Intro überspringen? Auf keinen Fall!

Wer hat nur die Funktion „Intro überspringen“ oder „Vorspann überspringen“ bei Netflix und Amazon Prime erfunden? Nie gab es schönere Intros als bei aktuellen Serien – eine ganz subjektive Rangliste …

Eine Funktion „Nur Intro anschauen“ wäre vermutlich sinnvoller – manchmal sind die Intros (oder Opening Credits) ja so zauberhaft, dass die restliche Serie kaum mithalten kann. Aber egal. Hier jedenfalls meine Top 10 der schönsten Serien-Intros, die garantiert niemand überspringen will:

Platz 1: True Blood

Nie wurde die schwüle Verderbtheit der Südstaaten schöner auf den Punkt gebracht als in diesem Intro. Tatsächlich ist das so ein Fall, wo die Qualität der Serie bald hinter der des Intros zurück blieb. Staffel 1 war noch originell, jede Menge, Blut, Sex und Witz, aber dann hat sie schnell nachgelassen. Was blieb, war das Intro als Hauptgrund, die Serie noch ein bisschen weiterzuschauen. Musik: Bad Things (natürlich, welcher Titel eines Songs wäre passender?) von Jace Everett.

Platz 2: Better Call Saul

Eine der besten Serien, die derzeit auf dem Markt sind. Wunderbare Figuren, ein grandioses Drehbuch, absurde Komik und Tragik zugleich, Witz und Gewalt. Klar, man muss Breaking Bad gesehen haben (und lieben), sondern macht Better Call Saul keinen Sinn, denn die Serie ist voller Anspielungen, Querverweise und Vorgriffe auf Breaking Bad. Und genau das schafft auch das Intro, von dem es zahlreiche Varianten gibt: Immer wird Jimmys bzw. Sauls Karriere bzw. Schicksal durch verfremdete Schnipsel aus Breaking Bad angedeutet (begleitet von einem launigen Gitarren-Riff von Little Barrie). Das liefert den Interpretationsrahmen für alles, was danach in der Serienepisode kommt: Hey, Zuschauer, es wird lustig und spannend, aber denk immer daran, es ist letzten Endes gewaltig schief gegangen …

Platz 3: Game of Thrones

Ja, klar. Muss hier rein. Könnte ich auch auf Platz 1 oder 2 nehmen. Das Spiel um Macht und Herrschaft wird hier so wunderbar spielerisch rund um die verschiedenen Schauplätze inszeniert und so wunderbar musikalisch von Ramin Djawadi (der übrigens in Duisburg (!) geboren wurde) begleitet, dass es eine Freude ist. Intro überspringen? Bei Game of Thrones? Never ever …

Platz 4: Westworld

Apropos Ramin Djawadi: Von ihm stammt auch die Musik zu Westworld, dem HBO-Hoffnungsträger, nachdem Game of Thrones langsam zu Ende geht. Auch diese Musik ist gut, das Intro ist grandios, und dass die Musik das Intro nicht nur begleitet, sondern quasi Teil davon ist, ebenfalls. In extra-cleaner Labor-Ästhetik führt das Intro ein in die Welt von Maschinen und Kybernetik und macht, wie andere gute Intros, ein klein wenig süchtig …

Platz 5: Narcos

Willkommen im Kolumbien der 80er Jahre, in der Welt der Drogen, des Medellín-Kartells und natürlich Pablo Escobars, um den sich die Serie dreht. Ich mag sowieso Serien, die historische Ereignisse nacherzählen, und Narcos macht das großartig. Ein bisschen fiktionale Dramaturgie, den Rest liefert die wahrlich filmreife Figur Escobar. Das Intro mit seiner lakonischen Musik von Rodrigo Amarante (Tuyo) zeigt, wie es wirklich war und aussah, die Serie erzählt das Ganze dann nach:

Platz 6: Chefs Table

Es gibt so viel Kochsendungen, da glaubt man gar nicht, dass man diese Doku unbedingt gesehen haben muss, weil nie zuvor Kochen und Essen und Leidenschaft für beide schöner inszeniert und stilisiert wurden. Die Doku-Serie begleitet in jeder Episode einen berühmten Koch und erzählt, warum und wie er das tut, was er tut. Aber sie erzählt das eben nicht nur, sondern zeigt es in phantastischen Bildern. Und das Intro zeigt jeweils in einem Rausch aus Bildern, Farben und Vivaldis Musik ein „Best of“ der aktuellen Staffel:

Platz 7: Mad Men

7 Staffeln und 92 Folgen lang dreht sich hier alles um die Mad Men, die Werbeleute aus der Madison Avenue in New York, allen voran Don Draper. Und von der ersten bis zur letzten Folge beherrschte eine Sorge die Fans: Ist der, der da im Intro gezeigt wird, Don Draper? Und ist sein Sturz vom Hochhaus (zu den Klängen von RJD2s A Beautiful Mine) ein Hinweis auf sein Serienende? Gespoilert wird hier natürlich nicht. Marsch, Serie anschauen! Ihr könnt ja mal mit dem Intro beginnen:

Platz 8: House of Cards

Die Serie, mit der alles begann. Die erste Serie, die Netflix selbst produziert und auf den Markt gebracht hat, und seitdem leben wir im 7. Serienhimmel und können uns vor guten Produktionen kaum noch retten. Wie so oft ist die erste Staffel besonders gut, Kevin Spacey war noch keine persona non grata, Trump führte noch nicht die wildesten Drehbücher mittels Wirklichkeit ad absurdum … und das Intro mit der Musik von Jeff Beal und der Kombination von Zeitraffer-Aufnahmen und extrem langsamen Kameraschwenks, die das Leben in Washington in einem Fluss aus Ruhe und Hektik zeigen, war schon immer ein Hingucker:

Platz 9: True Detective

Eine phantastische, kompakte und abgeschlossene erste Staffel, und wie es sich für ein Intro gehört, klingt hier bereits der langsame Rhythmus und die finstere Schauerlichkeit der Serie an, die sich viel Zeit lässt für Dialoge und Grausamkeiten und Uneindeutigkeiten bezüglich der Frage, was eigentlich gut und böse, Recht und Unrecht ist … Der melancholische Titelsong stammt übrigens von The Handsome Family: Far from Any Road:

Platz 10: The Night Manager

Eine Agentengeschichte nach John le Carré über einen fiesen internationalen Waffenhändler, gespielt von Hugh Laurie (Dr. House). Und was macht das Intro? Es inszeniert ein munter-mörderisches Ballett rund um Waffen und Geld: aus Panzerfäusten werden Sektkelche und aus Diamanten Bomben. Zugegeben, nicht sehr subtil, die Botschaft … Aber sehr schön anzusehen:

So, und jetzt ihr: Eure Lieblings-Intros, die ihr nie überspringen würdet?

 

7 Gedanken zu “Intro überspringen? Auf keinen Fall!

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