Indoor Cycling? Was ist das denn?

Es gibt ja viele wunderbare Sportarten, bei denen man sich fortbewegt oder zum Beispiel den kindlichen Spieltrieb an einem Ball auslässt. Völlig sinnlos ist es dagegen, wie ein Verrückter zu radeln und sich keinen Millimeter von der Stelle zu bewegen. Sinnlos, aber großartig …

Der durchschnittliche, normal temperierte, berufstätige Rennrad- oder Mountainbike-Fahrer hat im Winter einfach ein Problem. Es ist zu kalt und zu dunkel, um den Sport halbwegs vergnüglich betreiben zu können. Komplett pausieren ist keine Option, es sei denn, man will den konsequenten Wechsel vom Rad aufs Sofa im Frühjahr bitter bereuen. Bleibt nur die Indoor-Version: Radfahren im wohltemperierten Fitnessstudio (oder zu Hause, wer entsprechend Platz hat und investieren will). Aber sind wir ehrlich: Die Standard-Fitnessstudio-Variante namens Ergometer macht nicht wirklich Spaß und dient den meisten nur zum Aufwärmen. Eine Stunde auf dem Ding? Viel zu langweilig. Es ist ja auch kein Zufall, dass die meisten privat angeschafften Ergometer nach fünfmaliger Benutzung in irgend einem Kellerraum vergammeln …

Das führt uns zum Indoor Cycling – nicht in der vereinsamten, tödlich langweiligen (und maximal unsexy) Ergometer-Variante, sondern als kollektives Event. Dabei fahren mehrere Menschen zu lauter Musik auf der Stelle, machen komische Bewegungen und lassen sich von einem Trainer anbrüllen … Das klingt nach Spaß, oder?

Jetzt aber mal im Ernst: Das macht Spaß, und ich weiß, wovon ich rede, denn ich bin seit gefühlt schon ewig Teilnehmer und seit einem Jahr Trainer von Indoor Cycling-Kursen.

Warum ist das so? Zeit für eine Liste:

Fünf Gründe, warum Indoor Cycling wirklich cool ist …

Erstens: Es ist ein regelmäßig stattfindender Kurs in einem Fitnessstudio eures Vertrauens. Ein fester Termin, ein-, zwei- dreimal die Woche. Steht im Kalender, keine Ausreden. Nicht hinzugehen bedeutet, etwas auszulassen und zu verpassen. Nicht in den Keller zum einsamen Ergometer zu gehen, bedeutet dagegen, nicht in den Keller zu gehen. Noch Fragen?

Zweitens: You are not alone. Indoor Cycling gibt‘s in der Gruppe, und das sind (fast) immer nette Menschen (Radfahrer und Sportler sind sowieso (fast) immer nette Menschen, wer würde da widersprechen wollen?). Fährt man länger in der Gruppe, lernt man unweigerlich die netten Menschen kennen. Beim Ergometer in Keller hingegen … Na, ihr wisst schon.

Drittens: Es gibt phantastische Musik. Beim Indoor-Cycling macht man zweierlei gemeinsam: Man folgt den Ansagen des Trainers, was bestimmte Übungen angeht, und man fährt im Rhythmus der Musik. Gut, zugegeben, hier sind wir an einem etwas heiklen Punkt angekommen: Musik ist Geschmackssache. Das könnte ein Pluspunkt fürs Ergometer im Keller mit selbst zusammengestellter Playlist sein … Aber: Es gibt im gut sortierten Fitnessstudio eures Vertrauens ja mehr als einen Indoor Cycling-Kurs, mehr als einen Trainer und damit mehr als einen Musikgeschmack. Ihr habt die Wahl. Denn klar ist für mich auch: Ich kann nur ein Training zu Musik anbieten, die mir selbst gefällt. An meinem Geschmack führt leider kein Weg vorbei. Ist etwas egoistisch, ich weiß. Daher gibt‘s bei mir einen manchmal etwas anstrengenden Schwerpunkt auf der Musik der 80er Jahre (als ich Teenager war, seufz …) und niemals Helene Fischer.

Viertens: Indoor Cycling ist eine der wenigen Sportarten, die der 10.000 Kilometer im Jahr abspulende Wettkampf-Rennradfahrer zusammen mit dem auf Gelenkschonung bedachten Freizeitsportler machen kann, der nach längerer Pause endlich mal wieder ein bisschen fitter werden will. Solche Leistungsunterschiede bei einer anderen Fortbewegungs- oder Ballsportart würden unweigerlich zu Frustration, Hass und Verzweiflung führen (wir erinnern uns an den Schulsport früher …) Beim Indoor Cycling aber heißt das Zauberwort: Widerstand. Alle fahren gemeinsam, in einem Rhythmus, den Widerstand am Rad stellt aber jeder nach seinen Möglichkeiten ein. Ob jemand mit 100 oder 300 Watt fährt, bleibt jedem selbst überlassen. Je nach Trainingszustand und Tagesform hat man zudem die Wahl: einmal richtig auspowern oder vor dem Feierabend nur ein paar Kalorien verbrennen.

Fünftens: Indoor Cycling ist ein Ganzjahressport. Klingt ein bisschen wie ein Widerspruch zu dem, was ich oben geschrieben habe. Und zugegeben, an einem lauen Sommerabend in einem windstillen Raum Radsport zu machen, muss man schon mögen. Was nicht jeder tut, weshalb es im Winter meist doppelt so viele und doppelt so volle Kurse gibt wie im Sommer. Aber ich mag das ganzjährig als Ergänzung zum Rennradfahren auf der Straße. Denn es greifen einfach die oben genannten Gründe eins, zwei und drei.

Übrigens: Spinning ist so was ähnliches wie Indoor Cycling, nur dass Spinning eine eingetragene Wortmarke eines amerikanischen Unternehmens ist, das den unbefugten Gebrauch des Wortes Spinning abmahnen lässt … was uns so unsympathisch ist, dass wir viel lieber und ganz einfach Indoor Cycling machen.

Und noch ein Übrigens: Der stilisierte Radler im Titelbild stammt von ICG, der Indoorcycling Group, die wunderbare Indoor Bikes macht (früher bekannt unter dem Namen Tomahawk) und bei denen ich auch meine Trainerausbildung gemacht habe.

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