen: ein Tiefschlag vom Feinsten, nicht nur für den Patienten.

Aber es hilft ja nix. Da bin ich nun, in der Klinik mit Aussicht.

Liebling des Tages: Karl-Heinz, mein Mithäftling Zimmergenosse und Buddy des ersten Tags. So um die 60, gemütlicher Oberbayer, langes weißes Haar wie ein alter Häuptling, zwei Schachteln Zigaretten pro Tag. Kein Tumor, haben die Untersuchungen gezeigt, immerhin. Sein Kommentar zu meinem Klinik-statt-Urlaub-Abenteuer: „Das ist Scheiße mit Schwung.“

Verpasst: Ausflug nach Lindau und abends Carmen auf der Seebühne in Bregenz.

Gelesen: Frank Schätzing, Die Tyrannei des Schmetterlings (mehr dazu, wenn ich fertig bin); „Zwei Männer unterhalten sich anders, wenn eine Frau zuhört“ – Interview mit Su Holder, Redakteurin meines Lieblings-Podcasts „Fest & Flauschig“ über die Zusammenarbeit mit Olli Schulz und Jan Böhmermann; jede Menge Wikipedia-Kram über alle möglichen Krankheiten.

Gesehen: Nichts, das iPad mit Netflix & Amazon war am Klinik-Tag 1 noch im Urlaub in Oberammergau.

Größte Freude: Die vielen guten Wünsche auf allen Kanälen, unter anderem auf Facebook. Schön, dass die sozialen Medien ihrem Namen zur Abwechslung mal wieder Ehre machen.

Größtes Problem: Schlafen. Der moderne Klinikbetrieb scheint mir auf alles Mögliche ausgelegt zu sein, nur nicht, die Patienten ordentlich schlafen zu lassen. Zum Teil ist das unvermeidlich (Karl-Heinz‘ Schnarchen, die Kakophonie anderer Patienten zwischen Jammern, Jaulen und Husten, dass die Wände wackeln). Zum Teil schon (dauernd piepst, rattert und klappert irgendwas; und natürlich muss der Papierkorb unbedingt um 4 Uhr nachts geleert werden, nicht früher, nicht später).

Schlaf-Strategie: Oropax. Na ja. Anstatt der kakophonischen Außenwelt zu lauschen, hört man in sein Innerstes: Atem, Herzschlag, dies und das … Nee, Leute, meins ist das nicht. Mag sein, dass ich das als Embryo beruhigend fand, jetzt nicht mehr.

To be continued.

Weiter zu Teil 2: Schlaflos in Garmisch oder Teil 3: I had a dream

16 Gedanken zu “Scheiße mit Schwung (Klinik-Intermezzo 1)

  1. Weil Kommentare einfach ‚was Tolles sind, auch hier an dieser Stelle noch einmal: Alles Liebe für Dich, gute Besserung, viel Ruhe zum Streamen aller Tips, die Du in unserer kleinen Kuschel-Serien-Gruppe bekommen hast und irgendwie auch toll, dass Du jetzt halt Zeit zum Bloggen hast ;) (Positiv denken und schwungvoll mit der Scheiße gehen – kann ich!)

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  2. Puh. Hört sich böse an und sollte man definitiv ernst nehmen. Hab das vor vielen Jahren in der Familie auch erlebt.
    Wünsche von Herzen gute Besserung und freu mich ein klitzekleines bisschen auf weitere Blogbeiträge aus der Klinik 💚

    Gefällt 1 Person

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