Was hilft gegen Erkältungen?

Winterzeit, Erkältungszeit. Und Zeit der guten Ratschläge: Die Zahl der Tipps und Empfehlungen, was man jetzt gegen Erkältungen tun kann, ist Legion. Euer freundliches Gesundheits- und Serviceblog stellt ein paar davon auf den Prüfstand …

Wenn wir hier von Erkältungen reden, meinen wir übrigens den Infekt der oberen Atemwege, der sich über Tröpfchen-Infektionen verbreitet, im Winter gehäuft auftritt und vor allem mit Halsschmerzen, Schnupfen und Husten daherkommt. Eine Erkrankung, deren Bekämpfung mit irgendwelchen Mittelchen sich die Deutschen übrigens jedes Jahr rund 1 Milliarde Euro kosten lassen. Also, was schützt nun vor oder hilft gegen eine solche Erkältung?

Antibiotika

Nein. Ursache für ordinäre Volks-Erkältungen sind Viren. Antibiotika helfen aber nur bei bakteriellen Erkrankungen und sind, sofern keine bakterielle Sekundärinfektion vorliegt, völlig wirkungslos. Trotzdem bekommen immer noch knapp 30 Prozent aller Influenza-Patienten Antibiotika verschrieben, was teuer, überflüssig, in Sachen Antibiotika-Resistenz unverantwortlich und damit in Summe absurd ist.

Grippostad, Wick MediNait & Co.

Nein. Die Mittel enthalten im Wesentlichen Paracetamol (das man ohne den Markennamen auch viel billiger bekommt), das Schmerzen lindert und Fieber senkt. Außerdem Chlorphenamin oder Ephedrin zum Abschwellen der Schleimhäute. Sie dämpfen also Symptome, haben aber auf die Krankheit selbst keinerlei Auswirkung.

Sinupret

Nein. Der rein pflanzliche Marktführer unter den Erkältungs-Mitteln behauptet, nicht nur Symptome, sondern auch die Ursachen einer Erkältung zu bekämpfen („antivirale Wirkung“). Die Studienlage ist uneindeutig, aber es spricht viel dafür, dass auch Sinupret nur ein feines (aber zu teures) Placebo „ohne nachgewiesenen Nutzen bei Virusinfekten und Infekten der oberen Atemwege“ ist.

Vitamin C

Nein. Egal ob ihr Vitamin C vorbeugend oder während einer akuten Erkältung nehmt: Es hilft so gut wie gar nicht. Das lässt sich generell zu allem sagen, mit dem man kurzfristig und punktuell versucht, das Immunsystem positiv zu beeinflussen. Vergesst es. Was dem Immunsystem generell hilft, ist eine ausgewogene und gesunde Ernährung und Lebensweise mit ausreichend Vitaminen, Zink und einer intakten Darmflora.

Hühnersuppe

Leider nein. Ich bin ein großer Fan von guter, selbst gemachter Hühnersuppe, und ihr solltet wirklich viel davon essen. Aber nur weil es schmeckt und nicht weil es akut gegen irgendwas helfen könnte.

Alles von Alfons Schuhbeck

Nein. Anti-Erkältungs-Suppe. Ingwer-Wasser. Knoblauch als „Bakterien-Killer“. Spitzen-Koch Alfons Schuhbeck ist auch der König des Gesundheits-Geschwurbels. „Wenn du richtig würzt, kannst gar nimmer krank werden“, ist so einer seiner Sprüche. Der Alfons ist aber nicht nur eine wandelnde Gesundheits-Enzyklopädie mit Kochlöffel, sondern auch einer, der weiß, wie man Geschäfte macht. Und deshalb schreibt er auf Produkte mit seinem Namen auch verkaufsfördernd „Sex Gewürz“ oder „Immun-Balance-Kurkuma-Kapseln“ und propagiert heute dieses und morgen jenes Powerfood, Hauptsache es lässt sich zu Geld machen (und hat irgendwas mit Ingwer zu tun).

Homöopathische Mittel

Äh, nein. Viren lassen sich von Zuckerkugeln, der völligen Abwesenheit von Wirkstoffen und irgendwelchen magischen Verfahren nicht beeindrucken. Das gilt auch, wenn der Zucker in Tropfenform daherkommt und sich Meditonsin nennt. Und überhaupt: Homöopathie hilft nie. Gegen gar nichts.

Schüßler Salze

Nein (seufz). Schüßler Salz Nummer 3 „kurbelt Ihr Immunsystem wieder an“. Nummer 6 „regeneriert die angegriffenen Schleimhäute“. Und Nummer 7 sorgt als „Nervensalz“ für besseren Schlaf. Erzählt euch der Marketing-Märchenonkel, der mit Schüßler Salzen Geld verdient. Was sich der Herr Schüßler da vor 150 Jahren ausgedacht hat, ist – Kurzfassung – Homöopathie mit Mineralsalzen (aber unterschiedlichen magischen Ritualen) und genau so unwirksam.

Bach-Blüten

Nope. Der Herr Bach war vor 100 Jahren der Meinung, dass jede Krankheit auf einer seelischen Gleichgewichtsstörung basiert. Nix Viren und so. Zur Behandlung mischt man mit magischen Ritualen ein paar Blütenessenzen. Zum Beispiel aus Ulme, Ölbaum, Hainbuche, Eiche, Eisenkraut und Waldrebe. Klingt total knuffig und hilft nachweislich gar nicht.

Anthroposophische Behandlung

Auch nicht. Noch eine Idee aus Uropas Zeiten. Erkältungen werden in der anthroposophischen „Medizin“ wie andere Krankheiten auch als „gestörtes Wechselwirkungsverhältnis zwischen den vier Wesensgliedern gesehen, an denen jeder Mensch Anteil hat: dem physischen Leib, dem ätherischen Leib, dem astralischen Leib und dem Ich“. Sagt ein Experte. Und weiter: „Dazu werden Heilmittel aus Mineralien, Pflanzen oder Tieren – oft in homöopathischer Dosierung – eingesetzt, die im Allgemeinen sehr gut vertragen werden“ – und im allgemeinen und speziellen natürlich überhaupt nicht wirken.

Ruhe und eine Tasse Tee

Treffer. Das hilft. Am Ende des Tages muss unser Immunsystem ganz allein mit den Viren fertig werden und erledigt das meist auch sehr zuverlässig. Stress, körperliche Anstrengung, Schlafmangel & Co. sind dabei nicht hilfreich. Einfach mal runterkommen, entspannen und die körpereigne Abwehr arbeiten lassen, das hilft. Mit anderen Worten: Abwarten und Tee trinken … Lässt sich natürlich nicht so gut verschreiben oder verkaufen und ist damit in unserer konsum- und leistungsorientierten Power-Gesellschaft ein bisschen unpopulär. (Hilft aber trotzdem.)

 

7 Gedanken zu “Was hilft gegen Erkältungen?

  1. Ich schwöre, dass das Rezept meiner lieben Großtante Emma (die mir immer augenzwinkernd die große Dose mit den Eclairs zuschob und gleichzeitig meinen Vater anherrschte: „Kein Wort, Ernst! Der Junge darf das!“) hundertprozentig funktioniert: Wenn eine Erkältung sich durch trockene Schleimhäute ankündigt, abends allein eine gut gekühlte Flasche Champagner (es muss Champagner sein, Sekt funktioniert nicht!) austrinken, ins Bett gehen und schwitzen. Am nächsten Morgen erwacht man ohne Erkältung und Kater. Von Champagner kriegt man nie einen Kater. Hat auch Großtante Emma immer gesagt.

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  2. Also, wenn eine Tasse Tee hilft, dann auch Hühnersuppe, Ingeraufguss u.ä. Natürlich nicht gegen die Erkältung, aber gegen die Halsschmerzen und u.U. gegen dichte Nebenhöhlen. Davon geht der Infekt nicht schneller vorbei, aber es ist derweil weniger unangenehm, und das ist ja auch schon einiges wert.

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