Erfreuliches (und weniger Erfreuliches) im Sommer 2019

In den Sommermonaten war unter anderem Zeit für Rassismus in den Südstaaten, die nächste misslungene King-Verfilmung, einen enttäuschenden Papst, eine sehr spezielle Boy-Group und nicht ganz gelungene neue Staffeln ehemals sehr guter Serien …

Green Book

In den 60er Jahren geht ein gebildeter und durchaus arroganter schwarzer Musiker auf Konzertreise durch die Südstaaten der USA, begleitet von einem weißen Fahrer und Ex-Türsteher aus der Unterschicht, geleitet durch das Negro Motorist Green Book, das Schwarzen die Hotels und Restaurants nannte, die sie im Süden nutzen durften. Der Trick des Films: Der aus heutiger Sicht unfassbare, menschenverachtende Rassismus der damaligen Zeit wird kinokompatibel aufbereitet als Buddy-Movie a la ziemlich beste Freunde, noch dazu mit Happy End. Das kann man kritisieren, man kann dem Kino diese Zuspitzung und Abfederung eines komplett schrecklichen Themas aber auch zugestehen und den Film dann schön, unterhaltsam und sehenswert finden (was ich tue). Was mich am meisten überrascht hat: Was für ein großartiger Schauspieler Viggo Mortensen ist, der den derben, aber liebenswerten Fahrer spielt und den ich natürlich als etwas limitiert geschauspielerten Aragorn aus der Herr der Ringe Trilogie abgespeichert hatte. (Gesehen auf Amazon.)

Der dunkle Turm

Ein leider ziemlich missratener Versuch, eine der ganz großen und umfangreichen Stephen King-Geschichten zu verfilmen. Die Zahl der schlechten King-Verfilmungen ist ja Legion. Aber man muss schon besonders tollkühn oder wahnsinnig sein, ausgerechnet aus der zehnbändigen Dunkler-Turm-Buchreihe nicht etwa eine Serien zu machen, um die Geschichte über einige Staffeln hinweg zu entwickeln und auszurollen, sondern einen 95-minütigen Spielfilm. (Wir erinnern uns: Aus dem dünnen Taschenbuch Der kleine Hobbit hat Peter Jackson ein dreiteiliges, achtstündiges Filmepos gemacht – es geht also auch anders.) Dass der Dunkle Turm-Film vor diesem Hintergrund etwas unterkomplex bleibt, ist dann letztlich keine große Überraschung. (Gesehen auf Netflix.)

The Young Pope

Eine Serie über einen jungen, ungewöhnlichen Papst … Gute Idee! Theoretisch. Praktisch leider nicht. Beginnt verheißungsvoll und wird dann immer langweiliger. Aus der netten Ausgangssituation wird wenig bis gar nichts gemacht. Und unter uns Älteren: Was, bitte, ist an einem ultra-reaktionären Papst ungewöhnlich und interessant? Ich versuche mir die Drehbuch-Autoren vorzustellen: Hey, lass uns eine Serie über einen Papst machen, der mal ganz anders ist. Wie anders? Ganz fortschrittlich, feministisch, weltoffen? Nee, ganz reaktionär. Super Idee, das gab‘s noch nie! Na ja bis auf ungefähr ALLE Päpste seit Petrus und zuletzt natürlich Johannes Paul II, der jahrzehntelang die Welt mit seinem Konservatismus gequält hat. Also: eine Serie zwischen Ärgern und Einschlafen, leider. (Gesehen auf Bluray.)

The Boys

Was passiert eigentlich, wenn irgendein Superheld mal wieder auf der Jagd nach Schurken die halbe Stadt in Schutt und Asche legt? Es gibt Kollateralschäden, von denen bei Marvel nie die Rede ist, in dieser wunderbar bösen, zynischen und witzigen Serie aber schon. Am Anfang stirbt die Freundin der Hauptfigur, weil ein blitzschneller Superheld a la Flash aus Versehen durch sie hindurch läuft. Das ist sehr blutig (wie die ganze Serie) und sehr frustrierend für die Hauptfigur, auch weil später niemand die Verantwortung übernehmen will. Kann halt passieren, Pech gehabt. Als er nach und nach herausfindet, dass die meisten Superhelden vor allem marketinggeile Egomanen sind, denen das Wohl der Menschheit komplett egal ist, schließt er sich einer kleinen Gruppe von Outlaws an, die dem Treiben der Superhelden ein Ende bereiten oder sie am besten gleich um die Ecke bringen wollen (was gar nicht so einfach ist, wenn jemand unverwundbar zu sein scheint). Sehenswert (auf Amazon).

Mindhunter Staffel 2

Ich bin ehrlich gesagt ein bisschen enttäuscht, nachdem ich Staffel 1 ganz großartig fand. Das langsame Erzähltempo, das mir schon in Staffel 1 gefallen hat, wird leider irgendwann ein langweiliges Erzähltempo. Die Story ist wenig stringent, vor allem am Ende mäandert der Versuch, den Täter zu überführen, vor sich hin, um dann plötzlich irgendwie aufgelöst zu werden. Und auch die Nebenhandlungen fand ich etwas sehr bemüht. Ich musste mich zwingen, durchzuhalten und fertig zu schauen, und das ist ja immer kein ganz gutes Zeichen … (Gesehen auf Amazon.)

Stranger Things Staffel 3

Zum dritten Mal führt uns Stranger Things zurück in die 80er Jahre, zum dritten Mal dürfen wir in Kindheitserinnerungen schwelgen … Und leider serviert uns die Serie auch zum dritten Mal die gleiche Geschichte und die gleichen Bedrohungen, mit denen die gleichen Figuren fertig werden müssen. Das ist immer noch nett, aber mehr auch nicht. (Gesehen auf Netflix.)

 

Bildnachweis: (c) 2019 eOne Germany

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