Was kostet New York?

Fazit nach einer Woche: New York ist faszinierend und preiswert. Im Sinne von: Die teils sensationell hohen Preise sind es wert, bezahlt zu werden, weil sie einem sensationell tolle Eindrücke bescheren. Gehen wir das doch mal der Reihe nach durch …

Kostenlos – Spaziergang nach Brooklyn

Unser Hotel lag in Chinatown, also ziemlich weit im Süden von Manhattan, und von da ist es nur ein Katzensprung bis zur Brooklyn Bridge. Auf selbiger kann man wunderbar auf Holzbohlen und eine Etage über dem Autoverkehr über das Wasser wandeln. Nur auf berufspendelnde Radfahrer und sich in Pose bringende Instagram-Influencerinnen sollte man achten, sonst erntet man böse Blicke, weil man im Weg steht. (Nebenbei bemerkt: Zweierlei ist mir noch nie in solcher Häufung begegnet: männliche Menschen, die kabellose Apple-Kopfhörer tragen, und weibliche Menschen, die sich von ihren Buddys für Instagram fotografieren lassen – so ganz natürlich und ungestellt und nur zufällig mit einer Handtasche von Dior oder was weiß ich wem im Bild, die meisten davon übrigens in SoHo, diesem Schicki-Micki-Shopping-Viertel, das uns eher weniger gut gefallen hat).

Wir waren einmal morgens und einmal abends in Brooklyn. Morgens mit frostigem Wind und glasklarem Blick auf Downtown, abends mit einer Manhattan- und Brooklyn-Bridge, die die untergehende Sonne mit goldenen Farben angemalt hatte wie es kein Filter von irgendeinem Instagram-Influencer schafft. Der Film-Fan denkt dabei an „Es war einmal in Amerika“, der Rest freut sich einfach über den grandiosen Anblick …

3,00 $ – Durch den Central Park nach Harlem

In Wahrheit kostet ein Spaziergang durch den Central Park bis rauf nach Harlem natürlich gar nichts. Aber von Chinatown aus zum Central Park nimmt man halt doch besser die U-Bahn, und da kostet ein „Single Ride“ 3 $. Statt Einzelfahrten zu buchen, hatten wir uns schon am Flughafen JFK eine Flatrate besorgt: Man kauft eine Metrocard, lädt sie mit einem „7 Day Unlimited Pass“ für 32 $ auf und kann damit fahren so oft man will. Das ist wirklich sehr günstig und sehr toll. Wir haben die New Yorker U-Bahn jedenfalls extensiv und gerne genutzt.

Der Spaziergang vom Columbus Circus durch den Central Park bis rauf zur 125th Street in Harlem ist an einem sonnigen Spätherbsttag, wie wir ihn hatten, ein Traum. Die Natur schüttet großherzig Farben aus, Musiker machen Musik, Jogger und Radfahrer nutzen die Gelegenheit, kurz vor dem New York Marathon nochmal ihre Stadt zu durchqueren, und natürlich muss man als Film-Fan am großen Wasser-Reservoir innehalten und an Dustin Hoffman als „Marathon Mann“ denken (nur den hässlichen Maschendrahtzaun gibt‘s zum Glück nicht mehr) …

3,00 $ – Fried Dumplings in Chinatown

Wir wohnten wie erwähnt in Chinatown und würden uns sofort wieder für diese Gegend inkl. Little Italy und Lower Eastside entscheiden. Hier geht es deutlich weniger vornehm zu als in SoHo, weniger großspurig als in Midtown, dafür tanzt hier der Bär, vor allem nachmittags und abends. Und: Hier gibt es einige der wenigen Möglichkeiten in New York, wirklich gut und günstig zu essen.

Unser Favorit: Fried Dumplings im gleichnamigen kleinen Laden in einer kleinen Gasse neben dem Columbus Park, dem grünen Naherholungszentrum für alle Chinesen in New York. Zwei ältere, mürrische, einsilbige Chinesinnen produzieren hier genau ein Produkt: Dumplings, das sind Teigtaschen mit einer würzigen Fleischfüllung, so ähnlich wie schwäbische Maultaschen. Die eine bastelt den Teig und füllt und formt die Dumpings, die andere frittiert und verkauft sie. Sie schmecken wunderbar. Fünf Stück gibt es für 1,50 $, mit zehn Stück ist man satt. Und glücklich.

4,50 $ – Cheesecake bei Eileen

Apropos glücklich: Bei „Eileen’s Special Cheesecake“ nördlich von Chinatown und gleich neben Little Italy gelegen gibt es den verdammt besten Cheesecake, den ich je gegessen habe – und ich liebe Cheesecake. Der deutsche Käsekuchen ist übrigens gefühlt etwas anderes – ernster, kompakter, weniger fluffig und verspielt. Bei Eileen gibt es Cheesecake in zahllosen Varianten, von klassisch über fruchtig bis hin zu Marmorkuchenartig oder mit salzigem Karamell. Und zwar vor allem in kleinen, muffinartigen Portionen, was die 4,50 $ natürlich zur Makulatur macht. Denn kein Genussmensch kann diesen Laden nach dem Verzehr von nur einem Mini-Cheesecake verlassen. Ein ordentliches Frühstück zu zweit, mit je drei Cheesecakes und etwas Kaffee kostet also rund 30 $ – und das ist die Sache wert.

18,50 $ – Fahrt nach Liberty Island und Ellis Island

Ich wollte unbedingt nach Ellis Island und mir dort das Einwanderer-Museum anschauen. Ich wollte eigentlich nicht nach Liberty Island, weil ich irgendwo gelesen hatte, das würde nicht lohnen und der Blick von der kostenlosen Fähre nach Staten Island auf Downtown Manhattan sei genauso gut. Aber Liberty Island und Ellis Island gibt es nur im Paket inkl. Schifffahrt und Eintritt (lediglich das Betreten der Statue kostet nochmal extra, worauf wir verzichtet haben). Also waren wir auf beiden Inseln, und siehe da: Ich fand den Spaziergang um die Freiheitsstatue und den Blick von dort sehr schön.

Weniger schön, dafür um so beeindruckender ist Ellis Island. Über diesen kleinen Vorposten New Yorks wurden von ca. 1890 bis 1950 die meisten Einwanderer in die USA geschleust, rund 12 Millionen. Knapp die Hälfte der heutigen US-Amerikaner hat Vorfahren, die über Ellis Island in die USA kamen. Ich habe dort mindestens zweierlei gelernt: Erstens: Damals wie heute sind vor allem Menschen migriert, die ihre prekären Verhältnisse in der Hoffnung auf ein besseres Leben verlassen haben (heute würde man wohl von Wirtschaftsflüchtlingen reden). Damals wie heute hat das erhebliche Debatten ausgelöst. Und damals wie heute gab es keine Schwarz-/Weiß-Lösungen, Einwanderung war nie nur gut oder schlecht. Die organisierte Kriminalität ist ebenso eingewandert wie der bunte Mischmasch an Kulturen, der New York heute so interessant macht. Zweitens: Es geht uns heute unfassbar gut. Man muss nur auf den zahlreichen Fotos im Museum auf Ellis Island in die Gesichter der Einwanderer blicken und versteht, welche Welten in Sachen Gesundheit, Sicherheit und Wohlstand zwischen damals und heute liegen.

24,00 $ – 9/11 Memorial

Daran führt für jemanden meines Alters, der den Tag damals erlebt und in genauer Erinnerung hat, kein Weg vorbei. Somit ist das 9/11 Memorial nicht nur Museum und Dokumentationszentrum, sondern vor allem auch Erinnerungsort für (aus der Ferne) Erlebtes. Und es ist ein Denkmal für die Opfer (während den Tätern keine Bühne geboten wird). Vieles hat mir am Memorial sehr gut gefallen, denn es ist ja nicht einfach, für ein derartiges Ereignis einen angemessenen Ort zu gestalten, der weder in falscher Bescheidenheit noch in Größenwahn daher kommt, sondern genau die richtigen Akzente setzt und den richtigen Ton trifft. Ohne melodramatisch klingen wollen, würde ich sagen: Das Memorial trifft Herz und Verstand.

24,00 $ – Pastrami-Sandwich bei Katz‘s Delicatessen

Okay, das ist ein ordentlicher Preis für ein Sandwich, aber es ist ja auch ein sehr ordentliches Sandwich. Genauer gesagt, das beste, das ich bislang gegessen habe. Und das in Kombination mit dem Erlebnis aka Tohuwabohu, das bei Katz‘s Delicatessen in der Houston Street zwischen Lower Eastside und East Village geboten wird. Und wem das noch nicht reicht, der denkt gut gelaunt daran, dass er sich am Ort der Szene aus „Harry und Sally“ befindet, und kann sich nur mühsam ein „Ich will genau das, was sie hatte“ verkneifen.

25,00 $ – Metropolitan Museum of Art

25,00 $ ist der Standard-Preis für Museen in New York: Museum of Modern Art, Guggenheim Museum, Whitney Museum of American Art, Tenement Museum und so weiter – alle für 25,00 $ zu haben. Wir hatten uns für die Mutter aller Museen entschieden, Kunst von Ägypten bis zur Moderne, von Afrika bis ins klassische Griechenland. Unmöglich, sich das an einem Vormittag auch nur halbwegs angemessen anzuschauen. Man macht also einen lockeren (vielleicht sogar geführten) Spaziergang durchs gesamte Museum, um sich dann zwei, drei Schwerpunkte ein bisschen näher anzuschauen, und schon ist der Tag rum.

41,00 $ – One World Observatory

Einmal mit dem Aufzug in weniger als einer Minute 100 Stockwerke hoch sausen und dann den Blick über New York und das Hinterland schweifen lassen – muss man machen. Das One World Trade Center ist das höchste Gebäude der Vereinigten Staaten, und die Besucher bekommen nicht nur Fahrt und Blick, sondern ein Erlebnis, das nach allen Regeln der Kunst inszeniert, ja zelebriert wird. Wir hatten uns dafür einen sonnigen Vormittag ausgesucht, um den Tag dann – siehe unten – mit Blick aus der Gegenrichtung ausklingen zu lassen. Wird mit 34,00 $ beworben, aber es kommen noch Steuern und Abwicklungsgebühren für die Online-Buchung dazu, mit der man sich Wartezeiten erspart.

50,00 $ – Top of the Rock

Gut, das ist preislich langsam ein bisschen grenzwertig. Auch die Fahrt aufs Dach des Rockefeller Centers in Midtown wird eigentlich mit 36,00 $ beworben, aber dann kommen noch 10,00 $ Sonnenuntergangs-Zuschlag oben drauf plus Steuern. Aber auch das lohnt, der Blick Richtung Empire State Building und Downtown ist großartig (der Blick in die andere Richtung zum Central Park leider nicht, hier werden gerade mehrere Hochhäuser gebaut). Und wenn man wie wir an einem lauen Spätherbst-Nachmittag hier ist, kann man locker zwei Stunden lang zuschauen, wie sich langsam die Farben und Schattierungen verändern, die ersten Lichter angehen und irgendwann die Nacht über New York hereinbricht.

125,00 $ – Übernachtung pro Person im Hotel

Unser Hotel lag wie gesagt in Chinatown, am Ende der Manhattan Bridge und neben einem buddhistischen Tempel, was uns sicherlich ein grandioses Karma beschert hat. Frühstück gab‘s nicht, und ich kann jedem nur empfehlen, zum Frühstücken durch New York zu tingeln und in einem der zahlreichen Diner oder Delis oder Cafés Halt zu machen. Nachtruhe gab‘s übrigens auch nicht, weil jederzeit hupende Autos oder jaulende Krankenwagen die Nacht zum Tag machen. Aber ehrlich, uns hat‘s nicht gestört, wir haben tief und fest geschlafen. Wer Ruhe haben will, kann ja in einem einsamen Bergdorf Urlaub machen, aber eher nicht in New York.

700,00 $ – Flug

Günstig? Teuer? Keine Ahnung. Es waren halt Herbstferien. Wir sind mit KLM von Nürnberg über Amsterdam geflogen und fanden das ok. Der Aufenthalt in Schiphol war etwas lang, den Flughafen kennen wir jetzt in- und auswendig. Aber KLM ist schon gut. Und außerdem ist Niederländisch so eine niedliche Sprache.

4.000,00 $ – Das ganze Vergnügen

Tja, das ist dann halt der Preis für eine Woche zu zweit in New York. Ich vermute, man bekommt das auch billiger oder (ganz sicher) viel teurer hin. Wir waren nicht besonders sparsam, haben das Geld aber auch nicht zum Fenster rausgeworfen. Wir hatten Spaß, haben alles gesehen, was wir sehen wollten, und tausend Erinnerungen mit nach Hause genommen.

Ansonsten gilt, was Colson Whitehead im „Koloss von New York“ geschrieben hat: „Es ist Zeit zu gehen. Alles ist gepackt. Nimm dir einen Moment Zeit, um zurückzublicken und zu bedauern, was du alles nicht unternommen hast, wo du überall nicht gewesen bist. Was du nicht gesehen hast. Nimm es dir für das nächste Mal vor.“

5 Gedanken zu “Was kostet New York?

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