Ach, und übrigens … (48): Spiegel, Fake News, Mythen und Schnaps

Auf der Zielgeraden des Jahres wollen wir nochmal ein paar Themen streifen und Beiträge würdigen, die ich in letzter Zeit gelesen habe …

***

Beim Spiegel wurde beschönigt, idealisiert, konstruiert und letztlich gelogen, dass sich die Balken biegen. Verantwortlich für die unseriösen bis betrügerischen Reportagen ist der Journalist Claas Relotius. Besser gesagt: Er ist derjenige, der aufgeflogen ist. In der Branche wird nun zu Recht diskutiert, ob das nur die Spitze eines Eisbergs ist und wie genau es Journalisten mit der Wahrheit nehmen, wenn es um eine gute Story geht, die vielleicht dadurch noch besser wird, dass man eben ein bisschen was dazu erfindet oder weglässt. Die Diskussion ist wichtig und dringend nötig. Das zeigen schon die Reaktionen der Spiegel-Verantwortlichen, die von manchen für ihre „schonungslose Offenheit“ gelobt werden. Zur Wahrheit gehört aber leider auch, dass der Journalist, der die Sache aufgedeckt hat (Juan Moreno), Spiegel-intern gegen Windmühlen kämpfen musste, und dass die Stellungnahme der Spiegel-Oberen etwas wenig selbstkritisch geraten ist. Als Fan von gutem Journalismus wünsche ich mir jedenfalls Aufklärung, Erkenntnis und Konsequenzen, die die journalistische Arbeit künftig noch vertrauenswürdiger machen. Mehr dazu bei Thomas Knüwer und Stefan Niggemeier.

***

Und nein, liebe Verschwörungstheoretiker und Rechtspopulisten, das zeigt nicht, dass die Diffamierung von Journalismus als „Lügenpresse“ berechtigt ist. Die acht „erfolgreichsten“ Fake News des Jahres (erfolgreich im Sinne von höchste Interaktionsraten auf Facebook) stammen natürlich allesamt nicht von seriösen Nachrichtenportalen, sondern von fragwürdigen Fake News-Schleudern, die mir auch im Rahmen des Filterblasen-Experiments dauernd untergekommen sind, wie anonymousnews.ru, blog.halle-leaks.de oder truth24.net. Von „Staat zahlt Harem“ bis „Afrikaner schneidet Baby den Kopf ab“ – Es ist ein Kaleidoskop der Niedertracht und Verunglimpfung, was sich in diesen Fake News ausbreitet, die übrigens gerne und besonders intensiv von der AfD und Erika Steinbach verbreitet werden.

***

Ist Osteopathie zu empfehlen?, wurde kürzlich in einer Facebook-Gruppe gefragt. Darauf gibt es wie immer zwei mögliche Antwort-Varianten: subjektiv und objektiv. „Mir hat‘s geholfen“, sagen die einen, ohne zu wissen, was ihnen wirklich geholfen hat (denn nein, wer heilt, hat nicht Recht). Es gibt keine Evidenz für die Wirksamkeit von Osteopathie, sagen die anderen. Wer sich mal ausführlich mit dem Thema beschäftigen möchte, dem empfehle ich den Nachgefragt-Podcast (den ich sowieso generell empfehlen kann). Kurzfassung: Von ausgebildeten Physiotherapeuten ausgeübt, zeigt die Osteopathie Wirkung, weil sie schlicht im Wesentlichen aus Physiotherapie besteht. Von Heilpraktikern und Laien ohne medizinische Kenntnisse ausgeübt, die sich nach einem Wochenend-Seminar Osteopathen nennen dürfen (echt wahr!), ist sie bestenfalls wirkungslos, schlimmstenfalls gefährlich.

***

Kommen wir abschließend noch zum Thema Genuss. Die gut gefüllte Hausbar bekam dank eines Geschenks Zuwachs in Form eines Haselnussgeists. Aber warum Geist?, fragte ich mich. Was ist der Unterschied zwischen Schnaps und Geist? Und was unterscheidet selbige vom Brand? Das Internet weiß wieder alles und klärt auf: Spirituose oder Schnaps ist der Überbegriff (wobei das Wort „Schnaps“ verwandt ist mit „schnappen“ und meint, dass ein schneller Schluck getrunken wird). Vom Schnaps gibt es nun zwei Varianten: Brände (= Wässer) entstehen, indem die Maischen der jeweiligen Frucht vergoren werden (sprich: Früchte zermatschen und mit Hefe gären lassen). Dann wird destilliert. Das funktioniert bei stark stärke- oder zuckerhaltigen Früchten, so entstehen zum Beispiel Birnenbrand oder Kirschwasser, aber auch Wodka (in der Regel aus Kartoffeln Getreide (siehe Kommentar unten)). Beim Geist hingegen schmeißt man unvergorene Früchte in hochprozentigen neutralen Alkohol, dadurch wird der Alkohol quasi aromatisiert. Dann wird destilliert. Das eignet sich bei aromatischen, aber weniger zuckerhaltigen Früchten, Beispiel: Himbeergeist, aber auch Gin (aus Wacholder und Kräutern). Siehe auch hier.

***

Frohe Weihnachten, ihr Lieben. Seid nett zueinander und hört gute Musik :-)

***

Weitere Fundstücke und Kleinigkeiten hier im Blog.

2 Gedanken zu “Ach, und übrigens … (48): Spiegel, Fake News, Mythen und Schnaps

  1. Den Unterschied zwischen Brand und Geist kannte ich noch nicht, danke für die Aufklärung :)

    Aber darf ich noch eine Kleinigkeit klugscheißen? Danke.

    auch Wodka (in der Regel aus Kartoffeln)

    Nein, nicht in der Regel aus Kartoffeln. In der Regel aus Getreide, in Russland meist aus Roggen, sonst eher aus Weizen. Kartoffel verschnapsen sie nur in der Ukraine und, entnehme ich jetzt Wikipedia, in Polen. Kartoffeln, habe ich mal in einem Buch über Wodka gelesen, ergeben oft einen eher fuseligen Schnaps, den man nicht unbedingt trinken muss, wenn man Getreidebrand haben kann. Aber wann immer es knapp zuging in Russland haben sie natürlich aus allem Schnaps gebrannt, was sich irgendwie vergären ließ, Haushaltszucker, Bonbons, Kunsthonig, wahrscheinlich auch Hustensaft. Und wenn das weg war, haben manche eben Parfüm gesoffen (kein Witz). Prost!

    Gefällt 1 Person

Und jetzt sag deine Meinung:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.