Erfreuliches im Januar 2019

Im Januar war unter anderem Zeit für einen Schrecken vom Amazonas, ein Wunder, Filzgleiter, Anwälte, ein Debakel und zahlreiche Suppen …

Shape of Water

Ein Märchen. Ein Liebesfilm. Eine Verneigung vor dem Kino der 30er bis 50er Jahre. Ein liebenswerter Schrecken vom Amazonas. Ein grässlicher Schurke (weiß, männlich, Familienvater – also das Heldenklischee der meisten anderen Filme, die je gedreht wurden). Eine Geschichte über drei Außenseiter und Freundschaft in Zeiten von Alltagsrassismus, Frauen- und Schwulenfeindlichkeit. Ein Film der herrlichen kleinen Miniaturen (der dicke Mann mit der Torte, der auf den Bus wartet!). Und, ja, ein Happy End, das darf man sich ja auch mal wünschen. Kurzum: wunderbar! (Gesehen bei Amazon)

Ein Wunder

Die Serien über ein (mögliches) Wunder ist auch ein kleines Wunder, denn – oh Wunder! – sie ist komplex und unvorhersehbar. Leider entwickelt sich Netflix ja gefühlt in Richtung Mainstream und bietet Zielgruppen-optimierte Serienkost, die dann halt leider auch Zielgruppen-optimiert erwartungskonform ist. Ein Wunder ist ganz anders. Die Handlung: Italien steht kurz vor dem Italexit, die Stimmung ist aufgeheizt, der Ministerpräsident versucht das zu verhindern, gleichzeitig seine auseinanderdriftende Familie zusammenzuhalten – als vom Geheimdienst eine Blut weinende Marienstatue gefunden wird. Fake oder Wunder? Ein Fall für den Vatikan oder den Tiefkühlschrank? Gute Frage … Eine Geschichte mit vielen komplexen Figuren und der einen oder anderen Überraschung. (Gesehen in der Arte Mediathek)

The Good Fight

Die Fortsetzung der wunderbaren Serie The Good Wife beginnt mit einer programmatischen Szene: Diane Lockhardt, Rechtsanwalts-Urgestein und glühende Demokratin schaut fassungslos im Fernsehen, wie Donald Trump vereidigt wird. Ihr Gesicht spricht Bände, und die Bände tragen den Titel: Das kann einfach nicht wahr sein. Die folgende Serie ist dann quasi ein Gegenentwurf zu allem, wofür Trump steht. Es geht um eine Kanzlei mit nahezu ausschließlich schwarzen Rechtsanwälten, die unter anderem Opfer von Polizeigewalt vertreten, und um drei (bis vier) starke Frauen, die ihr Bestes geben. Dazu das Erfolgsrezept der clever konstruierten Fälle und skurrilen Figuren aus The Good Wife – das macht auch in dieser Fortsetzung Spaß! (Gesehen bei Amazon )

Der Tatortreiniger Staffel 7

Schotty ist eine der besten Serienfiguren ever und Der Tatortreiniger eine der besten deutschen Serien ever. Eigentlich müsste die Serie ja „Zwei Menschen unterhalten sich“ heißen, weil genau das passiert in jeder Folge. Geistreich, witzig, oft absurd. Ein Meisterwerk. Und mit dieser Staffel und einer wahrlich kafkaesken Abschlussfolge leider zu Ende. Lieblingszitat: „Wenn man beginnt, sich mit Filzgleitern zu beschäftigen, dann weiß man: Das war’s jetzt mit Rock‘n Roll.“ (Gesehen in der ARD-Mediathek)

Robin Hood

Bei so viel Erfreulichem wundert es nicht, dass es auch ein kleines Debakel im Januar gab: Robin Hood. Meine Frau mag halt die Geschichte (und zig ältere Verfilmungen), daher sind wir mal reingegangen … Aber: Herrje! Was für ein Quatsch. Ein Film für 13-jährige Computerspieler. Ein Mashup, das noch ein wenig originell sein könnte, wenn die Mixtur nicht völlig übertrieben wäre. England im Mittelalter, Zeit der Kreuzzüge, aber Schützengräben wie im Golfkrieg, Armbrüste wie Maschinengewehre, Revolutionsstimmung wie zur Jahrhundertwende, Ästhetik aus Assassins Creed, Klamotten aus der Jetzt-Zeit, venezianischer Karneval, der Sheriff von Nottingham als faschistoider Führer, Soldaten wie Sturmtruppen, ein bisschen Zorro, ein Kardinal wie Richelieu, ein Wagenrennen wie aus Ben Hur, Robins arabischer Kumpel wie Morgan Freeman vor 25 Jahren (nur schlechter) … Alter Schwede, mir ist jetzt noch schwindelig. Das alles wäre kurios, aber ok, wenn nicht zugleich die Story so unfassbar vorhersehbar und langweilig wäre, die Figuren so holzschnittartig, die Charaktere und ihre Beziehungen so völlig uninteressant – weil am Ende halt alles nur auf Action ausgelegt ist, die letztlich in ihrer Übertreibung nur noch langweilt.

Orientalischer LinseneintopfOrientalischer Eintopf mit roten Linse und Kichererbsen

Einfach und gut. Vor allem im Winter, da mögen wir sowieso alles Suppen- und Eintopfartige. Bestandteile sind rote Linsen (die beim Kochen lustigerweise gelb werden) und Kichererbsen in Kombination mit passierten Tomaten und Gewürzen: Ras-el Hanout und Tandoori-Gewürz. Am Schluss ein Klacks Jogurt oben drauf. Das Rezept findet ihr bei Arturs Tochter.

PilzsuppePilzsuppe

Sie sei hier stellvertretend für diverse Suppen genannt, die ich im Januar gemacht habe. Denn Winter ist Suppenzeit. Und ich mag es, wenn man den Geschmack aller Zutaten in einem Topf sammelt und konzentriert und nichts davon raus lässt, von der Gemüsebrühe bis zur fertig gemixten Pilzsuppe. Für das einfache Rezept braucht ihr Zwiebeln, Knoblauch, Kartoffeln, natürlich Pilze, ein paar Gewürze, Weißwein, Sahne und einen potenten Stabmixer, für den irgendwer freundlicher- und kurioserweise mal den schönen Namen „Zauberstab“ erfunden hat. Damit zaubert ihr die Suppe und lasst sie euch schmecken. Das Rezept findet ihr hier.

Minestrone

Also gut, eine Suppe noch. Die Mutter aller Suppen. Ein festes Rezept gibt es nicht bzw. es gibt so eine Art Basis-Minestrone und dann zahllose Varianten. Zur Basis gehören am Anfang Gemüsebrühe und am Ende Parmesan oben drauf. Dazwischen kommt alles in die Minestrone, was gerade Saison hat und/oder als Reste bei euch in der Küche verarbeitet werden will. Bei mir waren das Karotten, Kohlrabi, Stangensellerie, Brokkoli, Bohnen und Tomaten. Wenn’s nicht vegetarisch sein soll, könnt ihr noch Speck verwenden, außerdem Nudeln (Variante aus Ligurien und der Toskana) oder Reis (Variante aus der Lombardei). Die einzige Herausforderung ist, das Gemüse je nach Garzeit in die Suppe zu geben, also zum Beispiel die Karotten relativ früh, die Tomaten relativ spät.

Rosenkohl mit Orange & HonigRosenkohl mit Orange und Honig

Noch so ein Winter-Gericht. Und ebenfalls total einfach: Den halbierten Rosenkohl erst in einer Öl-Essig-Salz-Thymian-Mischung 12 Minuten im Ofen rösten, dann mit frischem Orangensaft und Honig bepinseln und nochmal 5 Minuten im Ofen lassen. Sehr lecker, da die Frucht schön die leichte Bitternote des Rosenkohls ausgleicht. Ein Rezept aus dem Süddeutschen Magazin.

 

Bildnachweis: Photo by Kerry Hayes. © 2017 Twentieth Century Fox Film Corporation All Rights Reserved. http://press.foxsearchlight.com/the-shape-of-water/

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