Ach, und übrigens … (49): Goldenes Steak, Besserwisser, Sopranos

Wieder ein paar Links zu lesenswerten Beiträgen – diesmal über zu teures und zu billiges Essen, Siemens-Ingenieure mit einem Handwerker-Problem, die Mutter aller Sportuhren, den 20. Geburtstag der „Sopranos“ und mehr …

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Dass Franck Ribéry ein mit Blattgold veredeltes Steak verzehrt und damit (und mit seinen folgenden Äußerungen) einen veritablen Shitstorm ausgelöst hat, war ja in aller Munde wurde ja bereits breit diskutiert. Meiner bescheidenen Meinung nach wird Ribéry von seinen Arbeitgebern und Fans weniger für seine kulinarische und kommunikative Stilsicherheit als für seine Fähigkeit, ordentlich Fußball zu spielen, geschätzt. Anders gesagt: Wer mindestens sein halbes Leben in Umkleidekabinen und auf Sportplätzen verbringt, hat halt größere Chancen, ein toller Fußballer als ein feinsinniger Genussmensch mit guten Manieren zu werden. Aber egal, worauf ich eigentlich hinweisen wollte, ist dieser Kommentar von Jürgen Dollase, der bekanntermaßen eher Genussmensch als Fußballer ist und meint, dass zu billiges Essen viel kritikwürdiger ist als ein sehr teures Steak:

Vor allem ist nicht Ribéry pervers, sondern die Tatsache, dass für Billig-Angebote in Supermärkten Tiere getötet und zu einem Preis verhökert werden, der eine Missachtung von Leben und eines zivilisierten Zusammenhanges von Wertschätzung für Tiere und ihrem Preis ist. In einem aktuellen Angebot von heute bietet EDEKA 100 g Keulenfleisch für 19 Cent an. (…) Der Konsument akzeptiert eben diese Perversion, weil er dabei ein paar Cent spart.

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Ein Fliesenleger aus Niederbayern hat beschlossen und verkündet, „nicht mehr für Besserwisser“ arbeiten zu wollen, und damit meint er konkret Ingenieure, Doktoranden und Professoren der Firmen Audi und Siemens. Nach anfänglicher Skepsis (Sippenhaft!) fand ich seine Argumente doch ziemlich einleuchtend, denn er hat irgendwann einfach mal seine Aufträge analysiert und kam zum Ergebnis, „dass es bei 89 Prozent aller von Audi- oder Siemens-Ingenieuren erteilten Aufträgen irgendein Problem gab“. Und bei der Lektüre seiner Beispiele musste ich dann doch lachen, weil ich den einen oder anderen Siemens-Ingenieur vor Augen hatte (von denen es in Erlangen viele gibt). Zum Beispiel:

Ein anderer Ingenieur habe eine Marmortreppe nicht akzeptiert, weil ihm das Muster im Stein zu unregelmäßig war – bei einem Naturstein. Der Kunde klagte – und verlor. Ein weiterer Vertreter dieses Berufsstandes präsentierte Schmiedl einen Plan, auf dem jede Fliese einzeln gezeichnet war, samt Fugenbild für den gesamten Raum. „Der wollte es partout nicht akzeptieren, dass es beim Bau immer gewisse Toleranzen gibt, und dass sich sein Plan so nicht umsetzen lässt, wenn die tatsächliche Länge oder Breite des Badezimmers nur um einen oder zwei Zentimeter gegenüber den Bauplänen differiert.“

Aber Good News für alle Audi- und Siemens-Ingenieure, die nun fürchten, keinen Fliesenleger mehr zu finden:

Eine Ausnahme macht Michael Schmiedl, der trotz dieses Ausschlusses bis 2020 gut mit Aufträgen eingedeckt ist, nun vielleicht doch: Vor einigen Wochen erhielt er von den Eltern eines Audi-Ingenieurs einen Brief. Ihr Sohn finde einfach keinen Handwerker für seinen Hausbau, deshalb wollen sie nun für ihn bürgen und im Voraus bezahlen, schrieben sie. Außerdem versicherte das Paar, dass der Sohn nicht auf der Baustelle erscheinen wird, bis alles fertig ist. „Vielleicht riskiere ich es noch mal“, sagt Schmiedl.

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Die meisten Hobbysportler, die ich kenne, verwenden eine Sportuhr, um mitzubekommen, wie es um ihre sportlichen Leistungen bestellt ist. Was dem einfachen Volk der Schrittzähler, ist dem Sportler die Sportuhr. Über Polar, die Mutter aller Sportuhren, schreibt Torsten Firlus lesenswert in der Wirtschaftswoche. Ich habe gelernt: Polar ist ein finnisches Unternehmen, der Gründer hat den wunderbaren Namen Seppo Säynäjäkangas – und Polar müht sich, nicht ein ähnliches Schicksal wie Nokia zu erleiden: in alter Stärke zu verharren und von neuen Herausforderern wie Garmin, Samsung und Apple überholt zu werden. PS: Kleine Übung: Tauscht im folgenden Zitat „Polar“ und „Sportuhren“ durch Name und Branche einer anderen Traditionsfirma aus, die euch einfällt – er bleibt wahr:

Es gab wenig Grund zur Unruhe in der Nische, Polar galt und gilt noch heute vielen als der Inbegriff der Sportuhren. Aber keine Welt bleibt ewig heile.

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Quelle: Visual Capitalist

Apropos neue Herausforderer: Eine sehr schöne Grafik zeigt, welche Unternehmen in den letzten 20 Jahren das Internet dominiert haben. Sehr schön, weil man erstens sehen kann, welche Unternehmen schon länger dabei sind und wie sie sich auf eine der Spitzenpositionen gearbeitet haben, zweitens weil man sieht, welche Unternehmen ehemals stark waren und nun komplett in der Versenkung verschwunden sind, und drittens weil die Grafik verdeutlicht, wie viele neue Player plötzlich da sind und mitspielen. Eine wunderbare Visualisierung von Konstanz, Änderungsdynamik und Disruption in Zeiten des Internet.

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Die phantastische Serie „Die Sopranos“ ist tatsächlich schon 20 Jahre alt, und wer nochmal nachvollziehen möchte, was für ein Türöffner das für die heutige Serienqualität und -vielfalt war, kann das im Geburtstags-Artikel der Süddeutschen Zeitung tun.

Das alte TV-System verlangte Skripts, in denen die Figuren ankündigten, was sie gleich tun würden, es dann auch taten, und hinterher noch mal erklärten, was genau sie getan hatten. Sprich: Die Geschichten wurden der Dramaturgie der Werbepausen angepasst, und falls es jemand nicht rechtzeitig vom Kühlschrank zurück zur Couch schaffte, wurde ihm trotzdem noch mal erklärt, was passiert war. Zudem erzählte fast jede Folge eine in sich geschlossene Geschichte mit leicht verdaulicher Kalenderspruchmoral, damit die Zuschauer beruhigt ins Bett gehen und von den Produkten aus den Werbeunterbrechungen träumen konnten. Die „Sopranos“ waren in dieser Logik formal wie inhaltlich eine Zumutung.

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Weitere Fundstücke und Kleinigkeiten hier im Blog.

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