Fünf Anmerkungen zu 2019

Es ist die Zeit der Rückblicke auf das, was im vergangenen Jahr bemerkenswert war. Mir ist nicht nach einem großen Jahresrückblick, dafür war das Jahr zu schwierig. Aber ein paar Anmerkungen hätte ich …

1. Krebs ist ein Arschloch

Keine besonders originelle Erkenntnis, aber mit persönlicher Betroffenheit sieht man das Thema nochmal anders. Hinzu kommt: Ich bin langsam in einem Alter, in dem die Familie kleiner wird und in dem man sich von Menschen verabschieden muss, die einen ein Leben lang begleitet haben. Unsere Großeltern sind inzwischen alle gestorben. Das Leben hatte einigen von ihnen einen Langstreckenlauf beschert, unsere Großmütter wurden 96 und 97 Jahre alt. Mit ihnen ist eine Generation gestorben, die ein unglaubliches Jahrhundert erlebt hat. Unsere Eltern, alle in den letzten Kriegsjahren geboren, gehen langsam auf die 80 zu und werden überraschenderweise auch nicht jünger. Das Jahr aber war geprägt zunächst von großer Sorge um meinen Vater, dann von großer Trauer. Wie ein Schatten legte sich diese Trauer übers Jahr und dämpfte alle Farben und Töne.

Wunsch für 2020: Gesundheit für alle, die uns nahe sind.

2. Sport hilft ungemein

Fun Fact: Stand heute habe ich an 300 Tagen dieses Jahres Sport gemacht. Das verraten mir meine diversen Fitness-Apps, denn ich bin ein geradezu zwanghafter Statistik-Fanatiker in Sachen Sport. An diesen 300 sportlichen Tagen haben ich rund 180.000 Kilokalorien zusätzlich zum normalen Grundumsatz verbraucht. Das sind umgerechnet 25 Kilo reines Fett, das ich sonst mit mir rumschleppen würde (oder, auch nicht besser, das ich in asketischer Enthaltsamkeit nie hätte zu mir nehmen dürfen). Vor allem aber bin ich jede Menge geradelt, gejoggt, gewandert und ins Fitness-Studio gepilgert. Ich habe zwei Pläne erfolgreich umgesetzt: Erstens eine komplett neue Sportart begonnen und durchgehalten, nämlich TRX. Da trainiert man mit Bändern, Balance und eigenem Körpergewicht. Der Muskelkater nach der ersten Stunde war der schlimmste meines Lebens, aber hey, was soll‘s. Zweitens gebe ich seit einem Jahr als Trainer Indoor Cycling-Stunden. Eine Sportart, bei der man sich in einem geschlossenen Raum versammelt und zu sehr lauter Musik sehr schweißtreibend radelt, ohne sich von der Stelle zu bewegen. Klingt völlig bekloppt, macht aber großen Spaß. Ich bin wieder so viel Rennrad gefahren wie seit meiner Jugend nicht mehr. Ich habe beim 10-Freunde-Triathlon mitgemacht. Und ich habe durch all das den Kopf wenigstens ein bisschen frei bekommen.

Wunsch für 2020: keine unnötigen Sport-Verletzungen und weiter so viel Gaudi mit meinen Kursteilnehmern.

3. Mal weg sein

Tut mir leid, wenn das hier lauter Kalenderspruch-Erkenntnisse sind. Aber auch das hat dieses Jahr geholfen: einfach mal weg zu sein. Und während wir die letzten 20 Jahre mit unseren Kindern eigentlich nur in einem Umkreis von maximal 1.000 Kilometern unterwegs waren und dabei wunderbare Urlaube hatten (meine Rede: Kindern ist es wurscht, ob sie im Pazifik oder im Bodensee planschen dürfen), war dieses Jahr mal wieder ein Jahr der Fernreisen. Ich war erstmals in Asien, in Singapur und Japan, und es war sicher nicht das letzte Mal. Wir waren aber auch wieder ganz in der Nähe unterwegs: im Fichtelgebirge und am Rhein, in Schladming und Südtirol. All das eine Mischung aus Lernen, Staunen, Genießen, Wandern, Feiern …

Wunsch für 2020: Bitte mehr davon.

4. Alles fließt

Nun arbeite ich seit 19 Jahren im selben Unternehmen und könnte nicht behaupten, dass es je langweilig geworden ist. Aber was da zurzeit an Veränderung vor sich geht, ist schon bemerkenswert, im Kleinen wie im Großen. Ein bisschen erfinden wir uns neu, und das ist gut so. Bei einer solchen Transformation kann man natürlich auch wahnsinnig viel lernen, über sich selbst, über andere, über Strukturen, über Kommunikation … Wenn‘s etwas ungemütlicher wird (und Veränderung ist immer ungemütlich), trennt sich auch die Spreu vom Weizen, sprich der Besitzstandswahrer vom Lösungssucher, der Dampfplauderer vom Gestalter, der nette Mensch vom weniger netten. Lehrreich das alles, spannend und ein bisschen anstrengend.

Wunsch für 2020: Alles wird gut.

5. Das Ende der Debatte

Und während wir uns alle noch digitalisieren und auf den lange versprochenen Breitbandausbau hoffen, damit clevere Startups tolle neue Geschäfte erfinden können oder wir einfach nicht mehr „auf dem Amt“ eine Nummer ziehen müssen, um irgendetwas zu tun, das man längst von zu Hause aus am Bildschirm erledigen könnte … während diese ganze Digitalisierung noch Entwicklungsland ist, hat die Kommunikation in digitalen Medien ihren Zenit überschritten. Was wir da aktuell erleben dürfen, ist nicht mehr Neuland, weil man noch suchen und finden muss, wie das am besten funktioniert. Wir erleben vielmehr einen Reifegrad, der an eine wochenalte Obstschale erinnert. Gerade sah alles noch frisch aus und duftete verheißungsvoll nach Vernetzung, Austausch und Dialog auf Augenhöhe. Doch die Verfallserscheinungen sind unübersehbar. Faszinierenderweise haben die neuen Möglichkeiten digitaler Kommunikation rasend schnell dazu geführt, dass wir verlernt haben, wie Kommunikation funktioniert, was eine Debatte ist, wie der Austausch von Argumenten funktioniert und was der mit uns machen kann, nämlich uns dazu zu bewegen, Positionen zu finden, einzunehmen, nachzujustieren, ganz aufzugeben oder sie mit neuen Argumenten zu festigen. Statt dessen gibt es nur noch Turbo-Festlegungen auf Richtig und Falsch, Gut und Böse, Freund und Feind. An Menschen wie Greta und Themen, die sie repräsentieren, entzündet sich das Feuerwerk, das wir aus den Schützengräben unserer Social Media-Accounts abfackeln. Die Farben des Feuerwerks sind schwarz und weiß. Es gibt nur noch Klimaretter und Umweltschweine, Nazis und aufrechte Demokraten, Feminist*innen und alte weiße Männer. Und als würde das nicht reichen, wird jede Kleinigkeit zum nationalen, nein: globalen Debakel stilisiert und über die Massenmedien auf die ganz große Bühne gehoben, wo sie wiederum vom amerikanischen Präsidenten himself mit einem Kommentar gewürdigt wird, wodurch sich immerhin der Kreis der Nichtigkeiten schließt.

Wunsch für 2020: (viel) mehr Gelassenheit, Ernsthaftigkeit und Ambiguitätstoleranz.

Ich danke euch allen fürs Mitlesen und wünsche euch ein wunderbares neues Jahr!

5 Gedanken zu “Fünf Anmerkungen zu 2019

  1. Danke für die anregenden Jahresrückblickgedanken und beim 4. Punkt freue ich mich auf die weitere enge Zusammenarbeit und sinniere gerade in welcher deiner Schubladen ich wohl stecke … 😉

    Liebe Grüße und einen tollen Start innen Jahr 2020 mit ganz viel Wunscherfüllung!

    Christian

    Gefällt 1 Person

  2. Lieber Christian,
    alles Liebe zum Jahresausklang; die herzlichsten Wünsche zu einem furiosen Start ins neue Jahr! Ich habe im letzten Jahr leider zu viel gearbeitet und konnte hier weniger lesen – und kommentieren(!) – als sonst. Das soll wieder besser werden. Und dann haben wir ja noch unsere kuschelige Serien-und-Film-Gruppe als Treffpunkt :) Lass es Dir sehr gut gehen und danke für Deinen Blog, der für mich nach wie vor ein Leuchturm in der ganzen virtuellen Aufgeregtheit ist.

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  3. Lieber Christian,
    ein schönes 2020 für Dich und Deine Familie.
    Interessanterweise habe ich beim letzten Bild gelesen: Digitale Müdigkeit – das hätte auch passen können ;-)
    In diesem Sinne auf interessante neue Beiträge in 2020.
    Raul aka Du weißt schon.

    Gefällt 1 Person

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