Singapur

Als fünfköpfige Familie zehn Tage Urlaub in Singapur machen? Das gibt’s wahrscheinlich nicht so oft. Haben wir aber trotzdem gemacht …

Und zwar vor allem aus familiären Gründen: Die Schwester meiner Frau lebt seit ein paar Jahren in Singapur, und da war die Gelegenheit natürlich günstig, Besuch und Urlaub zu verknüpfen. Nur so war das auch finanziell abbildbar, denn Hotelzimmer für alle fünf hätten vermutlich unser Budget gesprengt.

Mindestens zwei weitere Vorteile hatte diese Konstellation: Erstens waren wir länger dort als der übliche Singapur-Tourist, der höchstens zwei, drei Tage auf der Durchreise dort verbringt; und zweitens hatten wir kompetente ortskundige Begleitung, die uns Singapur auch jenseits des Üblichen gezeigt hat. Und erst so wird die Faszination der Stadt richtig greifbar, vermute ich, denn Singapur ist äußerst vielfältig.

Was man als Singapur-Tourist natürlich in jedem Fall mitnimmt, ist das sehr exklusive Gebiet Marina Bay, der jüngste Bezirk Singapurs, an dessen Stelle früher schlicht Wasser war. Hier gibt es das luxuriöse Marina Bay Sands Hotel (architektonisch eine Art Schiff auf drei Türmen, macht Sinn …), die Parkanlage Gardens by the Bay, gigantische Shopping-Malls und nicht weit entfernt den Singapore River, an dessen Ufern das moderne Singapur einst seinen Anfang nahm.

Das alles ist vor allem abends und nachts beeindruckend anzusehen, tags aber auch ein bisschen abschreckend, denn hier manifestiert sich die moderne Konsumgesellschaft mit einer Üppigkeit und Protzigkeit, dass man das nicht uneingeschränkt schön finden muss.

Doch Singapur hat auch ganz andere Seiten, leben hier doch viele verschiedene Kulturen und Religionen auf engstem Raum weitgehend friedlich zusammen, ein Kunststück, das bekanntlich nicht jedem Melting Pot gelingt. Und wie zum Beispiel in New York dominieren auch hier verschiedene Völker verschiedene Stadtviertel, von denen wir uns Little India und Chinatown angesehen haben – kleinteilig, wuselig, bunt, historisch und für den durch die Kunst und Kultur Mitteleuropas geprägten Besucher teils etwas skurril. In jedem Fall aber ganz anders als Marina Bay und damit gerade in dieser Kombination sehenswert.

Ganz anders und wieder eine völlig neue Facette sind auch die Teile Singapurs, die trotz Millionenbevölkerung grün und ursprünglich geblieben sind oder so rekonstruiert wurden. Etwa der Regenwald rund ums MacRitchie Reservoir oder entlang der alten Eisenbahntrasse am Bukit Timah Hill; die grüne Achse im Süden vom Mount Faber Park bis zum Kent Ridge Park; oder der zum Weltkulturerbe erklärte Botanische Garten.

Hier gibt es Natur pur, mitten in der Stadt und doch fern vom Treiben der Metropole; schweißtreibende Einsamkeit angesichts kilometerlanger Wanderwege und konstant hoher Temperaturen und ebenso hoher Luftfeuchtigkeit (Singapur liegt nur rund 140 Kilometer vom Äquator entfernt; das ist übrigens einer der wenigen Minuspunkte der Stadt, wenn ihr mich fragt: die immerwährende feuchte Hitze, die euch wie mit dem Vorschlaghammer eine mitgibt, wenn ihr aus den fast immer klimatisierten Gebäuden tretet, die längere Fußwege zu sportlichen Herausforderungen macht und die nie durch Jahreszeiten abgemildert wird).

Und natürlich liegt Singapur am südchinesischen Meer, das heißt es gibt Küsten und Strände und Badebuchten, etwa auf Sentosa Island ganz im Süden, die unter der Woche tatsächlich menschenleer sind. Am Horizont drängen sich die Containerschiffe, in der Bucht plätschert das Wasser, in der Strandbar kühlt ein Ventilator und ein Singapore Sling die ganze Angelegenheit auf angenehme Temperaturen.

Erreichbar sind diese wie alle anderen Attraktionen über ein perfekt ausgebautes Nahverkehrsnetz, für das man Singapur nur beneiden kann. Von der U-Bahn bis zu Bussen und Taxis funktioniert alles reibungslos. Es ist so sauber wie in der Schweiz und so sicher wie in Abrahams Schoß, und das auch noch zu ziemlich niedrigen Preisen (in einer der teuersten Städte der Welt). Die Gründe dafür sind vielfältig und liegen nicht zuletzt in einem demokratisch legitimierten, aber durchaus autoritären politischen System, das wenig von Subversion und viel von drakonischen Strafen hält. Das kann man kritisch sehen; als Tourist, der sich tunlichst an die Spielregeln der Gastgeber halten sollte und dessen oberste Priorität nicht das Einfordern von Meinungsfreiheit ist, profitiert man davon jedoch ungemein.

Was uns zu guter Letzt auch sehr, sehr gut gefallen hat, ist die Küche Singapurs, wobei wir die teils horrend teuren Restaurants ausgelassen und uns auf die einfache „Straßenküche“ konzentriert haben. Wobei „Straßenküche“ schon nicht mehr stimmt, denn auch das ist eine Folge der Regulierung durch die Behörden: Küchen im Freien und fahrende Händler gibt es kaum noch, statt dessen wurden Hawker Center und Food Courts geschaffen, überdachte Gebäude mit festen Ständen für eine Vielzahl von kleinen Küchen und unterschiedlichsten kulinarischen Angeboten. Die sind zum Teil so winzig, dass man sich gar nicht vorstellen kann, wie sich dort etwas Anständiges zu Essen zaubern lässt – aber es funktioniert. Die Preise sind absurd niedrig, die Qualität ist teils sensationell (so hoch, dass sie schon mit Michelin-Sternen ausgezeichnet wurde); man darf sich nur nicht am einfachen Ambiente stören: Plastiktische, Plastikstühle, Plastikteller, hektische Betriebsamkeit …

3 Gedanken zu “Singapur

  1. Toller Bericht mit schönen Bildern!
    Wir waren im Januar 2019 für 5 Tage dort und ich kann alles nur bestätigen 🤗
    Sehr grüne und saubere Stadt 🏙 👍

    Gefällt 1 Person

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