10 Tipps, wie ihr euer Newsroom-Projekt garantiert gegen die Wand fahrt

Nichts ist leichter als einen Newsroom einzuführen. Vor allem wenn ihr diese 10 Tipps beherzigt, die ich heute todernst bei einem Vortrag auf der „Newsroom-Tagung“ der Quadriga-Hochschule in Berlin gebe ;-)

1. Wir haben zwar kein Problem, aber wir brauchen einen Newsroom!

Alle reden über Newsrooms, also muss da was dran sein! Das ist wie damals, als alle ins Internet gegangen sind und keiner so genau wusste, warum. Oder etwas später, als plötzlich alle Pressemeldungen auf Twitter und Facebook verbreitet haben, weil das die heißen neuen Kanäle waren. Oder noch etwas später, als alle eine App haben wollten, egal wozu, Hauptsache eine App! Kommunikations-Profis wissen: Alle drei Jahre wird eine neue Sau durchs Dorf getrieben (gestern: Content Marketing; heute: Newsrooms; morgen: Influencer!) und wenn man mit ihr durchs Dorf rennt, macht man sicher nichts falsch. Sollten Kritiker und Nörgler nach Zielen der Newsroom-Einführung oder gar einem Delta zwischen Ist- und Soll-Situation fragen: am besten gleich aus dem Projekt verbannen, die Queruanten!

2. Ein Newsroom? Cool! Alle werden begeistert sein!

Gerade weil alle darüber reden, werden auch alle die Idee, einen Newsroom einzuführen, großartig finden. Vor allem wenn ihr mit eurer Vision um die Ecke kommt, was durch den Newsroom alles besser wird: Silos werden aufgelöst, die Effizienz wird gesteigert, Redundanzen werden abgebaut, Transparenz wird erhöht, homogene integrierte Kommunikation wird sichergestellt … Das sind phantastische Management-Ziele, die das Herz jedes Mitarbeiters bewegen und höher schlagen lassen. Wer wollte nicht effizienter sein? Und alle lieben Transparenz, vor allem wenn es um die eigene Arbeit geht.

3. Menschen lieben Veränderung. Change Management ist daher ein Kinderspiel!

Wer will schon tagein, tagaus dasselbe machen? Langweilig! Eure Mitarbeiter sind Rebellen und Pioniere, die raus wollen aus ihrer Komfortzone und sich wie einst Christoph Columbus nach einem Aufbruch in ferne Gefilde sehnen. Klar ist das mit Risiko verbunden, aber lieben wir nicht alle das Risiko? Also, warum warten: Nutzt gleich die nächste Teambesprechung und verkündet nach bester Stromberg-Manier: Kinder, ich dachte mir, wir stellen mal die ganze Organisation auf den Kopf, ist das nicht großartig? Der Applaus wird lang und anhaltend sein.

4. Die Newsroom-Einführung ist Chefsache!

Apropos Stromberg: „Demokratie ist schön und gut für den Staat, aber im Büro ist das natürlich tödlich.“ Nein, nein, einen Newsroom einzuführen, das ist Chefsache. Es hat schon einen Grund, warum ihr Chef seid: Weil ihr den besten Durchblick habt, und zwar sowohl im Großen und Ganzen als auch in den Details. „Top down“ hat sich schließlich über Jahrzehnte bewährt, warum soll das heute schlecht sein? Haltet euch daher nicht lange damit auf, eure Mitarbeiter einzubeziehen, und lasst euch schon gar nicht von einer genialen Umsetzungs-Idee abbringen, nur weil irgendwer sie nicht gut findet und eine Handvoll Argumente dagegen vorbringt. Wenn ihr Tipp 1 beherzigt habt (siehe oben: Umgang mit Querulanten), dürfte das aber eh nicht der Fall sein.

5. Eure Mitarbeiter sind Profis, die schaffen das schon!

Stress gehört in jeder Kommunikationsabteilung zur Tagesordnung. Stress ist positive Energie! Was kann es da Schöneres geben als ein Newsroom-Projekt, das on top zum Tagesgeschäft dazu kommt? Und da Mitarbeiter nicht nur Stress, sondern auch Veränderung lieben (siehe Tipp Nr. 3), werden sie sich auf die neuen Aufgaben im Newsroom stürzen. Schwimmen lernt man ja auch am besten mit einem beherzten Sprung ins kalte Wasser. Schulungen, Coaching & Co. kosten nur Zeit und Geld. Zeit habt ihr keine (es ist ja schon stressig) und Geld natürlich auch nicht, schließlich braucht ihr Budget für sensationelle neue Räumlichkeiten, was uns zum nächsten Punkt bringt …

6. Der Newsroom ist ein Raum. Alles andere findet sich!

Das sagt ja schon der Name. NewsROOM. Und wenn ihr ganz ehrlich seid: Das hat euch immer am meisten angemacht, diese abgefahrenen Fotos von Newsrooms, wo sich alle Mitarbeiter in einem coolen Open Space und in konzentrischen Kreisen um ein Epizentrum der Kommunikation versammeln, das man an riesigen Bildschirmen erkennt, auf denen Unternehmensnews und Tweets und Instagram-Bilder durchtickern, dass es eine Freude ist. Was für CNN recht ist, kann für eure Kommunikation nur billig sein. Also: Denkt groß! The sky is the limit. Das wird auch eurem Chef gefallen, wenn Kommunikation endlich mal Geld ausgeben will. (Und eurem Gebäudemanagement erst recht.)

7. Der Newsroom ist ein Organisationsmodell. Der Raum ist egal!

Wie, euer Chef und das Gebäudemanagement waren doch nicht so begeistert von euren Umbauplänen? Macht nichts. Raum spielt keine Rolle. Es geht um eine Idee, um Rollen und Prozesse. DIe kann man auch in einer mongolischen Jurte realisieren. Mehr Austausch, mehr Transparenz, agile Kommunikation mit Dailys und Konferenzformaten – dieser Spirit lässt sich doch durch Einzelzimmer und geschlossene Bürotüren nicht bremsen (und schon gar nicht durch weit verstreute Büros und lange Wege): Wie war das? Probleme sind nur dornige Chancen …

8. Kommunikatoren lieben es zu kommunizieren. Das geht ganz von alleine!

Der Newsroom lebt von Austausch und Kommunikation untereinander, und was wäre ein besserer Ort dafür als eine Kommunikationsabteilung? Jeder Kommunikator liebt es, seine Themen vorzustellen und mit Kollegen darüber zu diskutieren. Das Bild vom Redakteur und Texter, der seine Ruhe braucht und sich konzentrieren muss, um etwas in Perfektion aufs Papier zu bringen, ist doch ein Klischee. Deshalb muss man den Austausch auch gar nicht fördern oder unterstützen (und schon gar nicht organisieren). Einfach laufen lassen!

9. Feedback und konstruktive Kritik kommen immer super an!

„Kritik ist Liebe“ stand im Newsroom des Handelsblatts an der Wand, und genau so verstehen das auch die Mitarbeiter. Eine Blattkritik, wo man endlich mal in epischer Breite zu hören bekommt, warum der eigene Text leider eine Katastrophe, jede Metapher schief, die Aussage zweideutig, die Headline langweilig und die Text-Bild-Schere gewaltig war – wunderbar! Jahrelang musste man einsam vor sich hin arbeiten, jetzt endlich hagelt‘s Feedback, und das empfindet natürlich jeder als Bereicherung. Und weil das so ist, gilt auch hier: einfach laufen lassen! Ihr werdet euch wundern, was für eine herrliche Gruppendynamik und Energie da entsteht …

10. Den Newsroom einführen: ja. Aber dann muss es auch mal gut sein mit der Veränderung!

Den Newsroom planen, umsetzen – und dann wird es Zeit für‘s nächste Projekt, zumal die nächste Sau (siehe Tipp Nr. 1) schon am Horizont auftaucht. Rollen, die ihr definiert, Prozesse, die ihr eingeführt, Besprechungsformate, die ihr euch überlegt habt, werden bitte nicht mehr angetastet. So ein Modell braucht ja auch erst mal Zeit, um zu wirken. Nachbesserungen und Feintuning sind was für Schwächlinge und wären ein Eingeständnis mangelnder Perfektion. Nein, nein, das Ganze wird einmal sauber weggemanagt, dann gibt es eine rauschende Projektabschluss-Feier, ein glänzendes Reporting an den Chef, und gut ist‘s. Happy End. Versprochen :-)

PS, mal ernsthaft …

Mehr über Newsrooms und wie ihr euch ihnen nähern könnt, erfahrt ihr bei Christoph Moss, Marie-Christine Schindler oder auch hier im Blog.

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