Ach, und übrigens … (50): Strahlung, Zuckerkugeln, Wasser

Mit skeptischem Blick fragen wir uns heute, welche Strahlung böse ist, warum Globuli nicht egal sind, wie die Öko-Bilanz von Plastikflaschen ist und ob Impfgegner noch alle Tassen im Schrank haben …

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Neulich hatte ich eine Diskussion mit einem Kollegen, es ging um WLAN-Strahlung. Er fand sie irgendwie bedrohlich, weshalb man doch, bitteschön, möglichst viele Geräte per LAN verbinden möge, also per Kabel und nicht per Schwingungen, die durch Luft, Körper und sonst was sausen. Zumal da ja allerhand saust, Handystrahlung zum Beispiel. Und generell Elektrosmog. Und ist das jetzt gefährlich? Was sagen die Studien?

Nach 30 Jahren intensivem mobilem Telefonieren ist kein einziger Fall bekannt, bei dem es nachweislich zur Schädigung von Menschen durch Mobilfunkwellen kam. Außer natürlich den Typen, die bei 200 Kilometer pro Stunde auf der Autobahn versuchen, die neueste App herunterzuladen. Die einzige messbare Auswirkung von Mobilfunkstrahlen auf den menschlichen Körper ist eine lokale Erwärmung des betroffenen Gewebes wegen der Absorption der Funkwellen. Die liegt allerdings in einer Größenordnung von 0,1 Grad Celsius. Ein Temperaturanstieg, den Sie mit Muttis Wollmütze ebenfalls locker hinkriegen.

Schreibt der Physiker und Kabarettist Vince Ebert. Er erklärt außerdem, was die Frequenz von Strahlung mit ihrer Gefährlichkeit zu tun hat und warum unsichtbare Gefahren viel schrecklicher zu sein scheinen als sichtbare. Extratipp: „Wenn Sie bei einer Bürgerinitiative gegen Elektrosmog auf die Straße gehen, dann sollten Sie das am besten nachts tun. Andernfalls setzen Sie sich mit dem Tageslicht einer elektromagnetischen Strahlung aus, die über 30 000-mal energiereicher ist als der Handymast.“

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Dass Homöopathie Unfug ist und nicht über den Placebo-Effekt hinaus wirkt, dürften die Leser dieses Blogs inzwischen mitbekommen haben. „Aber es schadet doch nicht. Lass die Leute doch Globuli nehmen, wenn sie wollen …“ – Das ist eines der häufigsten Pro-Homöopathie-Argumente, das ich zu hören bekomme. Aber es schadet halt doch, vor allem wenn Eltern ihren Kindern bei jeder Kleinigkeit homöopathische Schein-Medizin verabreichen. So lernen die Kinder zuverlässig, dass man immer gegen alles Medikamente nehmen sollte, statt, zum Beispiel bei einer Schürfwunde, einfach ein paar Tränen zu vergießen, das Krönchen zu richten und weiterzumachen. Entsprechend sei seine größte Sorge, schreibt der Kinderdok im Tagesspiegel,

dass die Gabe von Globuli Eltern verleitet, bei jedem kleinen Wehwehchen ein Medikament zu geben – genau das, was diese bewusst lebenden Menschen eigentlich vermeiden wollen: mehr Medizin. Produkte wie Notfall-Etuis mit zig Globuli, wie sie in Apotheken angeboten werden, suggerieren Notwendigkeit. Eine Globuligeneration von Eltern wird Kinder zur Medikamentenabhängigkeit erziehen.

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Was passiert eigentlich mit einer Plastikflasche, wenn ihr sie im Supermarkt in diesen Automaten schiebt und sie sich mit einem „Knirsch“ verabschiedet? Wird sie recycelt oder nicht? Ist Glas bei Flaschen besser als Plastik? Und Mehrweg-Plastik besser als Einweg-Plastik? All das lernt man in diesem schönen Artikel im ZEIT-Magazin. Auch dass die Öko-Bilanz von Papiertüten nicht besser ist als die von Plastiktüten und dass deutscher Plastik-Haushaltsmüll weder in Afrika noch in den Weltmeeren landet, wie manche sich das vorstellen. Und dass es natürlich wichtig ist, sich Gedanken über Umweltschutz zu machen, aber auch ein bisschen die Relationen im Auge zu behalten:

Unter all den Folgen für die Umwelt, die ein Leben in Europa mit sich bringt, machten Verpackungen insgesamt nur einen kleinen Teil aus, 2 bis 3 Prozent. Ein Drittel ergebe sich durch die Ernährung. Ein Viertel werde durch Autofahren und Reisen verursacht – und noch einmal so viel durch Heizen. Eine 1,5-Liter-Einwegflasche leer zu trinken, das ist laut der Schweizer Ökobilanz ungefähr so umweltschädlich wie die Herstellung von 8 Gramm Brot. Wirft man eine 100-Gramm-Scheibe Brot weg, weil sie vertrocknet ist – zack, schon hat man zwölf Plastikflaschen verbraucht.

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Viel gelernt übers Impfen habe ich in dieser Ausgabe des Nachgefragt-Podcast. Ein Virologe beantwortet Fragen und klärt auf: über den Unterschied zwischen Viren und Bakterien, welche drei (bis vier) Arten des Impfens es gibt, woran gerade geforscht wird, wie oft welche Nebenwirkungen zu erwarten sind (Spoiler: sehr selten, meist harmlos), warum man sich doch jedes Jahr gegen Grippe impfen lassen sollte – und vor allem, warum Impfgegner einfach die Fakten nicht kennen oder lügen oder beides und in jedem Fall unverantwortlich handeln.

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Weitere Fundstücke und Kleinigkeiten hier im Blog.

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