Rhein-Reise

Warum in die Ferne schweifen und nicht mal den Rhein zwei Wochen lang von Süd nach Nord entlangfahren? Eine ziemlich gute Idee, wie sich zeigen sollte …

Ich könnte jetzt behaupten, wir wollten mit dem diesjährigen Familienurlaub im Sommer das Klima schonen, auf Fernflüge und Kreuzfahrten verzichten … Aber ehrlich gesagt gab es zwei pragmatische Gründe für den Urlaub quasi vor der Haustür: Erstens waren mit der Reise nach Singapur Budget und Klima schon hinreichend belastet. Und zweitens wollte Kind Nummer 3 unbedingt zur Gamescom in Köln. Also haben wir daraus eine knapp zweiwöchige, rund 600 Kilometer lange Tour von Basel bis ins Ruhrgebiet gebastelt.

Basel und Schwimmen im Rhein

Vier Ferienwohnungen haben uns als Ausgangspunkte gedient, die erste war mitten im Weinberg vor den Toren Freiburgs. Südlichstes Ziel der Reise: Basel. Alles nett, außer dass Basel halt in der Schweiz liegt und damit im Großen und Ganzen unbezahlbar ist. Eine Runde Eis auf die Hand? 30 Euro. Völlig kostenlos dagegen und ganz wunderbar: die Möglichkeit, ca. 3 Kilometer im Rhein zu schwimmen bzw. sich treiben zu lassen.

Freiburg, Breisach und Kaiserstuhl

Freiburg war wie gesagt nur einen Steinwurf von unserer Ferienwohnung entfernt. Eine knuffige Altstadt mit sehr sehenswertem Münster. Einen schönen Blick auf beides hat man vom nahe gelegenen Schlossberg, da stört auch ein bisschen Regen nicht. Zwischen Freiburg und dem Rhein (wo wir noch einen Abstecher nach Breisach gemacht haben) liegt der Kaiserstuhl, ein kleines vulkanisches Mittelgebirge, ideal zum Wandern in Wald und Weinbergen und zum Einkehren zum Beispiel beim Winzer, Gastronomen und künftigen DFB-Präsidenten Fritz Keller …

Elsass und Vogesen

Ein Stück nach Westen über’n Rhein rüber, und schon ist man im Elsass. Hier haben wir im schnuckeligen Colmar Station gemacht und sind dann noch weiter in die Vogesen gefahren, noch ein Mittelgebirge und deutlich höher als der Kaiserstuhl.

Straßburg und Worms

Unsere nächste Übernachtingsstation lag ein ganzes Stück weiter nördlich, in der Nähe von Mainz. Den Weg nutzten wir zu Zwischenstopps in Straßburg und Worms.

Straßburg ist natürlich großartig: phantastische Gotik, hübsche Fachwerkhäuser in „La Petite France“ (und jede Menge Touristen). Ebenfalls großartig: die Möglichkeit, das Auto für 4 Euro (!) den ganzen Tag außerhalb der City zu parken und mit der Straßenbahn in die Stadt zu fahren. 4 Euro. Parken. ÖPNV. Ganze Familie. Ganzer Tag. Unglaublich … Weniger großartig ist Worms, genau genommen: nicht der Rede wert, abgesehen vom romanischen Dom. Und einem tollen Saumagen mit Riesling in der Altstadt.

Mainz, Rheingau und Nahe

Nach einem Spaziergang durch die Mainzer Innenstadt (sehr verschlafen weil Sonntagvormittag) fuhren wir in den Rheingau und wanderten durch die Weinberge nördlich des Rheins bei Eltville. Ein Gläschen zur Stärkung inklusive, versteht sich. Ein weiterer Abstecher führte uns zur Nahe, die bei Bingen in den Rhein fließt. Auch dort gibt’s feinen Wein und tolle Aussichten, zum Beispiel vom Rotenfels bei Bad Münster.

Bacharach, Wein und Wege

Etwas nördlich von Bingen in Bacharach lag auch unsere dritte Ferienwohnung. Ein wirklich netter kleiner Ort mit – Überraschung – Weinbergen, Wanderwegen und Klettersteigen. Mit geliehenen (altersschwachen) Rädern fuhren wir nochmal am Rhein entlang nach Bingen. Und klar, natürlich sind wir auch an der Loreley vorbeigekommen, aber ganz ehrlich, das ist auch nur ein Fels, um den etwas zu viel Bohei gemacht wird.

Rheinschleife und Deutsches Eck

Einer der schönsten Klettersteige (oder alternativ Wanderwege) liegt, wenn ihr mich fragt, übrigens bei der Rheinschleife bei Boppard. Man kraxelt so lange bergauf, bis man erstens den Rhein in Gänze um die Kurve mäandern sieht und zweitens hübsche Einkehrmöglichkeiten mit Ausblick gefunden hat.

Koblenz lag dann halt auf dem Weg zu unserer letzten Station. Nachdem wir bei Bingen schon die Nahe in den Rhein haben fließen sehen, wollten wir uns Selbiges auch in Sachen Rhein und Mosel anschauen. Fürs Deutsche Eck, wo das Ganze stattfindet, gilt indessen wie für die Loreley: stark überbewertet (oder auch: starke Leistung der dortigen Tourismusverbände, aus nichts ein begehrtes Reiseziel zu machen).

Köln und Düsseldorf

Die Gamescom (der aufmerksame Leser erinnert sich) war ja einer der Gründe für diese Reise, also lag unsere letzte Ferienwohnung im Ruhrgebiet, genauer gesagt in Essen, weil die Spielemesse das Preisniveau rund um Köln in Schweizer Gefilde hebt. Alles kein Problem mit dem ÖPNV-Tagesticket für die ganze Familie für 45 Euro. Die S-Bahn nach Köln war schon der reinste Nerd-Transport – überwiegend männliche Jugendliche, von denen sich nicht wenige größte Mühe gaben, dem Klischee des „Gamers“ komplett zu entsprechen. Die S-Bahn-Gespräche unserer Sitznachbarn könnte ich jedenfalls selbst dann nicht wiedergeben, wenn ich wollte – ich habe schlicht kein Wort verstanden von dem, was da heiß diskutiert wurde.

Nachdem wir Köln-Messe/Deutz hinter uns gelassen und zwei von drei Kindern dort abgeladen hatten, schauten wir uns in Ruhe Köln von oben und unten und aus den schönen Brauereigaststätten heraus an. Und ja, auf dem Rückweg am Nachmittag machten wir auch gleich noch in Düsseldorf Halt bzw. Alt (Kalauer, sorry).

Ruhrgebiet und Essen

Nachdem wir nun schon von der Wein- in die Bierregion gefahren waren, ändert sich natürlich nördlich von Koblenz auch das Landschaftsbild. Das Mittelrheintal ist vorbei, es wird flach und großstädtisch. Spätestens rund um Essen geht eine Stadt in die andere über, und die höchsten Erhebungen sind Halden, die aus Bergwerks-Gestein aufgeschüttet wurden. Von dort hat man schöne Aussichten in die nahe und ferne Umgebung, erst Recht wenn auf der Halde noch eine Mischung aus Kunstwerk und Aussichtsturm steht wie das Tetraeder in Bottrop. Und natürlich haben wir uns in Essen auch die Zeche Zollverein angeschaut – ein Wahnsinns-Industriedenkmal, ein Koloss aus Stahl, das für mich wie kein anderes die Industrialisierung vor der Digitalisierung veranschaulicht und damit auch den stets notwendigen Wandel hin zu Neuem.

Dennoch gibt es auch rund um Essen schöne grüne Ecken, zum Beispiel am Baldeneysee, wo wir unsere nördlichste Wanderung machten – zum Abschluss einer bemerkenswert schönen, interessanten und abwechslungsreichen Reise.

2 Gedanken zu “Rhein-Reise

  1. Lieber Christian, endlich mal wieder ein Blogbeitrag! Und das spricht wohl wirklich für Erholung und Begeisterung. Wunderbarer Beitrag mit gewohnt viel Augenzwinkern und Humor und tolle Bilder. Vielen Dank!

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