I had a dream (Klinik-Intermezzo 3)

Ich hatte einen Traum: Die Tür ging auf, ein Engel schwebte herein und sagte: „Das sieht ja schon viel besser aus, Entzündungswerte auch, alles kein Grund, keinen Urlaub zu machen. Morgen kommen Sie raus.“ Sprach‘s und verschwand wieder.

Ich kniff mich einmal kräftig in den Arm und – wachte nicht auf. Kein Traum. Mein Engel war ein freundlicher älterer Herr, der Chefarzt der Abteilung. Wie ein gütiger Richter, der das Strafmaß des humorlosen Staatsanwalts mal eben halbiert, hat er die von den Assistenzärzten angedrohten zehn Tage Klinik auf fünf verkürzt. Alles weitere läuft über Tabletten.

Die engelsgleiche Verkündigung meines Chefarzts bedeutet tatsächlich große Freude: Denn siehe, wir können nun doch noch wie geplant am Samstag zur zweiten Urlaubshälfte nach Italien aufbrechen. Damit hatte ich überhaupt nicht mehr gerechnet. Fünf Tage weniger Klinik und damit eine Woche mehr Urlaub als zuletzt erwartet – das ist wie Weihnachten und Ostern zusammen.

Ansonsten:

Liebling des Tages: Na, wer wohl. (Schon wieder ein älterer Herr. Mit den alten weißen Männern in meinem Umfeld hatte ich definitiv mehr Glück als mancher andere.)

Dialog des Tages: Arzt: „Guten Tag, ich bin Dr. Sowieso, ich möchte mit Ihnen über Ihre bevorstehende OP reden.“ – Ältere Dame: „Das geht jetzt nicht, ich muss mit meiner Schwägerin telefonieren.“ Man muss Prioritäten setzen …

Verpasst: Spielt jetzt keine Rolle mehr.

Gesehen: Code Black, eine Serie bei Amazon Prime, die erkennbar in den Spuren von ER (Emergency Room) wandelt. Im Krankenhaus eine Krankenhausserie anschauen, ist das nicht ein bisschen viel Krankenhaus? Wäre nicht ein bisschen Kontrastprogramm besser? Leute, das ist Kontrastprogramm, denn die (fiktive) Notaufnahme in Los Angeles und meine Station in der Klinik Garmisch-Partenkirchen sind doch zwei sehr unterschiedliche Welten … Gott sei Dank.

Schlaf-Strategie: Oropax und ich sind jetzt beste Freunde. Plopp, rein damit, schlafen, sieben Stunden später aufwachen, nicht mal vom Wechsel der Infusion zwischendurch stören lassen – kann ich.

The End.

Zurück zu Teil 1: Scheiße mit Schwung und Teil 2: Schlaflos in Garmisch

9 Gedanken zu “I had a dream (Klinik-Intermezzo 3)

  1. Lieber Christian,
    freut mich zu lesen. Jetzt erhol Dich mal gut in Italien. Aber eins hatte ich nicht verstanden / überlesen: hattest Du einen Insektenstich oder wie kam es zu der Infektion? Wie dem auch sei, alles Gute für Dich und Deine Lieben und lasst es euch gut gehen
    Viele Grüße

    Gefällt 1 Person

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